Schwimmsaison: Gefährlicher Badespaß

Nach Informationen der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) ertranken 2018 hierzulande mindestens 504 Menschen.
PixabayDie Jugendliche war nach Polizeiangaben im Silbersee in Garßen geschwommen, als sie plötzlich unterging und nicht mehr auftauchte. Sie wurde zunächst von Rettungskräften aus dem Wasser geborgen und reanimiert, starb dann aber noch am selben Tag im Krankenhaus.
Leider sind Vorfälle wie dieser keine Seltenheit. Nach Informationen der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) ertranken 2018 hierzulande mindestens 504 Menschen. DLRG-Sprecher Achim Wiese erklärt die im Vergleich zu den Vorjahren erhöhte Zahl mit dem besonders langen und heißen Sommer. Offizielle Zahlen für 2019 liegen noch nicht vor, er gehe jedoch davon aus, dass es zumindest „nicht mehr“ werden. Besonders häufig betroffen seien Männer – sie machten etwa 80 Prozent der Verunglückten aus.
Jugendliche unterschätzten oftmals das Risiko und handelten leichtsinnig. Doch auch ältere Menschen sind besonders gefährdet, wie nun die DLRG bei der Detailauswertung der Statistiken feststellte. So seien 40 Prozent der Ertrunkenen über 55 Jahre alt. Dieser Anteil an der Gesamtzahl sei „besorgniserregend steigend“. Erst am Montag verlor eine 80-Jährige beim Schwimmen im Bodensee das Bewusstsein. Passanten zogen sie aus dem Wasser, doch starb auch sie später in der Klinik.
„Die hohe Zahl der Ertrunkenen in dieser Altersgruppe ist uns das erste Mal aufgefallen“, sagt Wiese. Eine mögliche Erklärung seien auch gesundheitliche Gründe. „Unterzucker kann fatal sein. Es können aber auch Vorerkrankungen Ursache sein, von denen Senioren nichts wissen, sie verdrängen oder ignorieren.“ Der Landesverband Bayern hat bereits reagiert und möchte mit speziellen Schwimmkursen aufklären. Ziel des Pilotprojekts ist es, älteren Menschen wieder Sicherheit im Wasser zu vermitteln.
Beim Gedanken an einen Ertrinkenden haben wohl viele die Vorstellung eines panischen Menschen, der laut um Hilfe ruft, hysterisch mit den Armen fuchtelt und jede Menge Aufmerksamkeit auf sich zieht. „Aber das spielt sich im realen Leben völlig anders ab“, sagt Achim Wiese – dieses Bild sei nichts weiter als eine Erfindung Hollywoods. Laut dem Wasserrettungsexperten Michael Schnatz vom Arbeiter-Samariter-Bund fehlt Menschen, die nach Luft ringen, häufig die Kraft, um auf sich aufmerksam zu machen. Das sogenannte stille Ertrinken werde häufig unterschätzt und nicht erkannt. „Achten Sie auf Ihre Mitmenschen und gehen Sie nicht davon aus, dass eine Person in einer Notsituation laut um Hilfe ruft.“ Besonders Kinder sind anfällig dafür, still und unbemerkt von ihrem Umfeld zu ertrinken. „Die Gefahr besteht nicht nur in großen Gewässern. Bereits der Gartenteich oder das Kinderplanschbecken kann bedrohlich werden“, sagt Bastian Sturm, stellvertretender Leiter Einsatz der DLRG Württemberg.
Zur eigenen Sicherheit sollten die Sicherheitstipps der DLRG beachtet werden: Sehr wichtig sei, niemals alleine schwimmen zu gehen, sich nach Möglichkeit vorher abzukühlen, um den Kreislauf zu stabilisieren und das Wasser bei einem aufziehenden Gewitter schnellstmöglich zu verlassen. Dringend abzuraten sei vom Schwimmen in großen Flüssen. Diese seien zumeist unbewacht und der Schiffsverkehr sowie starke Strömungen könnten schnell zur Gefahr werden, erklärt Wiese. An Brücken ist das Risiko besonders hoch: Unmittelbar vor ihnen können sich im Wasser Strudel bilden.
Doppeltes Risiko für Kinder
Nach einer Umfrage der DLRG kann nur noch etwa jedes zweite Kind im Grundschulalter schwimmen. Für Ein- bis Fünfjährige ist Ertrinken die häufigste und für unter 15-Jährige die zweithäufigste unnatürliche Todesursache. Darüber hinaus sind Kleinkinder noch einer weiteren Gefahr ausgesetzt – dem "sekundären Ertrinken". Gerät ihnen beim Baden Wasser in die Lunge, kann dies zu einer lebensgefährlichen Entzündungsreaktion führen.
DLRG-Sprecher Martin Holzhause empfiehlt, umgehend einen Arzt aufzusuchen, sollte ein Kind einige Stunden oder auch Tage nach einem Aufenthalt im Wasser stark husten, rasselnd atmen oder blaue Lippen bekommen.