Sicherheit in Brandenburg
: Wie kann man altersgerechten Umbau mit Einbruchschutz kombinieren?

Fast 45 Prozent der Einbruchsversuche in Wohnungen und Häuser werden inzwischen abgebrochen. Der Haken an der Sache: Die Nachrüstung hat ihren Preis. Wie man lässt sich dies finanzieren?
Von
MOZ
Frankfurt (Oder)
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Man kann alte Türen aufrüsten, zum Beispiel mit einem Kastenzusatzschloss, wenn man mehr Sicherheit möchte.

Susann Prautsch/dpa

Die Zahl der Einbruchsversuche in Brandenburg ist hoch. Selbst wenn es beim Versuch bleibt, können für die Geschädigten hohe Kosten bei der Umrüstung entstehen. Doch es gibt Mittel und Wege, diese zu senken bzw. mit den richtigen Sicherungsmaßnahmen den Einbrechern zuvorzukommen.

Reicht eine Alarmanlage als Einbruchschutz aus?

Nein. Mechanische Sicherungen, die sinnvoll aufeinander abgestimmt sind, stehen an erster Stelle und können dem Täter einen bestimmten Widerstand entgegensetzen und damit einen Einbruch unter Umständen verhindern. Daher sind mechanische Sicherungen eine wesentliche Voraussetzung für den wirksamen Einbruchschutz. Lediglich auf Alarmanlagen zu setzen, schützt Ihre Immobilie nur unzureichend und steht daher der polizeilichen Empfehlung entgegen.

In unserem Wohngebiet wird regelmäßig eingebrochen. Wie können wir unser Haus zuverlässig schützen?

Einen 100 prozentigen Schutz gibt es leider nicht. Aber Sie können es Kriminellen schwerer machen ins Haus einzudringen. Den besten Schutz bieten geprüfte und zertifizierte einbruchhemmende Bauelemente, wie Fenster, Türen, Gitter, Rollläden, nach DIN EN 1627, ab Widerstandsklasse RC2 oder nach der „alten“ DIN V ENV 1627, ab Widerstandsklasse WK2. Bereits eingebaute Fenster und Türen können mit mechanischen Sicherheitsprodukten nach DIN 18104 nachgerüstet werden, wodurch sich der Einbruchschutz deutlich verbessern lässt.

Thomas Krause, Präventionsmitarbeiter Polizeidirektion Ost

kmk

Was sollen Alarmanlagen leisten?

Aufgabe einer Alarmanlage ist es, so früh wie möglich einen Einbruch zu erkennen, Alarm auszulösen und diesen an eine Hilfe leistende Stelle zu melden. Je nach Art und Umfang kann sie Täter abschrecken, so dass es gar nicht erst zu einem Einbruch kommt.

Ergänzung zu mechanischen Sicherungen

Der Fachmann spricht, je nach der zugedachten Aufgabe, von Überfall– oder Einbruchmeldeanlagen (ÜMA/EMA), wobei diese Anlagen auch kombiniert werden können. ÜMA/EMA sind in der Regel als Ergänzung zu mechanischen bzw. baulichen Sicherungseinrichtungen zu sehen. Denn nur diese bieten einen Widerstand und lassen den Täter scheitern, während ÜMA/EMA ergänzend hierzu das Alarmieren von Sicherheitskräften übernehmen sollen.

Welche Sicherheitsvorkehrungen sind für die Fenster geeignet?

Gemäß DIN 18104 sollte man mit einbruchhemmenden Beschlägen und abschließbaren Fenstergriffen nachrüsten oder alternativ aufschraubbare Nachrüstsicherungen montieren. Fenster können auch mit Gittern oder Teleskopstangen wirksam gesichert werden.

Wie kann ich meine Haus– bzw. Wohnungstür absichern?

Bei Neu– und Umbauten erhält man durch den Einbau geprüfter und zertifizierter einbruchhemmender Türen nach DIN EN 1627, ab Widerstandsklasse RC2 einen guten Einbruchschutz. Bereits eingebaute Türen können meist nachgerüstet werden, wodurch der Einbruchschutz deutlich verbessert werden kann.

Fachgerechter Einbau ist wichtig

Wichtig ist, dass die Nachrüstungen für Türblatt, Türrahmen, Türbänder, Türschlösser, Beschläge, Schließbleche und auch Zusatzsicherungen in ihrer Wirkung sinnvoll aufeinander abgestimmt ist und fachgerecht eingebaut wird.

Wir gehen nächstes Jahr die energetische Sanierung der Fassade an und tauschen dafür auch die Fenster aus. Können wir einbruchshemmende Fenster über Fördergelder gleich mitfinanzieren?

Das ist möglich. Über die KfW–Programme „Energetisch Sanieren“ oder „Altersgerecht Umbauen“ erhalten Sie hierfür Förderungen. Reicht das Budget dann immer noch nicht aus, sprechen Sie bitte mit Ihrer Hausbank oder Bausparkasse über ein Bauspardarlehen.

Das Erdgeschoss haben wir bereits gesichert. Müssen Fenster und Balkontüren auch im Obergeschoss speziell gesichert werden?

Grundsätzlich sollten alle — auch die mit einfachen Aufstiegshilfen — leicht erreichbaren Fenster oder Fenstertüren, d. h. Balkon– und Terrassentüren, gesichert werden.

Sollen wir das Glas unserer Fenster durch einbruchshemmendes Sicherheitsglas ersetzen?

Übliche Isolierverglasungen haben keine einbruchhemmende Wirkung. Je nach Gefährdung können im Einzelfall einbruchhemmende Verbundsicherheitsgläser oder Sicherheitsfolien nachgerüstet werden.

Einbruchhemmendes Glas allein reicht nicht

Ob dies möglich ist, klären Sie am besten mit dem Fachbetrieb, der Ihre Fenster eingebaut hat. Fenster werden häufig einfach aufgehebelt, deshalb reicht die Nachrüstung mit einbruchhemmendem Glas alleine auf keinen Fall aus.

Lassen sich KfW–Förderungen kombinieren?

Ja. Es ist z. B. möglich die Programme für Einbruchschutz und Barrierefreiheit miteinander zu kombinieren. Beachten Sie im Falle eines anerkannten Pflegegrades auch die Angebote der Pflegekasse. Nicht kombinierbar sind i. d. R. Fördermaßnahmen von KfW, BaFa und der Landes– bzw. Investitionsbanken.

Wie hoch ist der KfW–Zuschuss für altersgerechte Sanierung plus Einbruchschutz?

Es gibt bis zu 6250 Euro Zuschuss für Maßnahmen der Barrierereduzierung und bis zu 1600 Euro für Maßnahmen zum Einbruchschutz, jeweils pro Wohneinheit.

Kann ich ein Bauspardarlehen auch spontan für eine kleinere Baumaßnahme beanspruchen?

Ja. Hier wäre ein sog. Blankodarlehen, also ein Darlehen ohne Grundschuldeintrag, bis 15.000 Euro, für Mieter, bzw. bis zu 30.000 Euro, für Immobilieneigentümer, denkbar.

Gregor Reski, Finanzierungsexperte beim Verband der Privaten Bausparkassen

kmk

Wie können wir das Darlehen aus dem Wohn–Riester für die altersgerechte Sanierung verwenden?

Wenn der Umbau innerhalb von drei Jahren nach Erwerb der Immobilien stattfindet, gilt hierfür eine Mindestinvestitionssumme von 6000 Euro, die Sie entnehmen müssten.

Bestätigung durch Sachverständigen

Danach gilt eine Summe von 20.000 Euro. Wichtig ist auch hier, dass ein Sachverständiger die zweckgerichtete Verwendung der Gelder bestätigt.

Was kostet eine altersgerechte Sanierung?

Dies kann man nicht pauschal beantworten. Bleibt es z. B. beim Badumbau, so können Sie von einem vermutlich vierstelligen Betrag ausgehen. Ziehen Sie umfassendere Maßnahmen in Betracht, die auch Küche, Treppe, Zugang und eine elektronische Hausvernetzung betreffen, so ist wenigstens ein mittlerer fünfstelliger Betrag fällig. Ein Finanzierungsexperte steckt mit Ihnen zusammen rechtzeitig den für Sie passenden Rahmen ab.

Welche Maßnahmen zum Einbruchschutz werden gefördert?

Hierzu zählen einbruchhemmende Haustüren, Nachrüstungen für Tür– und Fensterschlösser, Gitter, Rollläden, baugebundene Assistenzsysteme wie Gegensprechanlagen, Bewegungsmelder und Not– bzw. Rufsysteme.

Können wir neue Sicherheitsfenster, neben der KfW, über einen Bausparvertrag mitfinanzieren?

Ja, neben staatlichen Fördergeldern der KfW eignet sich vor allem der Bausparvertrag für Modernisierungsarbeiten am und im Haus.

Hausbank als Ansprechpartner

Insbesondere, wenn Zuschüsse alleine die Finanzierung nicht stemmen können. Sprechen Sie mit Ihrer Bausparkasse oder Hausbank, wie die Finanzierung solide zu gestalten ist.

Benötige ich Eigenkapital für Sanierungsarbeiten und Einbruchschutz?

Sollten Sie noch keine Instandhaltungsrücklage angespart haben, so bietet sich ein Bausparvertrag hierzu an. Benötigen Sie bereits in Kürze Geld für energetische Instandsetzungen oder für aufwändige Sicherheitsmaßnahmen, so ist dies grundsätzlich z. B. mit einem Sofortdarlehen denkbar.

Kann ich den Einbau einer Alarmanlage fördern lassen?

Ja, wenn diese Maßnahme in Zusammenhang mit einer energetischen oder altersgerechten Sanierung steht. Wichtig ist, dass die Antragstellung stets vor Baubeginn erfolgt.

Wie viel Geld kann ich dann über die Förderprogramme erhalten?

Es werden Maßnahmen zum Schutz vor Einbruch im Zuschussprogramm „Altersgerecht Umbauen“ mit bis zu 1600 Euro gefördert. Aber auch ein zinsgünstiger Kredit ist über die Koppelung mit Maßnahmen zur Energie– oder Barrierereduzierung möglich.

Eine Alarmanlage ist uns zu teuer. Ich habe gelesen, dass es auch Attrappen gibt. Ist das nicht ausreichend, um Einbrecher abzuschrecken?

Attrappen, sog. Dummys, bieten keine ausreichende Sicherheit. Einbrecher, die sich etwas auskennen, erkennen diese „Scheinsicherheit“ schnell.

Was gehört zu einem Smart Home?

Mit diesen Systemen werden Komponenten aus der Haustechnik, Haushaltsgeräte und Unterhaltungselektronik miteinander vernetzt und gesteuert, um auf diese Weise automatisierte Abläufe zu ermöglichen.

Nur zertifizierte Anlagen nutzen

Wenn Sie in Ihrem Smart Home neben Komfort, Energiemanagement und Anwesenheitssimulation auch Sicherheitsfunktionen erreichen wollen, sollten Sie ausschließlich zertifizierte Alarmanlagen nach DIN VDE 0833, Teil 1 und 3 oder nach DIN VDE V 0826—1 mit zertifizierter App nutzen.

Ist ein Smart Home teuer?

Neben hochwertigen und zertifizierten Systemen sind je nach Komfort– und Funktionsumfang auch preiswerte Systeme am Markt erhältlich. Seien Sie sich jedoch bewusst, dass jedes IT–gestützte System ein Sicherheitsrisiko birgt und daher bestimmte Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden sollten, damit das System nicht von außen überwunden werden kann. Von der KfW stehen Zuschüsse bereit, wenn z. B. elektronischer Einbruchschutz mit altersgerechter Sanierung kombiniert wird.

Was ist der Vorteil eines altersgerechten Smart Home?

Der wohl größte Vorteil besteht in der einfachen Kommunikation nicht nur mit dem eigenen Haus, sondern vor allem mit medizinischen Einrichtungen, Pflegepersonal, Hausnotruf und Verwandten durch nur ein Endgerät, wie z. B. einem Tablet–PC. Hinzu kommt schließlich der Sicherheitsaspekt, sei es durch fernbediente Rollläden, Kameraüberwachung, Sensoren oder Alarmaufschaltung bei Polizei oder Objektschutz.

Fragen und Antworten entstammen einem Telefonforum mit Thomas Krause, Präventionsmitarbeiter der Polizeidirektion Ost und Gregor Reski, Finanzierungsexperte vom Verband der Privaten Bausparkassen.