Silvester in Berlin: Rosen-Feuerwerk und DJ-Show am Brandenburger Tor angekündigt

Zu Silvester gab es vor dem Brandenburger Tor in Berlin meist ein großes Feuerwerk. 2025/26 wird es das auch geben - und noch einiges mehr.
Jörg Carstensen/dpaTrotz Absage der regulären Silvesterparty in Berlin soll es zum Jahreswechsel 2025/26 das längste Feuerwerk in ganz Europa geben. „Diesen Titel jedenfalls haben wir uns schon gesichert“, freut sich Armin Mostoffi Kamari, Mit-Organisator der alternativen Silvesterveranstaltung am Brandenburger Tor.
Während die Höhen-Feuerwerke in Paris auf acht Minuten und in London auf zwölf Minuten begrenzt seien, soll der Himmel über Berlin 13 bis 15 Minuten lang erstrahlen. „Die Stadt braucht wieder Superlative“, findet Kamari, der selbst in Berlin-Kreuzberg zu Hause ist.
Angemeldet ist die Silvesterparty allerdings als Demonstration. Sie wurde unter dem Motto „Lasst uns Silvester retten“ schon im Sommer bei der Polizei vom Verein Warriors angemeldet, der am Brandenburger Tor ein Solidaritätskonzert für die Ukraine organisiert hat und in Berlin das Haus der Demokratie und Menschenrechte betreibt.
Silvester in Berlin: ZDF-Show zieht nach Hamburg
Der Vereinsvorsitzende Holger Werner reagierte mit der Alternativ-Veranstaltung auf die Nachricht, dass die große ZDF-Silvestershow erstmals nicht in Berlin, sondern in Hamburg stattfinden wird.
Denn der Berliner Senat hat die Zuschüsse gestrichen. Die insgesamt 130 Millionen Euro Einsparungen im Kulturbereich sollen nun auch das Hauptthema bei der Kundgebung am Brandenburger Tor sein, erklärt Kamari. „Berlin lebt vom Tourismus, und den gäbe es nicht ohne die Berliner Kultur“, sagt der 55-jährige gebürtige Charlottenburger.
Er selbst ist unter anderem Musik-Manager und hat 2018 auch den „World Peace Day Berlin“ ins Leben gerufen, der seither jährlich parallel zum Weltfriedenstag der Vereinten Nationen am 21. September stattfindet. Auch diese Veranstaltung ist zweigeteilt: Im ersten Teil gibt es Reden und Wortbeiträge, danach eine klassische Berliner Technoparade.
Auf der Bühne zu Silvester werden unter anderem der Künstler Kani Alavi von der East Side Gallery und Fabian Drescher, Präsident von Hertha BSC, erwartet, die über Zusammenhalt und gesellschaftliche Verantwortung reden wollen.
Silvester in Berlin: Bis zu 100.000 Besucher erwartet
Dazu soll es ein Musikprogramm mit Pop, Klassik und Elektro geben. Auf der zwei Kilometer langen Meile zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule sind zudem auch wieder ein Riesenrad sowie vier große LED-Leinwände geplant.
Die Veranstalter rechnen mit 50.000 bis 100.000 Besuchern. Zum Vergleich: Die letzte offizielle Silvesterparty am Brandenburger Tor in Berlin zog ungefähr 65.000 Besucher an.
Das heißt aber auch, dass das Gelände im Berliner Tiergarten gut abgesichert werden muss. „Inzwischen haben wir schon das dritte Koordinationsgespräch mit der Polizei hinter uns“, berichtet Kamari, der auch die Funktion als Versammlungsleiter übernommen hat. „Silvester ist generell Ausnahmezustand in Berlin, das wissen wir. Doch der Vorteil dabei ist, dass in dieser Nacht sowieso alle Rettungsdienste in Bereitschaft sind.“
Nichtsdestotrotz müssen die Veranstalter auch privat einen Sanitätsdienst sowie Security-Mitarbeiter stellen. Die Kosten dafür werden derzeit auf 50.000 bis 70.000 Euro geschätzt. Das Geld soll demnächst unter anderem mithilfe eines Spendenaufrufs der Webseite https://weareberlin.eu/ gesammelt werden. Probleme könnte es geben, weil die landeseigene Veranstaltungsagentur „Kulturprojekte Berlin“ am Brandenburger Tor ebenfalls eine Silvesterfeier mit einem Drohnen-Lichtspektakel statt eines Feuerwerkes plant.
Silvesterparty in Berlin mit 16 Techno-Acts
Mostoffi ist zuversichtlich, dass das Projekt des alternativen Kultur-Bündnisses gelingen kann. „Inzwischen ist auch die Tourismus-Agentur Visit Berlin auf uns zugekommen und will uns unterstützen.“
Und so macht er sich weiter daran, Künstler für die Silvester-Sause anzuheuern. Ab 1 Uhr nachts, wenn die Mehrzahl der Familien nach Hause pilgert, werde elektronische Musik gespielt, kündigt der ehemalige Manager der Techno-Queen Marusha an. „Die Straße des 17. Juni soll zum größten Dancefloor der Welt werden.“
Bis zum Party-Ende um 6 Uhr morgens sollen insgesamt 16 Techno-Kollektive aus allen Bundesländern auftreten. „Acht haben sich schon angemeldet“, berichtet Kamari, der selbst als Pionier der elektronischen Musik gilt, der Techno aus dem Berliner Underground geholt hat.
„Wir wollen wieder bei der Nachwende-Romantik ansetzen und ein neues Wir-Gefühl hervorholen“, betont Kamari. Nicht nur in der Kultur-Szene würde es mittlerweile einen breiten Konsens darüber geben, dass die Silvesterparty am Brandenburger Tor in den vergangenen Jahren an Spirit verloren habe. „Wir wünschen uns, etwas Neues mit Herz und Seele auf die Beine stellen zu können, das die Menschen wieder berührt.“
So haben er und seine Mitstreiter selbst dem Berliner Feuerwerk einen Namen gegeben: „Die wilde Rose“. Diese soll dann um Mitternacht mithilfe von Pyrotechnik symbolisch in 180 Metern über der Siegessäule aufgehen. So wolle man mit dem großen Silvesterfeuerwerk auch an eine besondere Berliner Pflanze erinnern: die Sängerin Hildegard Knef. „Natürlich wird dann auch ihr Lied: ‚Für mich soll's rote Rosen regnen‘ gespielt.“
Berliner Bürgermeister kündigt DJ-Party an
Nach der Absage der traditionellen Silvesterfeier am Brandenburger Tor soll an dem Berliner Wahrzeichen in diesem Jahr dennoch gefeiert werden. Das kündigte Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) an.
Geplant ist eine DJ-Party ab 22.00 Uhr und ein siebeneinhalbminütiges Feuerwerk, das ab Mitternacht live im Ersten übertragen werden soll. Es sei wichtig, dass es neben den Bildern vom Jahreswechsel aus Sydney und New York auch solche aus Berlin gebe, sagte Wegner bei der Vorstellung der Pläne im Roten Rathaus. Kostenlose Tickets für rund 20.000 Gäste sollen ab Dezember erhältlich sein.



