Special Olympics World Games: Was sich Sportler aus Brandenburg für die WM in Berlin vornehmen

Die Trainerin und ihr Schützling: Maleika Grün (l.) mit der Boccia-Spielerin Kathleen Gladzik und ihren Medaillen, die sie 2022 bei den Deutschen Meisterschaften gewonnen hat.
Mathias HausdingDie Aufregung wächst von Tag zu Tag, dabei sind Ruhe und Konzentration in ihrer Disziplin die Voraussetzungen, um Gold zu gewinnen. Aber Kathleen Gladzik aus Bernau wird das schon hinbekommen, da ist sich ihre Trainerin Maleika Grün sicher. Am 17. Juni beginnen in Berlin die 16. Special Olympics World Games, also die Weltmeisterschaften der Menschen mit geistigen Beeinträchtigungen.
Die 38 Jahre alte Kathleen Gladzik von der SG Schwanebeck 98 tritt beim Boccia an, der italienischen Variante des Boule-Spiels. Sie ist eine von elf Athletinnen und Athleten aus Brandenburg, die bei den World Games dabei sind. Für die anderen geht es im Kanusport, beim Schwimmen, der Leichtathletik, dem Radsport oder dem Hockey um Medaillen.
Annalena Baerbock drückt den Sportlerinnen und Sportlern die Daumen
Zwischen ihren zahlreichen Trainingscamps haben sich viele Brandenburger Starter am Dienstag in Brandenburg/Havel an der Regattastrecke getroffen, um die besten Wünsche von Annalena Baerbock zu den Spielen mitzunehmen. Die Außenministerin, an diesem Tag in ihrer Funktion als grüne Bundestagsabgeordnete aus Brandenburg unterwegs im Land, erinnerte an die Anfänge ihrer eigenen Trampolin-Karriere, „leider als die Sportart noch nicht olympisch war“.

Viel Erfolg und viel Spaß in Berlin! Annalena Baerbock (M.) am Dienstag in Brandenburg an der Havel mit Brandenburger Startern und ihren Trainern bei den Special Olympics World Games
Mathias HausdingUnd sie wollte hören, mit welchen Erwartungen die Sportlerinnen und Sportler zu den World Games fahren. „Ich möchte viele Leute kennenlernen und die beste Zeit meines Lebens haben“, sagen die einen. „Es sollte Gold werden“, setzen sich andere als Ziel. Kathleen Gladzik strahlt die ganze Zeit vor Glück, aber das Reden fällt ihr schwer. „Einzel, Doppel und Mannschaft“, sagt sie auf Annalena Baerbocks Frage nach ihren Einsätzen bei den World Games.
Beeinträchtigte Menschen stark machen, mit ihnen gemeinsam Sport machen
Kathleen Gladzik hat eine nicht genetisch bedingte frühkindliche Entwicklungsstörung. Sie braucht im Alltag ständig Hilfe. „Aber Boccia spielen kann ich alleine“, sagt sie stolz. Das ist der Hintergrund der Special Olympic World Games: Geistig beeinträchtigte Menschen stark machen, und sie ganz normal einbinden in den Sport.

Kathleen Gladzik bei einem Boccia-Vorbereitungslehrgang in Eschwege
Maleika Grün„Hier gibt es noch viel zu tun“, sagt Trainerin Maleika Grün. Die SG Schwanebeck sei einer von bislang sehr wenigen Vereinen, in denen Beeinträchtigte und Nicht-Beeinträchtigte gemeinsam Sport machen. Vor drei Jahren habe man damit angefangen, inspiriert von Alltagshelfern der Beeinträchtigten, die nach Beschäftigung für ihre Schützlinge suchten. Und von Ehrenmitglied Marianne Buggenhagen, neunfache Goldmedaillengewinnerin bei den Paralympics aus Bernau.
Der Einstieg läuft oft über das Sportabzeichen
„Ihr war es ein großes Anliegen, dass mit Kathleen jemand aus dem Barnim bei den World Games startet“, sagt Maleika Grün, von Hause aus Gymnastiktrainerin, die aber längst Feuer und Flamme ist für den inklusiven Sport. 15 Beeinträchtigte trainieren inzwischen regelmäßig bei der SG Schwanebeck. „Es ist ein großes Vergnügen“, schwärmt die Trainerin. „Und diese Menschen sind so dankbar, Sport machen zu können“, hebt sie hervor.
Der Einstieg laufe oft über das Sportabzeichen. So habe auch Kathleen Gladzik zu ihrem Glück als Boccia-Spielerin gefunden. Auch bei Wettkämpfen wie jetzt in Berlin stehe immer die Inklusion, das Gemeinsame im Fokus. Wenn Kathleen Gladzik und andere Sportlerinnen im Doppel antreten, heißt das „Unified“. Sie bildet in diesen Wettkämpfen also mit der Nicht-Beeinträchtigten Swana Brendel ein Team.
Tickets für die World Games in Berlin
Die Special Olympics World Games sind die weltweit größte inklusive Sportveranstaltung. Tausende Athletinnen und Athleten mit und ohne geistige Behinderung treten miteinander in 26 Sportarten an. Vom 17. bis 25. Juni 2023 finden die Special Olympics World Games in Berlin statt – und damit erstmals in Deutschland. Gefeiert wird unter dem Motto #ZusammenUnschlagbar ein internationales, buntes Fest des Sports für mehr Anerkennung und gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit geistiger Behinderung. In Brandenburg stehen vor dem Start der Spiele Fackelläufe an. Die Wettkämpfe finden an acht Orten in Berlin und Brandenburg statt – vom Olympiapark über die Messe und den Platz rund um den Neptunbrunnen in Alex-Nähe bis zum Golf-Platz in Bad Saarow. Für viele Wettkämpfe gibt es Tagestickets für 7 Euro, ermäßigt 5 Euro. Sie bieten an dem Tag Zugang zu allen öffentlichen Wettkämpfen. Auch für die Eröffnungsfeier am 17. Juni im Olympiastadion gibt es noch Karten.

