Streik bei Berliner-Kindl-Schultheiss: Lieferstopp droht – wird das Bier knapp?

Dass das Bier aus Berlin bald knapp werden kann, liegt nicht an der Sommerhitze.
Alexander Heinl/dpa- Streik bei Berliner-Kindl-Schultheiss stoppt Bierproduktion; Lieferungen ab Donnerstag gefährdet.
- Brauerei stellt 12,5 Mio. Liter Bier monatlich her; Getränkehändler spüren erste Engpässe.
- Gewerkschaft fordert 7% Lohnerhöhung; Arbeitgeber bietet 2,4% für 2025, Verhandlungen festgefahren.
- Rückläufiger Biermarkt, hohe Kosten belasten Brauerei; weiterer Streik wahrscheinlich.
- Nächster Verhandlungstermin am 1. August.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Ein Streik in der Berliner-Kindl-Schultheiss-Brauerei in Lichtenberg bremst die Bierproduktion aus. „Ab spätestens Donnerstag kann nicht mehr geliefert werden“, sagt Kevin Glistau von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) am Mittwoch (2. Juli). Die Gewerkschaft hatte schon seit Sonntagnacht gezielt Beschäftigte der Logistik zur Arbeitsniederlegung aufgerufen. Das sind vor allem Staplerfahrer, die für die Beladung der Lkws unersetzlich sind. „So konnten wir mit wenigen Leuten aus einzelnen Bereichen ein ganzes Werk lahmlegen“, erklärt Glistau.
Die Kessel seien derzeit zwar voll. Weil aber die Lieferkette unterbrochen wurde, könnten die Flaschen nicht abgefüllt und auch erst einmal kein neues Bier nachproduziert werden, erläutert Glistau. „Es steht alles auf Stopp.“
Berlin: Brauerei produziert 12,5 Millionen Liter im Monat
In den Kesseln der Brauerei im Ortsteil Hohenschönhausen werden im Jahr rund 1,5 Millionen Hektoliter der unterschiedlichsten Sorten wie Berliner Pilsner, Berliner Kindl, Schultheiß Bier gebraut. Das sind durchschnittlich rund 12,5 Millionen Liter im Monat.
Beim Getränkehandel Johannisthal sind die Lieferprobleme schon angekommen. „Schon gestern blieben die Tore an der Brauerei geschlossen, da konnten wir kein Bier laden“, erklärt ein Mitarbeiter. Um die Kunden weiter beliefern zu können, habe man von Fremdfirmen die Berliner Marken aufgekauft und pro Kiste sechs Euro mehr gezahlt als normal.
Im Getränkemarkt bei Lehmann am Berliner Nollendorfplatz waren am Mittwoch dagegen die Kühlschränke und Kisten noch gefüllt. „Wir merken nichts vom Streik, aber wahrscheinlich auch nur, weil unsere Firma noch Reserven im Großlager hat“, vermutet der Verkäufer.
Sollte man als Endverbraucher also lieber gleich ein ganzes Fass für das gemeinsame Grillen am Wochenende ordern? Beim Getränkegroßhandel „Brummi“, der Kneipen und Privatkunden mit Fässern und Zapfanlagen aus seinen Lagern in Lichtenberg sowie Falkensee im Havelland beliefert, gab es am Mittwoch noch alle Biersorten.
Tarifverhandlung bei der Brauerei festgefahren
Dass das die kommenden Tage so bleibt, kann Geschäftsführer Andreas Bomsdorf aber nicht garantieren. „Beim letzten Streik vor einem Monat ist es auch schon zu einem Lieferstopp gekommen. Der dauerte so rund eine Woche“, erklärt der Getränkehändler.
Wie sich die Situation in der Berliner-Kindl-Schultheiss-Brauerei weiterentwickelt, ist offen. Die Tarifverhandlung bei der Brauerei ist festgefahren. „Beim vierten Termin am Freitag besserte die Arbeitgeberseite ihr altes Angebot nur um 0,2 Prozent nach“, berichtet Gewerkschafter Glistau.

Mitarbeiter der Berliner-Kindl-Schultheiss-Brauerei in Lichtenberg sind seit Tagen im Streik.
Gewerkschaft NGG Berlin-BrandenburgFür die Beschäftigten der Spreestrans-Logistik und der REB-Service (auch Logistik) habe das Unternehmen kein eigenes Angebot abgegeben. Die Gewerkschaft will für diese aufgrund der niedrigeren Verdienste eine zusätzliche Erhöhung von 50 Euro.
Insgesamt fordert die Gewerkschaft, die Entgelte um sieben Prozent zu erhöhen, die Ausbildungsvergütungen sollen um 150 Euro steigen. Das Unternehmen bot zuletzt aber nur eine Erhöhung von 2,4 Prozent in diesem Jahr und 2,2 Prozent in 2026. Für die Auszubilden gab es kein Angebot.
Streik in Brauerei: Deutlich rückläufiger Biermarkt ein Problem
Tobias Teubner, Berliner Marketingleiter der Radeberger Gruppe, zu der die Berliner-Kindl-Schultheiss-Brauerei gehört, begründet das Angebot mit einem erneuten Absatzminus der deutschen Brauer von aktuell sieben Prozent Ende Mai 2025 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.
Zum deutlich rückläufigen Biermarkt kommen laut Teuber weitere Probleme durch „massive Kostensteigerungen unter anderem bei Rohstoffen, Verpackungen, Energie und Strom“ hinzu.
„Wenn wir nun also infolge der aktuellen Streikmaßnahmen bei einzelnen Produkten trotz vorausschauender Planung möglicherweise kein Vollbier in ausreichender Menge liefern können, so schadet dies nicht nur dem Arbeitgeber, sondern auch seinen Mitarbeitenden“, betont Teubner.
Nächster Verhandlungstermin ist am 1. August. „Bis dahin wird es sicher noch mehrere Arbeitsniederlegungen geben“, kündigt Gewerkschafts-Mann Glistau von der NGG Region Berlin-Brandenburg an, der direkt für die Beschäftigten der Berliner Brauerei zuständig ist. Am Mittwochabend entschied die Gewerkschaft, den aktuellen Streik erst einmal bis Freitag, 22 Uhr, zu verlängern.
Bier aus Berlin
In Berlin wird seit 1862 Bier gebraut. Anfang des 20. Jahrhunderts war Schultheiss die größte Lagerbierbrauerei der Welt mit mehr als 2.800 Angestellten und einer Produktion von 1,8 Millionen Hektolitern pro Jahr. Es gab auch einen repräsentativen Ausschank an der Schönhauser Allee, der heutigen Kulturbrauerei.
Erst der Ausbruch des Ersten Weltkrieges stoppt den rasanten Aufstieg abrupt.
Mit dem Zusammenschluss der Berliner Kindl Brauerei AG und der Berliner-Schultheiss-Brauerei GmbH entstand 2006 unter der neuen Firmierung „Berliner-Kindl-Schultheiss-Brauerei GmbH“ eine der bedeutendsten Brauereien in den neuen Bundesländern.
Die Brauerei in Berlin-Hohenschönhausen wird heute von der Radeberger-Gruppe betrieben, die wiederum zum Oetker Konzern gehört.


