Streit um DDR-Architektur
: Zu schön für den Abriss – Kampf um das Generalshotel am Flughafen BER

Bald soll der Abriss der traditionsreichen Generalsvilla auf dem Flughafen-Gelände in Schönefeld beginnen. Darum ist ein Kampf entbrannt. Wir zeigen Fotos, wo Honecker, Mielke und Co ihre Staatsgäste empfingen.
Von
Mathias Hausding
Schönefeld
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  • Das Foyer mit dem großen Kronleuchter und der markanten Deckengestaltung in eines der Highlights in dem unmittelbar vor dem Abriss stehenden Haus.

    Das Foyer mit dem großen Kronleuchter und der markanten Deckengestaltung in eines der Highlights in dem unmittelbar vor dem Abriss stehenden Haus.

    Mathias Hausding
  • 21.06.2023, Brandenburg, Schönefeld: Das ehemalige Generalshotel befindet sich am früheren Flughafen Schönefeld, dem heutigen Flughafen Berlin Brandenburg (BER). Vor dem geplanten Abriss des Generalshotels auf dem Flughafengelände des BER fordern Linke und Grüne im brandenburgischen Landtag ein Moratorium. Am Mittwochabend fand ein Treffen von Vertretern der Initiative «Generalshotel retten», der Presse, Behörden und der Bundespolizei am Generalshotel statt. Die alte Villa auf dem Gelände des BER wurde zwischen 1947 und 1950 erbaut und diente einst als Empfangsgebäude für Repräsentanten der Sowjetunion und Staatsgäste der DDR. Der Abriss war ursprünglich geplant worden, weil an gleicher Stelle ein neues Regierungsterminal entstehen sollte - diese Pläne wurden aber mittlerweile verworfen. Trotzdem ist immer noch ein Abriss des Gebäudes geplant. Foto: Patrick Pleul/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

    21.06.2023, Brandenburg, Schönefeld: Das ehemalige Generalshotel befindet sich am früheren Flughafen Schönefeld, dem heutigen Flughafen Berlin Brandenburg (BER). Vor dem geplanten Abriss des Generalshotels auf dem Flughafengelände des BER fordern Linke und Grüne im brandenburgischen Landtag ein Moratorium. Am Mittwochabend fand ein Treffen von Vertretern der Initiative «Generalshotel retten», der Presse, Behörden und der Bundespolizei am Generalshotel statt. Die alte Villa auf dem Gelände des BER wurde zwischen 1947 und 1950 erbaut und diente einst als Empfangsgebäude für Repräsentanten der Sowjetunion und Staatsgäste der DDR. Der Abriss war ursprünglich geplant worden, weil an gleicher Stelle ein neues Regierungsterminal entstehen sollte - diese Pläne wurden aber mittlerweile verworfen. Trotzdem ist immer noch ein Abriss des Gebäudes geplant. Foto: Patrick Pleul/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

    Patrick Pleul
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So mancher wird sich in den vergangenen Jahrzehnten beim Abflug von Schönefeld-Alt gefragt haben, was das für ein graues Haus ist, das da einen Steinwurf vom Terminal entfernt, etwas verloren am Rollfeld steht. Ja, so richtig bekannt war und ist das Generalshotel am BER nicht. Weder zu DDR-Zeiten, noch in der Nach-Wende-Zeit, spielte es in der öffentlichen Wahrnehmung eine größere Rolle.

Errichtet als repräsentatives Empfangsgebäude, wurde es zuletzt von der Bundespolizei genutzt. „Bereich Rückführung“ steht noch an den Eingängen zu manchen Zimmern mit vergitterten Fenstern. „Abschiebe-Villa“ wurde das Haus deshalb auch genannt. Ende August 2022 verließ die Bundespolizei das Gebäude von einem Tag auf den anderen, nachdem es bei einem Unwetter unter Wasser gesetzt worden war. Für den Sommer dieses Jahres war der Auszug ohnehin geplant. In rund zwei Monaten soll der Abriss beginnen.

Erster Anlaufpunkt für hochrangige Staatsgäste der DDR

Für hochrangige Gäste der DDR-Regierung, Politiker, aber auch Stars aus dem Westen, war das Generalshotel mit seinem imposanten Foyer, dem Marmor und den Kronleuchtern erster Anlaufpunkt. 3,5 Millionen Mark hat der Bau einst gekostet, was ihm den Namen Millionenpalast einbrachte. Ihren eigentlichen Namen hat die Generalsvilla von den sowjetischen Militärs, die einst vor den Heimflügen direkt am Flugplatz übernachteten.

Das ehemalige Generalshotel am früheren Flughafen Schönefeld, dem heutigen Flughafen Berlin Brandenburg (BER).

Patrick Pleul

Einer Initiative von zahlreichen Architekten, Künstlerinnen, Denkmalschützern und Politikerinnen ist es nun zu verdanken, dass quasi in letzter Sekunde doch nochmal über den im Jahre 2011 beschlossenen Abriss diskutiert wird. „Wir fordern ein Abriss-Moratorium“, sagte Sahra Damus, Landtagsabgeordnete der Grünen in Brandenburg, am Mittwoch (21. Juni) während einer Besichtigung des Generalshotels. Es sei mindestens geboten, über die Pläne von 2011 erneut nachzudenken. Denn seitdem habe sich vieles verändert.

Dem Mann vom Denkmalschutz blutet das Herz

Aber im Grunde sei es schlichtweg unverantwortlich, ein Gebäude mit solch einem hohen historischen und ästhetischen Wert abzureißen, stellte Sahra Damus klar. Man habe es hier mit einem kostbaren Zeugnis der Ostmoderne zu tun. So sieht das auch Haiko Türk vom Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege. „Es blutet einem das Herz“, sagte er am Mittwoch mit Blick auf den bevorstehenden Abriss. Das Haus sei in einem großartigen Zustand und absolut einmalig unter den 14.000 Gebäuden auf der Landesdenkmal-Liste.

Künstlerisch wertvoll: Teilweise mit Marmor sind die Wände im ehemaligen Generalshotel verkleidet.

Patrick Pleul/dpa

Dass es im Sicherheitsbereich des Flughafens BER liegt und damit für die Öffentlichkeit praktisch unerreichbar ist, spiele bei der Betrachtung des Denkmalwerts keine Rolle, betonte Türk. Er fügte jedoch hinzu, dass das Landesamt in der Sache keinerlei Veto-Recht habe.

Stilistischer Vorgriff auf spätere Jahre

Stephanie Herold, Architektur-Professorin an der TU Berlin, hob beim Rundgang hervor, dass das Generalshotel ein einmaliges Zeugnis für die Baukunst der unmittelbaren Nachkriegszeit sei. Ab 1947 auf Geheiß der sowjetischen Besatzer errichtet, zeige es einen hohen künstlerischen Anspruch, was Gestaltung und Materialauswahl angeht. Neoklassizistisch angelegt, sei gleichzeitig ein stilistischer Vorgriff auf die 1950er- und 1960er-Jahre zu erkennen.

Feine Stofftapete: Manche Räume im ehemaligen Generalshotel sind noch beinahe im Originalzustand.

Patrick Pleul

Das Haus sollte nun eigentlich dem Neubau eines neuen Regierungsterminals weichen. Im vergangenen Herbst verkündete das Bundesfinanzministerium aber, dass auf den Neubau verzichtet wird. Aus Sicht der Zuständigen ist der Abriss trotzdem notwendig, wie Thorsten Krüger als Vertreter der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) am Mittwoch ausführte. Denn die Fläche werde nach dem Umzug der Regierungsstaffel etwa als Flugzeugparkplatz gebraucht.

Die Regierungsstaffel zieht voraussichtlich erst 2034 nach Berlin

Sahra Damus überzeugt das nicht, zumal der Umzug erst 2034 erfolgen soll. Da müsse man jetzt nichts übers Knie brechen. Stattdessen gelte es, das Generalshotel möglicherweise in die Planungen einzubeziehen. Es sei schließlich für die Regierungsstaffel rege Bautätigkeit geplant. Die Abgeordnete bedauert es, dass sich mit den von der SPD geführten Ressorts für Verteidigung und Bauen, sowie mit dem FDP-Finanzressort alle drei zuständigen Ministerien Gesprächen verweigern würden, indem sie jeweils auf den anderen verweisen. Bundeskanzler Olaf Scholz möge sich der Sache annehmen, regt Sahra Damus an. Der SPD-Politiker habe seinen Wahlkreis im Osten. „Vielleicht entdeckt er ja sein Herz für die Ost-Moderne als Teil der deutschen Geschichte.“