Strom-Kosten im Haushalt: Kühlschrank zu alt – Berlin zahlt bis zu 400 Euro Zuschuss für neues Gerät

Energieberater der Caritas messen im Rahmen des Förderprogramms den Stromverbrauch des alten Kühlschrankes.
Oliver Berg/dpaKühlschränke machen rund 30 Prozent der Stromkosten im Haushalt aus. „Wir haben schon Geräte gemessen, die haben bis zu 1000 Kilowattstunden im Jahr verbraucht. Bei einem Strompreis von 40 Cent ist das schon eine Hausnummer“, sagt Sven Schoß, Energieberater der Caritas Berlin. Sprich: Das Gerät frisst rund 400 Euro im Jahr oder umgerechnet 1,09 Euro am Tag.
Damit die Bürger ihre alten Stromfresser entsorgen, gibt es in Berlin nun eine erhöhte Förderung, ähnlich einer Abwrackprämie beim Auto. So können Berliner bis zu 400 Euro für den Austausch des Kühlschrankes vom Staat bekommen, wenn sie sich ein effizienteres Gerät anschaffen.
Weitere 150 Euro Einsparung durch Stromsparcheck
Die Förderung richtet sich allerdings an einkommensschwache Haushalte, also an Menschen, die Bürgergeld, Wohngeld, Kinderzuschlag, Grundsicherung im Alter oder andere Sozialleistungen beziehen, eine geringe Rente haben oder deren Gehalt unter der Pfändungsfreigrenze von 1400 Euro liegt. „Wenn sie nur einen Euro vom Staat bekommen, können wir helfen“, erklärt Schoß.
Seine Mitarbeiter führen auch generell kostenlose Stromsparchecks in den Haushalten durch. Bei den individuellen Beratungen suchen die geschulten Stromsparhelfer in den Wohnungen weitere Einsparmöglichkeiten beim Strom, bei der Wärme und der Warmwasserbereitung. So spare der Haushalt im Durchschnitt noch einmal 150 Euro pro Jahr, heißt es von der Caritas, die das Projekt bundesweit gemeinsam mit dem Bundesverband der Energie- und Klimaschutzagenturen Deutschlands (eaD) betreut.
Zuschuss nach Haushaltsgröße gestaffelt
Beim zusätzlichen Kühlschranktausch schauen sich die Stromsparhelfer das alte Modell an und messen bei Bedarf dessen Stromverbrauch. Denn auch das Kühlgerät muss bestimmte Kriterien erfüllen. „Es muss älter als zehn Jahre sein und mehr als 200 Kilowattstunden im Jahr verbrauchen“, erläutert Schoß.
Regelung vom Bund gilt auch für Haushalte in Brandenburg
Je größer dann der Haushalt, desto höher die gut geschriebene Summe vom Bund: 100 Euro bis zwei Personen, 150 Euro für drei bis vier Personen, 200 Euro ab fünf Personen können aus den Bundesmitteln finanziert werden. Diese Staffelung gilt auch für Brandenburger Haushalte.
In Berlin kommt aber seit April 2023 dazu, dass auch noch das Land den Kühlgerätetausch mit weiteren 50 bis 200 Euro fördert. „Insgesamt sind so bis zu 400 Euro Zuschuss möglich“, erklärt Schoß.
Doch auch ohne Bezuschussung rentiere es sich, ein neues, effizienteres Gerät anzuschaffen, betont der Energieberater. Hilfe ganz unabhängig vom Einkommen finden Interessierte im Internet. Als „Stromchecker Sven„ gibt der Caritas-Mann in kurzen, amüsant aufbereiteten Videos leicht verständliche Tipps für jedermann.
Dabei erfährt der Zuschauer unter anderem, dass ein voller Kühlschrank weniger Energie zur Kühlung braucht, als ein leerer. „Dazu muss man ihn nicht unbedingt mit Lebensmitteln vollstopfen, es reichen zum Beispiel auch leere Flaschen, um das energieraubende Vakuum zu reduzieren“, erläutert Schoß.
Zur Seite und nach hinten bräuchten Kühlgeräte dagegen etwas Luft und sollte nicht zu nah an Wand und vor allem nicht neben dem Herd stehen. Ansonsten reiche es für die Lebensmittel völlig aus, die Temperatur des Kühlschranks auf effiziente sieben Grad zu stellen.

Beim Stromsparcheck werden von den Energieberatern auch andere Stromfresser in der Wohnung ausfindig gemacht – etwa den Durchlauferhitzer, der für warmes Duschwasser sorgt. Mit der Aktion soll der Energieverbrauch in einkommensschwachen Haushalten verringert und damit deren Kostenbelastung reduziert werden.
Markus Heine/dpaIn den Videos, aber auch bei der persönlichen Beratung nehmen sich Schoß und seine Mitarbeiter auch andere Stromfresser wie zum Beispiel Durchlauferhitzer vor, die bis zu 24 000 Watt verbrauchen können. Die Experten raten deshalb ihren Klienten, einen Sparduschkopf für rund 15 Euro anzuschaffen.
„Das Geld haben Sie schnell wieder drin, denn damit lässt sich bis zur Hälfte des Warmwasserverbrauchs reduzieren, ohne dass die Duschqualität leidet“, sagt Schoß. Ein interner Faktencheck habe ergeben, dass ein Vier-Personen-Haushalt mit dem Duschkopfwechsel im Jahr zwischen 1200 bis 1400 Euro einsparen kann.

Sven Schoß ist Energie-Berater des Caritasverbandes für das Erzbistum Berlin und Koordination für den Stromspar-Check in Berlin und Fürstenwalde.
Walter WetzlerSeitdem die Energiekosten so rasant angestiegen sind, erleben Schoß und seine Mitarbeiter einen regelrechten Ansturm auf ihre Beratungsstellen. „Die Anfragen sind 2022 um 25 Prozent gestiegen“, berichtet der Berliner. Seit der Erhöhung der Kühlschrankprämie in Berlin melden sich noch einmal 25 Prozent mehr. So musste auch das Personal aufgestockt werden. „Inzwischen haben wir 50 Stromsparhelfer in zehn Büros in ganz Berlin“, sagt Schoß, der selbst regelmäßig neue Mitarbeiter schulen muss.
Trotz des erhöhten Arbeitspensums freut er sich über die steigende Nachfrage. „Wir helfen den Leuten ja nicht nur Geld zu sparen, sondern schonen noch ganz nebenbei das Klima“, sagt Schoß. „Ich habe gehört, das ist im Moment auch nicht ganz unwichtig.“
Stromspar-Check am Telefon
Jeden Montag in der Zeit von 9 Uhr bis 13 Uhr bietet Stromspar-Check Koordinator Sven Schoß unter der Rufnummer 030 66633 1220 telefonische Beratung an und beantwortet Fragen zu Einsparungsmöglichkeiten im Bereich Strom-, Wasser- und Heizkosten. Alle weiteren Beratungsmöglichkeiten und Infos unter www.caritas-berlin.de

