Der 12. April 2019 markiert eine Zeitenwende. Mit der Flutung des Ostsees verwandelt sich Cottbus endgültig von einer Bergbau- in eine Seestadt. Der einstige Tagebau Cottbus-Nord, der von 1981 bis 2015 Braunkohle für das benachbarte Kraftwerk Jänschwalde lieferte, verwandelt sich in Deutschlands größten künstlichen See.
Wie wird aus einem Tagebau ein See? Es war ein riesiger Aufwand, die Badewanne herzustellen. Dabei wurden allein 20 Millionen Kubikmeter Erdreich bewegt, um das Seebecken und die Ufer zu formen. Die meiste Arbeit bestand allerdings darin, lockere Kippsande zu verdichten. Mittels Rütteldruckverdichtung wurden 46 Millionen Kubikmeter Böschungen und Ufer gesichert.
Wie groß wird der Ostsee? Mit einer Wasserfläche von 19 Quadratkilometern wird der Ostsee der größte künstliche See Deutschlands. Zum Vergleich: der Müggelsee bei Berlin ist knapp siebeneinhalb Quadratkilometer groß, der Schwielochsee rund 13. Die Uferlinie des Ostsees wird einmal 23 Kilometer lang. Der Seegrund wird knapp zu einem Drittel 2,7 Meter tief liegen. Der Rest senkt sich bis auf 30 Meter ab.
Wer bezahlt das alles? Für die Herstellung des Ostsees ist das Bergbauunternehmen Leag verantwortlich und muss auch dafür bezahlen. Nach Unternehmensangaben stehen dafür 300 Millionen Euro zur Verfügung. Davon sind demnach gut 75 Prozent und damit rund 220 Millionen Euro ausgegeben worden.
Woher kommt das Wasser? Der Ostsee wird zum Großteil aus der Spree gespeist. 80 Prozent des Wassers stammen aus dem Fluss, die restlichen 20 Prozent sind aufsteigendes Grundwasser. Um den See zu füllen, werden insgesamt 280 Millionen Kubikmeter Wasser benötigt. Es fehlen noch 256 Millionen Kubikmeter. Die Fachleute rechnen damit, dass jährlich rund 45 Millionen Kubikmeter Flusswasser in den See fließen werden.
Welche Qualität wird das Wasser haben? Die Fachleute des Bergbaubetreibers Leag sagen dem Ostsee eine sehr gute Wasserqualität voraus. Demnach wird der pH-Wert zwischen 7,5 und acht betragen. Aufgrund der schnellen Flutung und des hohen Anteils an Spreewasser wird nach Ansicht der Geologen und Hydrologen keine zusätzliche Behandlung des Wassers nötig werden.
Wie hoch werden die Sulfat-Werte im Ostsee? Das ist ein Streitpunkt. Der Bergbaubetreiber versichert, dass der Ostsee keine zusätzliche Sulfatbelastung für die Spree bedeutet. Die Wasserversorger von Frankfurt (Oder) und Berlin, die ihr Trinkwasser aus Uferfiltrat der Spree gewinnen, sehen das anders. Sie sind überzeugt, dass durch den Ostsee die Sulfatwerte im Fluss steigen werden, was ihre Trinkwasserproduktion gefährde. Dagegen hält Leag-Chefgeologe Ingolf Arnold Erkenntnisse aus dem Sulfat-Management: "Wenn es gelingt, an der Talsperre Spremberg die Konzentration von Sulfat bei 450 Milligramm je Liter einzuhalten, dann funktioniert die natürliche Verdünnung so gut, dass Frankfurt und Berlin keine Probleme haben."
Wann kann man baden gehen? Das hängt von mehreren Faktoren ab. Da wäre zunächst die Flutung. Die Experten gehen davon aus, dass der See im Jahr 2024 seinen Zielwasserstand von 62,5 Meter über dem Meeresspiegel erreicht haben wird. Das hängt allerdings auch von den Wetterbedingungen der kommenden Jahre ab.

Von der Planung zur Umsetzung

Fast vierzig Jahre ist es her, als der erste Kohlezug 1981 den Tagebau Cottbus-Nord verlässt. Zwei Jahrzehnte später macht man sich Gedanken, was nach dem Kohleabbau kommt – ein internationaler Ideenwettbewerb soll Akzente setzen. 2006 dann wird der Masterplan "Cottbuser Ostsee" beschlossen und noch im gleichen Jahr ein 34 Meter hoher Aussichtsturm eröffnet. Mit der Abfahrt des letzten Kohlezugs aus dem Tagebau am 23. Dezember 2015 endet dort die Ära des Braunkohleabbaus. Zwei Jahre später nimmt das Ostseemanagement seine Arbeit auf. Heute beginnt die Flutung, die bis 2024 andauern wird. Im August dieses Jahres soll die Kaimauer für den künftigen Stadthafen und im kommenden Jahr der Radrundweg nutzbar sein. pk