Tabuthema Inkontinenz: Die Behandlung erfordert Geduld, aber es gibt Hilfe

Häufig sind ältere und pflegebedürftige Menschen von Inkontinenz betroffen. Aber auch in jüngeren Jahren kann die Krankheit für einen hohen Leidensdruck sorgen.
Markus Scholz/dpaDie Fragen und Antworten entstammen einer Telefonaktion im Rahmen der World Continence Week mit Dr. Sören Promnitz, Chefarzt der Klinik für Urologie im Klinikum Frankfurt (Oder) und Dr. Jörg Schreier, Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde am Carl–Thiem Klinikum in Cottbus.
Ab wann redet man eigentlich von Inkontinenz? Ich bin mir nicht sicher, ob das auf mich schon zutrifft.
Von Inkontinenz redet man, wenn unwillkürlicher Urinverlust auftritt, egal welcher Art und welcher Menge. Einige können sich mit dem Problem arrangieren, andere stören sich schon an ein bis zwei Tropfen, die sozusagen „in die Hose gehen“. Der Leidensdruck, der damit einhergeht, lässt sich nicht an der Menge des Urinverlusts festmachen. Je früher man auf die ersten Symptome reagiert, umso besser kann man helfen. Unterschieden wird bei Inkontinenz zwischen einer Verschlussschwäche, d. h. die Haltefunktion der Blase ist gestört. Die Inkontinenz tritt hier beim Lachen, Husten oder Niesen auf. Man sagt auch, die Blase ist überaktiv. Die zweite Form ist die Dranginkontinenz, dabei handelt es sich um ein Kapazitätsproblem der Blase. Sie signalisiert, dass sie voll ist, und man muss laufend die Toilette aufsuchen. Es gibt auch Mischformen. Meist entstehen die Probleme im Laufe des Lebens und nicht ad hoc.
Kürzlich wurde ich operiert, bekam ein Blasenband eingesetzt. Die Hoffnung, dass sich das Thema Inkontinenz damit für mich erledigt hat, die hat sich allerdings nicht erfüllt. Als keine Besserung eintrat, hat mir mein behandelnder Arzt Tabletten verschrieben. Die helfen auch sehr gut, allerdings waren die Nebenwirkungen so stark, dass ich sie wieder absetzen musste. Ich hatte mit den Tabletten beispielsweise so starken Reflux, dass ich mich nachts gar nicht hinlegen konnte. Die Speiseröhre brannte nach kurzer Zeit enorm. Wie könnte man die Inkontinenz noch therapieren?
Ich sehe mehrere Möglichkeiten, die Sie natürlich genauer mit Ihrem behandelnden Arzt besprechen müssten. Manchmal kommt es nach dem Einsetzen eines Blasenbandes zu Problemen, weil der Körper auf das Band, den eingesetzten Fremdkörper, reagiert, indem die Blase empfindlicher wird. Das nennt man dann Reizblase oder auch „de novo urge“. Hier kann man wiederum mit anderen Medikamenten helfend gegensteuern. Man könnte es sicherlich auch mit anderen Arzneien versuchen, was natürlich viel Geduld erfordert und auch Nebenwirkungen haben kann.
Pflaster gegen Inkontinenz geben Wirkstoffe über die Haut ab
Die dritte Möglichkeit wäre, dass man ein Medikament einsetzt, das den Magen–Darm–Trakt und die Leber umgeht, wenn hier die schlimmen Nebenwirkungen entstehen. Dafür gibt es beispielsweise Pflaster, die die Wirkstoffe über die Haut in den Körper abgeben. Das verträgt mancher Patient wesentlich besser, und vielleicht könnte das auch in Ihrem Fall hilfreich sein. Ich würde Ihnen aber auch zu einer Magenspiegelung raten. Der Reflux kann auch andere Ursachen haben, und dies sollte ein Gastroenterologe abklären. Denn Magensäure in der Speiseröhre führt über einen längeren Zeitraum definitiv zu Schäden.
Nach einem Gebärmuttervorfall hatte ich erst einen Katheter, dann eine Operation. Seitdem bin ich aber stark inkontinent. Gibt es Therapiemöglichkeiten, obwohl ich schon über 80 Jahre alt bin?
Das kann man von anderen Faktoren abhängig machen, nicht unbedingt vom Alter. Wenn Sie also körperlich fit sind und der gesamte Schließmuskelapparat nicht vollständig geschädigt ist, dann können Sie mit viel Training und Geduld etwas erreichen. Dazu müssen Sie unter Anleitung eines Physiotherapeuten entsprechende Übungen zur Stärkung der Beckenbodenmuskulatur erlernen und danach selbstständig entsprechend fleißig üben. Beim Therapeuten beginnt man mit Übungen zum An– und Entspannen der Muskulatur, kann auch entsprechende Medikamente unterstützend einsetzen. Das müssen Sie aber mit Ihrem Gynäkologen oder Urologen, der die Befunde und eventuelle Schäden kennt, besprechen. Auf jeden Fall brauch man nach einer Operation auch Geduld, solche Befunde können durchaus drei bis vier Monate zum Abheilen benötigen.
Ich bin 70 Jahre und leide unter Inkontinenz, muss fast stündlich auf die Toilette, was natürlich mein gesellschaftliches Leben völlig einschränkt, den Schlaf sehr beeinträchtigt. Medikamente waren bisher nicht wirklich hilfreich. Mein Urologe hat eine Prostataoperation vorgeschlagen, aber eine Operation will ich auf keinen Fall. Was könnte noch helfen?
Wenn Ihr Urologe eine gutartige Prostatavergrößerung festgestellt hat, dann kann man beispielsweise zur Beruhigung der Prostata das Medikament Tamsulosin verschreiben und damit durchaus gute Erfolge erreichen, so dass der stündliche Rhythmus vergrößert werden kann. Die Wirkstoffe sorgen dafür, dass der Reiz auf den Blasenhals entfällt und damit eine Erleichterung für Sie eintritt.
Auch in Brandenburg: Eine Operation ist Abwägungssache
Und bedenken Sie bitte bei Ihrer Ablehnung eines Eingriffs: Eine Operation wird Ihnen nur vorgeschlagen, wenn der Arzt dies auch als sinnvoll erachtet zur Verbesserung Ihrer gesundheitlichen Situation. Deshalb sollten Sie abwägen, wie stark Ihre Belastung durch die Inkontinenz und die fehlende gesellschaftliche Teilhabe ist und wie stark Ihre Operationsbedenken. Man könnte beispielsweise auch Medikamente und Operation kombinieren, also erst Medikamente zur Schrumpfung der Prostata einsetzen und dann den Eingriff vornehmen. Die Entscheidung müssen Sie allerdings allein treffen.
Seit Jahren schon leide ich an Inkontinenz, wobei die Probleme vor allem nachts auftreten, kaum am Tag. Kann das auch von den Wassertabletten kommen, die ich wegen Herz–Kreislauferkrankungen nehmen muss?
Ja, hier nennen Sie genau den richtigen Zusammenhang und sollten die Inkontinenz deshalb in erster Linie mit dem Kardiologen besprechen. Er kann durch Änderung der Medikamente mehr erreichen als dies der Urologe momentan könnte. Praktisch erklärt muss man sich vorstellen, dass alle Herzmedikamente tagsüber die Optimierung der entsprechenden Organe übernehmen, die Niere läuft auf Sparflamme. In der Nacht ist es dann genau anders, die anderen Organfunktionen werden zurückgenommen, die Niere arbeitet Volllast, und schnell ist die Blase dann überfüllt und überfordert. Kurz gesagt, in der Nacht arbeitet das Herz fast ausschließlich für die Nieren.
Ich habe auch Probleme mit der Stuhlinkontinenz. Ist das reparabel?
Das ist nicht unbedingt das Fachgebiet eines Urologen. Sie müssten einen Gastroenterologen oder einen Chirurgen aufsuchen und dies möglichst auch zeitnah. Diese Experten kontrollieren nicht nur den Schließmuskel, sondern schließen mit entsprechenden Untersuchungen u.a. neben Hämorrhoiden oder Marisken auch einen Darmtumor aus, der ebenfalls eine Ursache für Ihr Problem sein könnte.
Vor vielen Jahren hatte ich Strahlenbehandlungen und es folgte aus verschiedenen Gründen dann Inkontinenz. Kann man da heute noch etwas zur Verbesserung tun?
Nach mehreren Jahren ist das schwierig, denn dann könnte die notwendige Muskulatur ohne adäquates Training sich zurückgebildet haben und kaum mehr vorhanden sein.
Hilfe durch ein Beckenboden–Zentrum gegen Inkontinenz
Wenden Sie sich an ein Beckenbodenzentrum, idealerweise zertifiziert durch die Deutsche Kontinenzgesellschaft. Dort kann man u.a. Blasen– und Beckenbodenmessungen durchführen. Auf dieser Grundlage könnte es vielleicht möglich sein, Ihre Inkontinenzbehandlung zu optimieren. Mehr Hoffnung würde ich Ihnen aber seriöser Weise auf keinen Fall machen.
Zu Beginn dieses Jahres wurde ich operiert. Nach dieser Laserbehandlung der vergrößerten Prostata war ein paar Tage alles bestens, dann aber zeigte sich erst wenig, dann immer mehr Inkontinenz, und dies ist auch jetzt noch nicht besser. Was sollte ich tun?
Eigentlich sind derartige Probleme in der Zeit der Wundheilung üblich, nach sechs bis acht Wochen aber geht dies zurück. Deshalb sollten Sie dringend nochmals Ihren Urologen oder Operateur aufsuchen, denn es kann auch sein, dass ein Infekt die Ursache ist, und dies sollte dringend behandelt werden. Eine Kontrolle per Blasenspiegelung kann nach Infektausschluss ebenfalls angebracht sein. Sie können mit Ihren Arzt aber auch die Möglichkeit von Beckenbodentraining besprechen. Das ist im Alter nicht einfach und erfordert Geduld, aber es sollte helfen.
Mein Sohn wurde mit dem Down–Syndrom geboren. Jetzt mit seinen über 50 Lebensjahren kann er plötzlich das Wasser nicht mehr halten, vor allem beim morgendlichen Toilettengang. Was sollten wir unternehmen?
Bei Männern ab dem 50. Lebensjahr ist es oft die Vergrößerung der Prostata, die zu derartigen Problemen führt. Das ist alterstypisch, hat nichts mit anderen Einschränkungen oder Vorerkrankungen zu tun. Suchen Sie mit Ihrem Sohn einen Urologen auf, dem er vertraut, den er vielleicht schon kennt, was die Untersuchungen erleichtert. Gemeinsam muss dann nach einer sehr individuellen Lösung gesucht werden. Auch bei Ihrem Sohn sollte ab dem 45. Lebensjahre eine Vorsorgeuntersuchung angeboten werden.
Mein Mann ist über 90 Jahre alt und in letzter Zeit habe ich eine leichte Inkontinenz bemerkt. Aber er spricht nicht darüber. Sollte ich ihm vorsorglich vorschlagen, mal ein Beckenbodentraining zu machen?
Da würde ich abraten, zumal Sie nicht wissen, ob die Probleme vor oder nach dem Wasserlassen auftreten. Wenn er selbst keine Probleme damit hat, z.B. also keine Infektion vorliegt, dann sollte man in seinen Lebensrhythmus nicht „helfend“ eingreifen. Nur wenn er nicht mehr damit klarkommt, eine Therapiebedürftigkeit auftritt, dann sollten Sie Hilfe anbieten.

Sören Promnitz, Chefarzt der Klinik für Urologie im Klinikum Frankfurt (Oder)
Annegret KrügerIch bin schon lange inkontinent. Medikamente kann ich nicht nehmen, sagte mein Urologe, da ich auch an einem Glaukom leide. Was könnten Sie zur Linderung des Problems empfehlen?
Ihre Schilderung klingt nach einer überaktiven Blase. Da gibt es verschiedene Möglichkeiten des Gegensteuerns. Lassen Sie in einem zertifizierten Beckenbodenzentrum den Blasendruck messen und sich auf dieser diagnostischen Grundlage Behandlungsmöglichkeiten empfehlen.
Tabuthema Inkontinenz: Botox zur Blas–Enentspannung
Möglich wäre beispielsweise, dass man ein Medikament (Botox) zur Blasenentspannung spritzt. Das erfolgt dann direkt in die Blase und der für Sie so unangenehme ständige Drang fällt weg. Diese spezielle Botoxbehandlung hilft über Monate, manchmal bis zu einem Jahr, jedoch muss die Behandlung bei positiven Effekt regelmäßig wiederholt werden. Besprechen Sie das mit Ihrem behandelnden Arzt.
Ich bemerke bei mir inzwischen immer mal wieder, dass ein bisschen Urin abgeht, obwohl ich gar keinen Harndrang habe. Sollte ich meine Gynäkologin beim nächsten Besuch darauf ansprechen?
Ja, dazu würde ich unbedingt raten. Je eher das Problem angegangen wird, umso besser kann man helfen. Die Gynäkologin wird gezielt Fragen stellen, zum Beispiel auch nach erfolgten Geburten. Sie kann bei einer Untersuchung den Beckenboden betrachten und auch feststellen, ob es zu einer Blasensenkung gekommen ist und dann entsprechende Therapien einleiten.
Ich bin 85 Jahre alt. Vor einigen Jahren wurde eine Blasensenkung festgestellt, eine OP wollte ich aber nicht. 2019 habe ich mir dann einen Nabelbruch zugezogen. Danach hatte ich eine leichte Inkontinenz, die sich aber wieder besserte. Ich trage ein Bruchband. Nun ist die Inkontinenz wieder da. Wenn ich eine Weile sitze und dann aufstehe, schaffe ich es oft nicht mehr rechtzeitig auf die Toilette. Beckenbodengymnastik mache ich regelmäßig, das hilft aber nicht. Ein Band einzusetzen, sei nun zu spät, meinte die Urologin. Ich benutze Vorlagen, aber gerade jetzt im Sommer ist das doch sehr unangenehm. Gibt es andere Möglichkeiten?
Vieles spricht dafür, dass die Blasensenkung eine Dranginkontinenz ausgelöst hat. Man müsste genauer untersuchen, ob man zum Beispiel eine provisorische Senkungskorrektur mittels Tampons oder Pessaren vornehmen kann. Auf jeden Fall kann man auch in ihrem Alter noch etwas unternehmen, um Ihnen zu helfen.
Im Januar hatte ich (87) eine Prostata–Operation, seitdem bin ich inkontinent, muss Einlagen und eine Windelhose tragen. Ich traue mich ja kaum noch unter die Leute. Der Urologe hat mir zwar Tabletten gegeben, die den Harndrang beruhigen sollen, aber die nehme ich nur im Notfall und richtig helfen sie auch nicht. Muss ich mich jetzt damit abfinden?
Nein, das müssen Sie nicht. Sprechen Sie das Problem bei Ihrem nächsten Besuch beim Urologen noch einmal deutlich an. Vorher notieren Sie bitte über mehrere Tage, wann und wie viel Sie trinken, wann Sie zur Toilette müssen und messen den Urin, der dann abgeht.
Eine Art Inkontinenz–Tagebuch führen
Und schreiben Sie die Situationen auf, wann sie Harn verlieren. Schätzen Sie die Menge ungefähr ab. Diese Aufzeichnungen sind für den Urologen ein guter Ansatzpunkt, um festzustellen, wo das Problem bei Ihnen liegt und wie man dagegen vorgehen könnte.
Ich bin 67 Jahre alt. Auf Grund einer Belastungs– und Dranginkontinenz wurde mir 2013 ein TVT–Band eingesetzt, das wunderbar funktioniert. Vor einiger Zeit wurde mir zusätzlich ein Medikament zur Beherrschung des Drangs verschrieben, das gut wirkt. Ich mache mir aber Sorgen wegen eventueller Nebenwirkungen, vor allem in Bezug auf eine Belastung der Nieren. Sind die berechtigt? Und wie lange kann ich das Medikament einnehmen?
Offenbar leiden Sie unter einer Mischform der Inkontinenz. Wenn bisher noch keine Nebenwirkungen bei dem Medikament aufgetreten sind, ist damit auch nicht mehr zu rechnen. Es ist möglich, dass sich die Kapazität der Blase durch die Einnahme der Tabletten verbessert, dann könnte die Dosis verringert oder sogar ganz auf das Medikament verzichtet werden. Wenn Sie es gut vertragen und es hilft, spricht aber auch nichts dagegen, dass Sie die Tabletten dauerhaft einnehmen.

Dr. Jörg Schreier, Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde am Carl-Thiem Klinikum in Cottbus
Charlotte Kunst/CTK CottbusIch bin 83 Jahre alt und benutze Einlagen der Stärke 3, die über die Hausärztin verordnet werden. Tagsüber komme ich ganz gut zurecht, aber wenn ich nachts wach werde und aufstehe, schaffe ich es meist nicht bis zur Toilette. Gibt es nicht Medikamente, die ich einnehmen könnte?
So, wie Sie es schildern, leiden Sie an einer überaktiven Blase. Sie sollten das Problem beim nächsten Vorsorgetermin bei der Gynäkologin ansprechen, damit man zuerst einmal die Ursache für die Inkontinenz herausfindet. Dies könnte eine Beckenbodenschwäche, eine Blasensenkung oder ein Gebärmuttervorfall sein. Das sollte abgeklärt werden.
Nebenwirkungen der Medikamente für Inkontinenz können erheblich sein
Es gibt zwar Medikamente, aber in Ihrem Alter sollte man vorsichtig mit der Verschreibung sein, da die Nebenwirkungen doch erheblich sein können. So können sie zur Verstopfung führen oder auch das Denken verlangsamen. Deshalb sollte man erst einmal nach anderen Wegen suchen, wie man dem Problem begegnen kann.
Vor 19 Jahren habe ich (44) meinen Sohn bekommen und seitdem leide ich an Inkontinenz. Außer wenn ich liege, verliere ich immer wieder Urin. Ich habe alles Mögliche probiert, nichts hat geholfen, weder ein TVT–Band — musste wegen einer Blasenentleerungsstörung wieder entfernt werden — noch eine Bulkamid–Unterspritzung. Auch eine Urodynamik wurde gemacht, die nur zeigte, dass die Blase sich vollständig entleert. Letztlich wurde mir geraten, ein zertifiziertes Beckenbodenzentrum aufzusuchen, ich war sogar in zwei Zentren. Die einen raten zur Kolposuspension, also die Blasensenkung operativ zu beheben, die anderen empfehlen eher ein anderes Band. Ich weiß ehrlich nicht, wozu ich mich entscheiden soll. Können Sie mir einen Rat geben?
Ich denke, bei Ihnen muss man der Sache noch mal ganz tief auf den Grund gehen. Dazu reicht eine Untersuchung wahrscheinlich nicht aus, eher sind viele kleine Teilschritte nötig. Zumindest eine Operation würde ich da ganz hintenanstellen. In meiner Klinik würden wir zuerst einmal eine Art Probe–Operation machen, um herauszufinden, ob eine richtige OP wirklich etwas bringen würde. Sie sollten sich dorthin wenden, wo Sie das Gefühl haben, dass man sich wirklich sozusagen mit dem Urschleim beschäftigt.
Ich bin 67 Jahre alt, habe vier Kinder geboren. 2011 wurde die Gebärmutter nach einer Senkung entfernt. Seit einem Jahr habe ich große Probleme mit Inkontinenz. Die Gynäkologin meint, meine Blase sei nach hinten „geknickt“. Könnte nur eine Operation dieses Problem beheben?
Bevor man an eine Operation denkt, sollte man erst einmal alle anderen Optionen ausschöpfen. Ich würde in diesem Fall wohl zu einer „Probe–OP“ raten, d. h. dass man mit überdimensionierten Schaumstoff–Tampons versucht, die Senkung der Blase provisorisch zu beheben. Sollten Sie dadurch eine Verbesserung der Inkontinenzproblematik verspüren, müssten Sie für sich abwägen, was Ihnen lieber wäre: Täglich die Tampons zu benutzen oder die Senkung der Blase operativ beheben zu lassen und damit wahrscheinlich das Problem dauerhaft los zu sein.




