In Brandenburg gibt es am Tag der Arbeit einige Demonstrationen. In Potsdam, Cottbus, Frankfurt (Oder), Eberswalde, Hennigsdorf und Brandenburg/Havel sind Kundgebungen angekündigt.

Gegendemonstranten riefen „Ganz Potsdam hasst die AfD“

Samstag, 18 Uhr: Mehrere Hundert Menschen sind am 1. Mai in Potsdam gegen eine Kundgebung des AfD-Landesverbandes Brandenburg auf die Straße gegangen. Die Teilnehmer hielten selbstgebastelte Plakate mit der Aufschrift „Stoppt die AfD“ oder „Rassismus ist keine Alternative“ hoch. Die AfD zählte bei ihrer Veranstaltung knapp 100 Menschen.
„Ganz Potsdam hasst die AfD“, riefen die Gegendemonstranten den AfD-Teilnehmern entgegen, es herrschte eine starke Lautstärke auf dem Platz im Lustgarten unweit des Potsdamer Hauptbahnhofs. Polizisten und eine Absperrung standen zwischen den Teilnehmern der zwei Veranstaltungen. Die Teilnehmer der AfD-Demo hielten Deutschland-Fahnen und solche der Jungen Alternative Brandenburg hoch.
Zur AfD-Kundgebung unter dem Motto: „Sozial ohne rot zu werden“ kamen unter anderem der niedersächsische Landeschef Jens Kestner sowie sein Amtskollege aus Sachsen-Anhalt, Oliver Kirchner. Aus Brandenburg waren unter anderem der AfD-Landtagsabgeordnete Daniel Freiherr von Lützow, der Vizepräsident des brandenburgischen Landtages, Andreas Galau, sowie Ex-Landeschef Andreas Kalbitz dabei. Nach Angaben der Polizeidirektion West verlief die Veranstaltung bis zum frühen Abend friedlich.

Deutliche Kritik in Hennigsdorf

In Hennigsdorf sorgten Redner bei der Kundgebung zum ersten Mai zu aufgeladener Stimmung. Neben der Kritik Arbeitgebern zeigten die Demonstrierenden auch eine klare Haltung zu den Protesten der Corona-Leugner.

Baerbock lenkt in Potsdam den Blick auf die Pflege

Update Samstag, 13 Uhr: Grünen-Chefin und Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock hat zum 1. Mai auf die Situation von Pflegekräften in der Corona-Pandemie aufmerksam gemacht – aber auch in der Zeit danach. „Es reicht nicht, wenn man Pflegekräften zuklatscht, es reicht nicht, wenn man als Politikerin Danke sagt, und wenn alle geimpft sind, dann gehen wir einfach zu dem Zustand davor zurück“, sagte die Grünen-Politikerin bei der Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) Region Westbrandenburg am Samstag in Potsdam. Schon vor der Pandemie fehlten nach Baerbocks Angaben 120.000 Pflegekräfte in Heimen und 50.000 in Krankenhäusern. „Wir hatten schon in den Krankenhäusern, wir hatten in der Altenpflege, schon vorher ein riesengroßes Problem.“
Es gehe um einen vernünftigen Lohn und vernünftige Arbeitsbedingungen, so Baerbock auf der Bühne am Potsdamer Bassinplatz weiter. Solidarität sei in diesen Zeiten „keine Selbstverständlichkeit“. Wie ihr Nachfolgeredner, Bundesfinanzminister und SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz, will Baerbock in Potsdam das Direktmandat bei der Bundestagswahl holen. Zur DGB-Veranstaltung kamen rund 100 Menschen, mehr sind nach den derzeitigen Corona-Regeln in der Landeshauptstadt, wo die 7-Tages-Inzidenz am Samstag bei 123,1 lag, nicht erlaubt.

Auch Olaf Scholz in Potsdam

Bundesfinanzminister und SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz hat zum Mai-Feiertag gefordert, Konsequenzen aus der Corona-Pandemie zu ziehen. „Es kann nicht bei dem bleiben, wie es ist“, sagte Scholz mit Blick auf Kurzarbeit, Entlassungen und ungleiche Löhne auf der Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) Region Westbrandenburg am Samstag in Potsdam. „Ich hoffe, es bleibt eine Lehre für die Zukunft, dass wir nicht nur Verbraucherinnen und Verbraucher sind, sondern dass wir auch Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind, und dass es um Würde und Anerkennung bei dieser Arbeit geht“, sagte Scholz. Das sei etwas, was Deutschland aus dieser Krise lernen sollte.
Scholz forderte, mehr Tarifverträge durchzusetzen und bessere Kontrollen. „Wir müssen sicherstellen, dass es eine Grenze nach unten gibt.“ Es müsse ein Ende für sachgrundlose Befristungen geben. Davon gebe es viel zu viele, so Scholz.
Auch in Cottbus ist Scholz bei der Kundgebung des DGB Südbrandenburg/Lausitz am Parkplatz des Lausitzparks um 13.00 Uhr angekündigt. Normalerweise sind die Kundgebungen des DGB zum 1. Mai größer, wegen der Corona-Pandemie habe man sich aber für mehrere kleinere Veranstaltungen entschieden, teilte der Bezirksverband Berlin-Brandenburg mit. Den Gewerkschaften sei es wichtig, „in dieser sozial und wirtschaftlich angespannten Situation die Themen der Arbeit auf Straßen und Plätze zu tragen“, so der Vorsitzende Christian Hoßbach. Weitere DGB-Veranstaltungen sind in Brandenburg/Havel, Frankfurt (Oder) und Eberswalde sowie im Potsdamer Lustgarten geplant.

AfD-Demo in Cottbus und Potsdam - Gegen-Demo geplant

Der AfD-Landesverband Brandenburg will um 13 Uhr in Cottbus und um 16 Uhr im Lustgarten in Potsdam unter dem Motto: „Sozial ohne rot zu werden“ demonstrieren. In Potsdam sind zahlreiche Redner aus mehreren Bundesländern angemeldet, darunter der Parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Fraktion, Dennis Hohloch, sowie der niedersächsische Landeschef und Bundestagsabgeordnete Jens Kestner. Bereits für 15 Uhr ist eine Gegendemo am Filmmuseum angemeldet.
Die Polizeidirektion West will nach eigenen Angaben ab etwa 15 Uhr einen „lageangepassten Einsatz“ durchführen, „um das hohe Rechtsgut der Versammlungsfreiheit sowie einen störungsfreien Ablauf der Versammlungen zu gewährleisten“. Kurzzeitige Verkehrsbehinderungen im Bereich Breite Straße, Lustgarten, am Filmmuseum und Lange Brücke seien nicht ausgeschlossen.