Tanken in Polen
: Verunsicherung wegen Bio-Sprit E10 – das müssen Autofahrer beachten

Seit Beginn des Jahres 2024 gibt es auch in Polen den Biokraftstoff E10 zu tanken. Einige Anwohner im grenznahen Gebiet sind verunsichert, da sie bislang den Biosprit in Deutschland nicht getankt haben.
Von
Hagen Bernard
Eisenhüttenstadt
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Seit Jahresbeginn wird der Bio-Kraftstoff E10 auch in Polen verkauft. Während dem 95er-Benzin das E10 zugemischt wird, wird dem 98er-Benzin nur fünf Prozent Ethanol zugegeben.

Hagen Bernard

Obwohl in Deutschland das Benzin mit einem Ethanol-Anteil von zehn Prozent (E10) bereits im Jahr 2011 eingeführt wurde, erreichen Ralf-Torsten Noack, Geschäftsführer des gleichnamigen Autohauses in Neuzelle, noch regelmäßig Nachfragen dazu.

Die haben in diesem Jahr zugenommen. Schließlich gibt es seit dem 1. Januar nunmehr auch in Polen offiziell die Kraftstoffsorte E10. Während der dort erhältliche Kraftstoff mit der Oktanzahl 98 als E5 einen Anteil von bis zu fünf Prozent Bioethanol, aufweist, hat der mit der Oktanzahl 95 gehandelte Kraftstoff E10 weist eine Ethanol-Beimischung von bis zu zehn Prozent auf.

Anfragen häufen sich seit diesem Jahr

Die meisten Benzinmotoren vertragen das Biobenzin, auch Halter von vielen älteren Modellen können diese umweltfreundlichere Benzinsorte nutzen. An der Tankklappe sind für die deutschen Fahrzeuge die möglichen Sorten verzeichnet.

Die meisten Kunden von Ralf-Torsten Noack tanken jenseits der Oder den im Vergleich zu Deutschland um 20, 30 Cent preiswerteren Kraftstoff. Schließlich ist Neuzelle lediglich 15 Kilometer (Zytowan) beziehungsweise 20 Kilometer (Gubin) von den nächsten Grenzübergängen nach Polen entfernt.

Der Kfz-Meister, der seit 25 Jahren diesen Betrieb führt, kann in der Regel die Bedenken seiner Kunden zerstreuen. „Ich habe in meiner Geschäftstätigkeit noch nie ein Fahrzeug erlebt, dass durch E10 direkt Schaden genommen hat.“

Befürchtungen sind weitestgehend unbegründet

Als vor 13 Jahren der Biosprit an den deutschen Tankstellen eingeführt wurde, habe es auch bei ihm verstärkt Befürchtungen gegeben, dass das E10 die Dichtungen zerfressen könne beziehungsweise dem Ansaugsystem und Vergaser zusetze.

Bis auf ganz wenige Ausnahmen seien laut Ralf-Torsten Noack diese Befürchtungen unbegründet. Anfangs habe er seinen Kunden geraten, zwischendurch mal das höherwertige Super zu tanken, also Sprit mit geringerem Ethanol-Anteil.

Seine Kunden hätten die Erfahrung gemacht, dass vor allem beim Betanken eines höherwertigen Fahrzeuges mit Super der Motor sauberer laufe, er mehr Leistung abgebe, man damit also auch weiter komme.

Mehrverbrauch von einem Prozent

Damit sei das Tanken mit dem höherwertigen Gemisch nicht viel teurer als mit dem in Deutschland preiswerteren Bio-Sprit. Doch das seien alles keine wissenschaftlichen Erkenntnisse, sondern nur Erfahrungen, wie Ralf-Torsten Noack betont.

Laut ADAC habe Ethanol bessere Verbrennungseigenschaften und erhöhe die Oktanzahl, doch der Energiegehalt von Ethanol betrage nur etwa zwei Drittel des Energiegehalts von Ottokraftstoff. Dadurch ergebe sich beim E10 ein Mehrverbrauch von etwa einem Prozent. Damit hänge der Spritverbrauch hauptsächlich von der Fahrweise, der Topografie und der Beschaffenheit der Straßen ab.

Bioethanol könne laut ADAC Aluminium in Mitleidenschaft ziehen und auch zu Versprödungen der Dichtungen im Kraftstoff-System führen.

Aufpassen bei Oldtimern und saisonal genutzten Motoren

Daher sollten laut ADAC auch nur die Fahrzeuge mit E10 betankt werden, deren Motoren dafür in der Bedienungsanleitung beziehungsweise beim Werk zugelassen seien.

Insgesamt habe laut ADAC die Verwendung von Biosprit bei E10-verträglichen Fahrzeugen keinen Einfluss auf die Funktionssicherheit und die Lebensdauer des Motors. Es seien bei E10-verträglichen Fahrzeugen keine Motorschäden durch Bio-Sprit bekannt.

Dabei sind nahezu alle Benziner für E10 geeignet. Laut Ralf-Torsten Noack gebe es Ausnahmen. Das betreffe vor allem Oldtimer, aber beispielsweise auch Trabant-Fahrzeuge, MZ- und Simson-Motorräder.

Schäden können vor allem bei Motoren auftreten, die nicht regelmäßig laufen. So auch beim nur gelegentlich gefahrenen Trabant, wo sich bei Verwendung von E10 beispielsweise schnell die Messingdüsen beim Vergaser zusetzen können, auch die alten Gummidichtungen seien anfällig.

Problematisch sei Bio-Sprit auch bei Kettensägen und Laubsauger, die in der Regel nur saisonweise eingesetzt werden. Bei saisonal betriebenen alten Benzinern empfehle sich laut Ralf-Torsten Noack als Zumischung auch der höherwertige Aspen-Sprit.

Beim in Deutschland und in Polen verkauften Kraftstoff hänge auch einiges von den zugesetzten Additiven ab. Hierbei gebe es unter den einzelnen Betreibern durchaus auch Unterschiede.