Technikmuseum Berlin: KI-Erlebnisraum für Besucher eröffnet – das wird geboten

Im neuen KI-Zentrum des Deutschen Technikmuseums in Berlin können Besucher unter anderem testen, wie Roboter mithilfe von KI Lagerarbeiten verrichten.
Maria Neuendorff- Technikmuseum Berlin eröffnet interaktives KI-Zentrum, Ausstellung bis Ende 2025.
- Besucher testen KI-Anwendungen, z.B. Hautkrebsvorsorge und ergonomisches Tracking.
- Bundesminister Volker Wissing betont Bedeutung vertrauenswürdiger KI.
- EU-Gesetz zur sicheren KI-Nutzung als Standortvorteil.
- Schulklassen können Führungen und Workshops buchen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Der Roboter, der Besucher des Technikmuseums begrüßt, kann zwar noch nicht sagen, wie das Wetter morgen wird, aber bei konkreten Nachfragen etwas über sich und seine Künstliche Intelligenz (KI) verraten. Mit dieser lernt das Gerät täglich dazu und kann Besuchern auch etwas über das am Dienstag (28. Januar) eröffnete KI-Zentrum erklären.
Der interaktive Erlebnisraum ist eigentlich eine kostenlose Ausstellung und bis Ende 2025 in der Ladestraße (Halle 6) des Deutschen Technikmuseums beheimatet. An verschiedenen Mitmachstationen können sich Besucher und Schulklassen kostenlos über neueste Entwicklungen informieren und einige wenige Anwendungen auch selbst testen.
Hautkrebsvorsorge mit KI
An einer der Stationen kann man zum Beispiel seinen Leberfleck auf der Hand abfotografieren und ein 3D-Modell davon erstellen. Trainiert wurde die entsprechende KI mithilfe einer riesigen Datenbank mit Bildern von Hautveränderungen und Diagnosen von Fachleuten. „Mit der SkinDoc-App könnten Patienten die Vorsorgeuntersuchung selbst mit dem eigenen Handy starten, ohne auf einen Hausarzttermin zu warten“, heißt auf einer Tafel neben dem Bildschirm.
Die KI-Anwendung soll zwar nicht den realen Hautarzt ersetzen, aber dessen Arbeit erleichtern, sodass sich der Mediziner künftig besser auf die wichtigen Fälle konzentrieren kann.
Wer gleich nebenan eine der zwei schwarzen Computerbrillen aufsetzt, kann virtuell durch den menschlichen Organismus wandern und sogar einen Gehirntumor zwischen umliegenden Nervenbahnen von nahem inspizieren. Mithilfe von KI können auch jetzt schon anatomische 3D-Modelle erstellt und verschiedene Behandlungen und OP's vorher digital durchgespielt werden, erfährt der Besucher.
Dass KI nicht mehr aufzuhalten ist und weltweit täglich weiterentwickelt wird, zeigen die aktuellen Nachrichten über die neue chinesische KI-App, die keine großen Rechenzentren mehr brauchen soll und die in den USA dem kostenlosen ChatGPT gerade den Rang abläuft, wenn es darum geht, menschliche Konversationen zu simulieren.
Vertrauenswürdige KI-Anwendungen
„Ohne KI werden wir in Zukunft nicht wettbewerbsfähig sein. Wir müssen sie breit anwenden - in der Medizin, in der Verwaltung, in der Logistik, in allen Bereichen der Wirtschaft“, sagt denn auch Bundesdigitalminister Volker Wissing (parteilos), der die Ausstellung persönlich eröffnete.
Trotz aller US-amerikanischen und chinesischen Innovationen sieht der Politiker Deutschland ganz vorne mit dabei, was die Entwicklung und die Investitionen in KI angeht. Auch dass die EU im vergangenen Jahr ein gesetzliches Regelwerk zur sicheren Nutzung von KI verabschiedet hat, sieht Wissing dabei als Standort-Vorteil. „Ich glaube, dass weltweit die Nachfrage nach vertrauenswürdigen KI-Produkten Made in Europe steigen wird“, so der Bundesminister.

Volker Wissing (parteilos), Bundesminister für Verkehr und Digitales, kam am Dienstag (28. Januar) zur Eröffnung des KI-Zentrums im Deutschen Technikmuseum und setzte sich an einer der Mitmachstationen eine Mixed Reality-Brille auf.
Jens Kalaene/dpaWie und woran man vertrauenswürdige KI erkennt, soll nun die Ausstellung im Technikmuseum zeigen und vor allem auch Menschen erreichen, denen die neue Technologie noch nicht so geheuer ist. Dass bei den europäischen Regularien vor allem die Sicherheit an oberster Stelle steht, erfährt man gleich an der ersten Station, an der sich Besucher in verschiedene Szenen und Anwendungsbereiche reinscrollen können.
Unter anderem geht es um das autonome Autofahren, bei dem versichert wird, dass die KI Verkehrsschilder auch im Dunkeln erkennt. An einem weiteren Computerbildschirm kann der Mensch gleich selbst mit der KI in den Wettstreit treten. Die Aufgabe ist, in verschiedenen unübersichtlichen Straßenszenen in Sekundenschnelle zu erkennen, ob sich Personen auf oder neben der Fahrbahn befinden. Schon nach den ersten Versuchen wird schnell klar, dass die KI meist bessere „Augen“ hat oder wenigstens gleich gute.
KI-Tracking am Arbeitsplatz
Man kann sich als Museums-Besucher aber auch selbst abscannen lassen. Das Ergonomie-Tracking der Firma Deltia zeichnet Mitarbeitende anonymisiert auf und analysiert dabei ungünstige Bewegungen und Körperhaltungen und soll so frühzeitig vor zu hoher oder zu langer Arbeitsbelastung warnen. Zum Test sollen sich Besucher nach Holzwürfeln bücken und sie in Körbe einsortieren. Geht das auf die Glieder, leuchtet sofort ein roter Punkt auf dem Bildschirm auf.
Die Frage, ob diese monotonen Arbeits-Bewegungen in Zukunft nicht sowieso von KI-gestützten Robotern erledigt werden, wird drei Stationen weiter beantwortet. Dort kann man mit einem Computer-Controller einen Prototypen des Fraunhofer-Institutes steuern, der Pakete in einem Warenlager von A nach B transportiert.
„Der Evobot lernt mit der KI selbstständig, sich an neuen Orten zurechtzufinden“, erklärt eine Mitarbeiterin. Dabei helfe ein digitaler Zwilling, der vorab ein digitales Modell des Warenlagers abfährt. „Das erlaubt es später dem realen Roboter, zentimetergenau durch das echte Lager zu navigieren“, so die Wissenschaftlerin.
Der künstliche Lager-Helfer sieht dabei auch nicht mehr wirklich wie ein herkömmlicher Roboter aus. Einen Kopf und Oberkörper braucht er nicht. Er ist eigentlich nur ein Gestänge auf zwei Rädern, das sich beim Fortbewegen mit seinen zwei Greifern ständig ausbalanciert. „Auch beim eigenständigen Erkennen und Hochheben der Gegenstände nutzt der Evobot KI“, erklärt die Mitarbeiterin.

Bundesminister Volker Wissing lässt beim Besuch des Innovations- und Qualitätszentrums (IQZ) für Künstliche Intelligenz im Technikmuseum in Berlin von einer KI-Anwendung seine Bewegungen scannen.
Jens Kalaene/dpaIm Bundesministerium für Digitales und Verkehr, das die Ausstellung finanziert, erhofft man sich unter anderem, dass solche KI-Assistenten irgendwann den Fachkräftemangel abfedern. Doch gibt es den auch in der Kunst und der Kultur?
Ein komisches Gefühl erzeugt diesbezüglich ein Blick auf das strahlende Sonnenblumen-Gemälde, das nicht vom Jahrhundert-Maler Van Gogh, sondern von einer Künstlichen Intelligenz gezeichnet wurde. Auch das Gedicht, das durch seinen klaren Rhythmus und Reim besticht, stammt nicht von Wilhelm Busch, sondern von einem Computer-Hirn.
Die KI-generierten Inhalte, die auf dem Museums-Touchscreen aufploppen, ähneln dabei stark ihren Vorbildern. Das sei deshalb legal, weil die Künstler länger als 70 Jahre tot sind, erfährt der Besucher. So lange schütze das Urheberrecht ihre Werke. Trainieren dürfe man die KI mit ihnen aber schon vorher. Die Originale dürften in den KI-generierten Inhalten aber nicht mehr erkennbar sein.
Öffnungszeiten und Führungen
Das neue KI-Zentrum ist nicht im Haupthaus des Deutschen Technikmuseums, sondern im Sonderbau an der Ladestraße (Halle 6), Zugang von der Möckernstraße 26 in Berlin-Kreuzberg, zu sehen. Der Eintritt ist kostenlos. Die Schau geht bis Ende 2025 und ist zu den regulären Besucherzeiten des Technikmuseums geöffnet.
Zudem soll es ab Februar Bildungs- und Gruppenformate sowie Dialogveranstaltungen geben. Schulklassen können sich für Führungen und Workshops anmelden und sich die einzelnen Anwendungsbeispiele der Ausstellung im Detail erklären lassen.
Mehr Informationen dazu unter technikmuseum.berlin.de sowie unter www.mission-ki.de


