Tatortreiniger aus Fürstenwalde
: Spuren des Todes beseitigen – was Michael Gölden erlebt

Ob Unfall, Mord oder auf natürliche Weise: In Berlin und Brandenburg werden Leichen immer wieder erst Tage nach dem Tod gefunden. Wie es ist, einen Leichenfundort zu reinigen.
Von
Johannes Leichsenring
Frankfurt (Oder)
Jetzt in der App anhören
Reiniger von Tat- und Leichenfundort aus Fürstenwalde: Michael Gölden. Warum er aufhörte, als Bestatter zu arbeiten und sich lieber mit der Reinigung von Leichenfundorten beschäftigt.

Der Tatortreiniger aus Fürstenwalde Michael Gölden hörte auf, als Bestatter tätig zu sein und beschäftigt sich nun lieber mit der Reinigung von Leichenfundorten.

Johannes Leichsenring
  • Michael Gölden reinigt Leichenfundorte in Berlin und Brandenburg, früher war er Bestatter.
  • Unfall- und Mordfälle sind häufig, Leichen werden oft erst Tage später gefunden.
  • Gölden arbeitet mit Desinfektionsmitteln und Ozongas, trägt Schutzkleidung.
  • Tatortreinigung erfordert keinen speziellen Abschluss, Weiterbildung in Desinfektion.
  • Gölden betont, dass man nicht über die Arbeit nachdenken sollte.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Kaum eine Woche vergeht, ohne dass sich auf den Straßen Brandenburgs ein tödlicher Unfall ereignet. Wie vor einer Woche. In Ahrensfelde wurde ein Radfahrer von einem Auto erfasst. Der 71-jährige Mann, der mit seinem Rad unterwegs war, verlor dabei sein Leben. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Unfalltoten von 108 auf 114 Personen. Doch auch Fälle von Mord und Totschlag ereignen sich immer wieder. Das Jahr hatte kaum begonnen, als es in Casekow zu einem versuchten Femizid kam. Ein 26-Jähriger attackierte seine Ex-Partnerin mit einem Messer, verwundete sie schwer und tötete ihren Bruder und die Partnerin ihres Vaters. Im Jahr 2024 registrierte die Polizei fünf Morde und 42 Fälle von Totschlag. Doch wer kümmert sich um die Orte, an denen es zu tödlichen Unfällen, Morden oder Totschlag gekommen ist?

Michael Gölden aus Fürstenwalde ist so jemand, der sich den Leichenfundorten annimmt. Er ist derjenige, der am Ende nochmal durchwischt und das Licht ausmacht. Seinen letzten Auftrag hatte er vergangene Woche in Berlin. Die Leiche einer älteren Person lag mehrere Tage im Badezimmer, bevor sie von einer ambulanten Pflegerin aufgefunden wurde. „Jetzt gerade in der Ferienzeit, nach den Ferien, da kommen die Stoßzeiten“, sagt Gölden. Viele Menschen seien mit ihren Kindern über die Ferien verreist. In den Heimatorten bleiben die Großeltern für ein oder zwei Wochen allein zurück. In Großstädten wie Berlin könne es einige Tage dauern, bis der Tod einer Person bemerkt wird – gerade dann, wenn die Angehörigen verreist sind.

Nur wenige Tatortreiniger in Berlin und Brandenburg

Irgendwann beginnt es jedoch aufzufallen, sagt Gölden. „Nach fünf bis sechs Tagen beginnt der biologische Prozess spürbar zu werden. Gerade bei höheren Temperaturen. Dann treten Gerüche auf. Und das dann so extrem, dass es ins Treppenhaus kommt“, sagt Gölden. Der Grund für die Verzögerung liegt im Verwesungsprozess. „Der Körper fängt nicht an, von außen nach innen zu verwesen, sondern von innen nach außen“, so Gölden. Zuerst würde sich der Magen auflösen, wie auch die anliegenden Organe. Eine Art Leichenwasser bildet sich, das in Form einer schwarzen Flüssigkeit aus den Körperöffnungen wie Mund und Nase austritt. Sie sähe ein wenig aus wie Kaffeesatz, sei aber ein Brei aus organischer Auflösung. Und die riecht.

Gölden ist Quereinsteiger. Ursprünglich arbeitete er als Bestatter. Sein früherer Arbeitgeber war
zuständiger Polizeibestatter im Landkreis Oder-Spree und kam daher auch immer wieder an spezielle Leichenfundorte. „Ich bin in einigen Wohnungen gewesen und habe mich immer wieder gefragt: Wer macht das hier eigentlich sauber? Das ist ja eigentlich unfassbar.“ Unfassbar war für ihn einer der letzten Leichenfundorte, bei denen er als Bestatter war, um eine Leiche abzutransportieren. Danach musste ein Jobwechsel her. Bei dem Fund wurde die verstorbene Person nach zwei Wochen in einer Sauna aufgefunden. Bei 70 Grad sei der Leichnam so verdorrt gewesen, dass ihm beim Versuch ihn zu transportieren, der Kopf abknickte. „Da habe ich mir dann gesagt: Das machst du nicht mehr. Das hat mir den Rest gegeben. Wollte von da an lieber Sachen machen, wo keine Verstorbenen mehr sind.“ Als er erkannte, dass es in Brandenburg und Berlin nicht allzu viele Tatortreiniger gibt, entschloss er sich, sich selbstständig zu machen.

Worauf ein Tatortreiniger achten muss

So wurde aus dem Bestatter ein Reiniger für Tat- und Leichenfundorte. Eine Ausbildung benötigte er für seinen beruflichen Neuanfang nicht. Er meldete sich bei der zuständigen Handwerkskammer in Frankfurt (Oder) als Gebäudereiniger an und erhielt seinen Gewerbeschein. Derzeit bildet er sich weiter im Bereich der Desinfektion. Der Job sei aber generell ohne Voraussetzung. Er mache das freiwillig. Doch er gibt zu bedenken, dass er neben Terralin als Flächendesinfektionsmittel auch mit Wasserstoffperoxid und Ozongas arbeitet. Allein aus Eigenschutz und zum Schutz seiner Mitarbeiter muss er wissen, womit er arbeitet.

Wenn Gölden an einen Einsatzort kommt, zieht er sich zunächst einen viren- und bakterienabweisenden Schutzanzug an, sowie Gummistiefel, Handschuhe und eine Atemschutzmaske. Zu den ersten Arbeitsschritten zählt es, die Körperflüssigkeiten zu beseitigen. Dafür wird ein spezieller Sauger für Leichenflüssigkeiten verwendet. Auch Absorbin kommt zum Einsatz, ein Granulat, das Flüssigkeiten bindet. Speckkäfer und Maden rückt er bei der ersten Desinfektion mit der Vernebelung eines Insektizides zu Leibe. Wie bei der abschließenden Geruchsneutralisation durch Ozongas werden alle Räume mit den Gasen geflutet, weshalb die Wohnung versiegelt und verschlossen werden muss. Bei schweren Fällen müssen auch Teile des Bodens entfernt werden. Ob er bei seinem Einsatz auch handwerklich tätig werden muss und einen Anhänger braucht für den Sperrmüll, erfährt Gölden aber zumeist schon am Telefon.

Für ihn ist es in erster Linie ein Job. Doch er betont: „Man darf nicht darüber nachdenken“ – schon gar nicht vor oder nach der Arbeit. An sich selbst sei ihm aufgefallen, dass er bedachter wurde durch den Job. „Man stellt selber fest: Das Leben kann von heute auf jetzt zu Ende sein.“