Todesfall Emily: Bundesgerichtshof bestätigt Urteil gegen Kindermörder aus Eberswalde

Der wegen Kindesmisshandlung angeklagte Angelo S. mit seinem Anwalt Alrik Kohrs im Landgericht Frankfurt (Oder).
MOZEine Not–OP brachte keinen Erfolg. Einige Monate später erlag das Kind seinen erlittenen Hirnschädigungen. Es folgte eine langwierige juristische Aufarbeitung dieses Todesfalls, die nun abgeschlossen ist.
Aus niedrigen Beweggründen
Der Bundesgerichtshof hat die Verurteilung des Kindsvaters wegen Mordes aus niedrigen Beweggründen bestätigt und die Revision der Verteidigung verworfen. Das teilte am Mittwoch eine BGH–Sprecherin mit. Das Urteil gegen den zur Tatzeit 28 Jahre alten Angelo S. ist damit rechtskräftig. Die Verteidigung des Angeklagten hatte lediglich zehn Jahre Haft wegen Vernachlässigung und Misshandlung gefordert. Emilys Stiefmutter wurde Ende 2019 in einem anderen Verfahren rechtskräftig zu fünf Jahren Haft unter anderem wegen Totschlags verurteilt.
„Emily hatte einen Vater, der nie liebevoll und verlässlich war, sondern rücksichtslos seine jeweils aktuellen Wünsche durchsetzte, koste es, was es wolle“, sagte die Vorsitzende Richterin Barbara Sattler im Juni 2019 in ihrer Begründung für das Mordurteil vor dem Landgericht Frankfurt (Oder). „Diese Tat steht auf tiefster Stufe. Der Vater hat seiner Tochter alles vorenthalten, was es an menschlichem Umgang gibt.“
Wichtiges Signal
Es war ein nach fast einem Jahr Beweisaufnahme hart erarbeiteter Richterspruch mit wichtiger Signalwirkung: Wer sein Kind vernachlässigt, misshandelt und es dann seinem Schicksal überlässt, kann bei tödlichem Verlauf auch dann wegen Mordes verurteilt werden, wenn ihm keine direkte Tötungsabsicht nachgewiesen werden kann.
Ein sogenannter bedingter Tötungsvorsatz genügt für eine lebenslange Haftstrafe, also das man „den Eintritt des Todes für möglich hält und ihn billigend in Kauf nimmt“, sagte Richterin Sattler mit Blick auf das Vorgehen von Angelo S. Er hatte Emily über Monate hinweg immer wieder geschlagen, Wunden unversorgt gelassen und ihre Ernährung vernachlässigt, bis sie am Ende Hirnschäden hatte und nur noch zehn Kilogramm wog.
