Tradition: Der neue Chef hat selbst im Betrieb gelernt

Übergabe: Gründer und Ex-Geschäftsführer Axel Blankenhagen mit dem neuen Chef Steffen Kelm und dem bisherigen Prokuristen Christian Teichmann (v. l.).
Jens SellAuch in der Industrie- und Handelskammer Ostbrandenburg in Frankfurt (Oder) ist die Nachfolge ein bedeutendes Thema. Von ihren Mitgliedern sind im Kammerbezirk 4686 Geschäftsinhaber 65 Jahre alt und älter, 1374 sind es in Märkisch-Oderland. Mit 4602 (MOL: 1376) sind nur leicht weniger zwischen 60 und 65 Jahre alt. „Das heißt, in Märkisch-Oderland sollten sich schon jetzt deutlich mehr als 2500 Chefs intensiv um einen Nachfolger bemühen“, sagt IHK-Sprecherin Norma Groß, zumal man schon ab 55 Jahre auf diesen Abschnitt hinarbeiten sollte.
Bei den Handwerkern ist das Thema ebenfalls aktuell. „Brandenburgweit müssen sich 30 Prozent aller Handwerksbetriebe in den nächsten zehn Jahren mit dem Thema Nachfolge befassen“, sagt Handwerkskammer-Sprecher Michael Thieme. Denn 30 Prozent aller Inhaber der 11 549 Mitgliedsbetriebe sind mindesten 55 Jahre alt, jeder 15. ist mindestens 60.
Wie es eine Firma schafft, zeigt die Strausberger TGA Heinemann GmbH und Co. KG. Nach 27 Jahren gingen zwei der Gründer und Gesellschafter der Strausberger Heizungs- und Sanitärfirma in den Ruhestand. Der Geschäftsführer Axel Blankenhagen und der Prokurist und Technische Leiter Christian Teichmann verabschiedeten sich von ihren Mitarbeitern. „Der Star ist die Mannschaft“, sagt Axel Blankenhagen und dankte seinen meist langjährigen Angestellten, „Diese Mannschaft hat die TGA Heinemann zu einem erfolgreichen und am Markt angesehenen Unternehmen gemacht.“
Axel Blankenhagen und Christian Teichmann sind froh darüber, dass die Unternehmensnachfolge aus den eigenen Reihen geregelt werden konnte. Jetzt haben sie den Staffelstab an Steffen Kelm übergeben. Mit der Übertragung der gesamten Geschäftsanteile von Blankenhagen und Teichmann auf Steffen Kelm ist dieser jetzt Haupteigner der Firma und neben dem bisherigen zweiten Geschäftsführer, Matthias Böhme, neuer Geschäftsführer der Firma.
Der 37-jährige Steffen Kelm hat 1999 als Lehrling für Heizung und Sanitär angefangen, wurde als Geselle übernommen, hat 2009 erfolgreich das Direktstudium zum staatlich geprüften Techniker absolviert und im Anschluss daran, neben seiner Tätigkeit als Bauleiter und Einkäufer der Firma, noch seinen Handwerksmeister gemacht. Axel Blankenhagen ist überzeugt, dass mit Steffen Kelm die Zukunft der Firma und ihrer Mitarbeiter gesichert ist.
Darauf kommt es auch dem Präsidenten der Handwerkskammer, Wolf-Harald Krüger, an: „Uns geht es dabei um den meisterlichen Berufsnachwuchs, der auch den Fortbestand von Handwerksfirmen mit sichern soll.“ Zugleich gehe es auch um die Arbeitsplätze und den Erhalt der Wirtschaftskraft im ländlichen Raum. Was bei der Strausberger Firma mustergültig gelaufen ist, ist bei anderen Firmen oft gerade das Problem, macht IHK-Sprecherin Norma Groß deutlich: „Das Thema ist letztendlich auch so schwierig, weil es eine nicht zu unterschätzende emotionale Komponente hat. Manche Unternehmer haben in ihrem Betrieb mehr Zeit verbracht als mit ihrer Familie.“ Deshalb fällt es 65-Jährigen oft schwer, auch innerlich loszulassen. „Wir können das“, sagt Axel Blankenhagen für sich und Christian Teichmann. Aber für gute Ratschläge bleiben die beiden Jungrentner für ihren Nachfolger stets erreichbar.