Überwachung in Brandenburg
: Wer kann mein Handy abhören und wer tut es wirklich?

HintergrundViele haben Angst, ihr Handy könnte abgehört werden. Aber gibt es diese Überwachung wirklich? In Brandenburg manchmal schon.
Von
Bodo Baumert
Potsdam
Umfrage: Mehrheit checkt stündlich das Handy

Unser Handy ist immer bei uns. Mit eingebauter Kamera und Mikrofon. Kann man mich darüber abhören? Es gibt Fälle, in denen eine Überwachung in Brandenburg wirklich stattfindet (Symbolbild).

Andreas Arnold/dpa
  • Smartphones können Gespräche technisch mitlauschen, doch permanente Werbungsauswertung gilt als unwahrscheinlich.
  • Gründe laut CCC/TU Berlin: Verbot in Deutschland, enorme Datenmengen, bereits genug Profildaten.
  • Polizei darf in Einzelfällen überwachen: eine TKÜ in Brandenburg im Jahr 2024, zudem Standortabfragen.
  • Hinweise auf Abhören können hoher Datenverbrauch, heißes Gerät und schnell leerer Akku sein.
  • Schutz: Mikrofonrechte prüfen, Apps löschen, Updates und VPN nutzen – im Zweifel Handy ausschalten.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Es ist eine Szene, die immer wieder zum Gesprächsstoff wird: Man sitzt mit Freunden zusammen und unterhält sich über ein Thema, beispielsweise Videos einer neuen Band. Und kurz darauf sehe ich auf Internetseiten Werbung zu genau diesem Thema. Obwohl ich vorher nie dazu etwas im Internet gesucht habe. Wie kann das sein? Hört mein Handy mich ab?

Technisch wäre das zunächst kein Problem. Apps wie Siri, Alexa oder ähnliche werten im Hintergrund Gespräche aus und warten auf ihr Stichwort, um sich einzuschalten. „Ja, Ihr Telefon hört immer mit – es sei denn, Sie haben Maßnahmen ergriffen, um Siri und Co. zu deaktivieren und keiner App Mikrofonberechtigungen erteilt“, sagen Experten des Antiviren-Spezialisten Avira.

Einziger Schutz: „Nur wenn Sie das Smartphone ausschalten, können Sie sicher sein, dass es Ihnen nicht zuhört, da es dann keine Signale mehr an die Mobilfunkmasten sendet“, so die Experten.

Aber passiert das permanent? Wird alles, was ich sage, permanent aufgezeichnet und ausgewertet, um mir stets passgenaue Werbung einzuspielen und mich so zum Kauf von Dingen zu animieren, die ich gar nicht brauche? Eine Arbeitsgruppe des Chaos Computer Clubs Hamburg und der TU Berlin hat sich bereits 2023 mit dieser Frage beschäftigt.

Ihr Fazit: Nein, es ist nicht sehr wahrscheinlich, dass das passiert. Dafür nennen die Experten drei Gründe.

Wird mein Handy überwacht? Das spricht dagegen

Erstens: Es ist in Deutschland gesetzlich verboten. Das allein wird allerdings globale Großkonzerne nicht davon abschrecken, es vielleicht doch zu tun.

Zweitens: Die Datenmengen, die entstehen würden, wenn man dauerhaft alle Smartphones überwachen wollte, wären so groß, dass man sie selbst mithilfe künstlicher Intelligenz (KI) kaum auswerten könnte. In jedem Fall wären die Kosten dafür gigantisch.

Drittens: Es ist schlicht nicht nötig. Die Daten, die Werbe-Anbieter wie Google bereits von uns besitzen, sind so umfangreich, dass es eines solchen Aufwandes gar nicht bedarf. Die meisten Menschen geben ja freiwillig alles, über sich preis. Jeder Klick im Internet, jedes angeschaute Video, jeder Kauf bei Amazon, jedes Verweilen auf einer Social-Media-Nachricht wird registriert.

Und nicht nur die eigenen. Wer sein Telefonbuch mit WhatsApp teilt, Freunde bei Facebook hat oder ohne VPN surft und seine IP-Adresse verrät, liefert den Unternehmen auch Infos zu Freunden, die dann ebenfalls ausgewertet werden.

Aus diesen Daten entsteht ein Profil, das dann eingesetzt wird, um beim nächsten Besuch einer Internetseite auf den dort vorhandenen Werbeplätzen genau passende Werbung auszuspielen. Habe ich gerade ein Kinderbuch bei Amazon bestellt, taucht dort Werbung für weitere Kinderbücher auf.

Handy-Überwachung: Woher weiß die Werbung, was ich mag?

Aber zurück zum Beispiel vom Anfang: Was, wenn ich noch nie zuvor etwas zu der neuen Band gegoogelt habe, ich vorher noch nie von ihr gehört habe? Was, wenn ich durch das Gespräch mit Freunden zum ersten Mal auf das Thema gestoßen wurde? Ist das nicht der Beweis, dass ich doch abgehört werde?

Nein. Denn es kann ja zum Beispiel sein, dass der Freund, der mir davon erzählt hat, zuvor im Internet nach der Band recherchiert hat. Und weil er sich dafür interessiert, denkt der Algorithmus, es könnte mich auch interessieren.

Oder in der Schublade, in die die Werbe-Industrie mich gesteckt hat – junger Mann, gerade mit der Schule fertig, besucht gerne Festivals, ... –, ist die Band insgesamt gerade im Trend. Da könnte mich das ja auch interessieren.

Oder es hat schlicht mit Psychologie zu tun. Es könnte sich um eine Frequenzillusion, auch bekannt als Baader-Meinhof-Phänomen, handeln. Damit ist gemeint, dass unser Hirn bestimmte Themen oder Muster bewusster wahrnimmt, nachdem wir darauf aufmerksam geworden sind. In diesem Fall würde das bedeuten, dass in dem Meer von Werbung, das uns umspült, immer schon Werbung für diese Band dabei war. Wir haben sie aber nicht wahrgenommen, weil uns das Thema nicht interessiert hat. Nun, da uns der Freund auf das Thema gestoßen hat, hat unser Gehirn eine Assoziation und wir schauen bewusster drauf.

Handy abgehört? Das darf die Polizei in Brandenburg

Also lautet die gute Nachricht, dass unser Handy nicht abgehört wird? Das kann man so auch nicht sagen. Wissenschaftliche Versuche, dies zu beweisen oder zu widerlegen, haben bisher keine eindeutigen Beweise geliefert. Fakt ist, dass es technisch möglich wäre.

In manchen Fällen ist das auch bekannt, beispielsweise, wenn die Polizei Verbrecher oder Terroristen überwacht. Eine solche Telekommunikationsüberwachung (TKÜ) ist in Deutschland aber immer an strenge gesetzliche Vorgaben gebunden. In jedem einzelnen Fall muss ein Richter eine solche TKÜ genehmigen. Und das passiert seltener, als man denkt.

In Brandenburg gab es nach Auskunft des Innenministeriums im Jahr 2024 eine solche Überwachungsmaßnahme. In 23 weiteren Fällen wurden Standorte eines Mobilfunkgerätes ermittelt. In 277 Fällen wurden solche Standortdaten durch die Polizei von Telekommunikationsunternehmen angefordert. Meist ging es dabei um die Suche nach Vermissten oder Menschen, bei denen eine Suizidgefahr bestand.

Brandenburgs Landesregierung will aktuell das Polizeigesetz anpassen, um weitere Möglichkeiten zur Überwachung bekannter Gefährder zu schaffen. „Aber auch hier wird es strenge Auflagen für die Nutzung der Überwachungsmöglichkeiten geben“, verspricht Innenminister Jan Redmann (CDU) im Interview.

Was Geheimdienste darüber hinaus an Abhörmaßnahmen treffen und zu welchen technischen Mitteln sie dabei greifen, dazu gibt es keine öffentlich zugänglichen Informationen. Nicht umsonst werden allerdings Spitzenpolitiker bei Auslandsreisen mit speziell präparierten Geräten nur für diesen Moment ausgerüstet.

So kann ich erkennen, ob mein Handy abgehört wird

Ein Indiz dafür, dass mein Smartphone abgehört wird, kann ein plötzlicher Anstieg des Datenverbrauchs sein. Auch eine langsamere Internetverbindung könnte darauf hinweisen. Denn eine App, die im Hintergrund laufen würde, um meine Gespräche aufzuzeichnen, müsste diese Daten verarbeiten und dann auch versenden. Audiodaten können allerdings ziemlich umfangreich sein, zumal, wenn eine permanente Aufzeichnung erfolgen soll. Das könnte sich auch dadurch bemerkbar machen, dass der Akku wesentlich schneller leer wird.

Oftmals werden Handys auch heiß, wenn leistungsintensive Apps laufen, die zum Beispiel Videos aufnehmen. Was aber, wenn ich gar keine solche App nutze und das Gerät trotzdem heiß wird?

So kann ich mein Handy – ein wenig – abhörsicher machen

Der erste Schritt, um sich vor solchen möglichen Abhörprogrammen zu schützen, ist ein genauer Blick in die Einstellungen und Apps auf dem Handy. Wer nicht belauscht werden möchte, sollte Programme, die das tun können, löschen oder ihnen zumindest die Erlaubnis zum Zugriff auf das Mikrofon verbieten.

Lässt sich eine App nur verwenden, wenn sie Zugriff auf das Mikro hat? Dann besser gleich löschen. Für unbekannte Apps mit hohem Datenverbrauch sollte das Gleiche gelten.

Experten raten zudem, regelmäßig Updates zu installieren, um so bekannte Sicherheitslücken auf dem Smartphone zu schließen. Beim Surfen im Internet empfiehlt sich die Nutzung eines VPN. Zudem kann auch die Nutzung von Sicherheitssoftware nicht schaden.

Und natürlich kann man immer noch Mikrofon und Kamera mit dunklem Klebeband oder einem Pflaster abdecken. Wenn es aber um wirklich wichtige Gespräche geht, die auf gar keinen Fall jemand mithören sollte, würde es sich empfehlen, das Handy einfach mal abzuschalten und weit wegzulegen – auch, wenn es schwerfällt.