Die 56-jährige Leipzigerin hat bereits einen sehr bewegten Ost-West-Ost-Lebensweg vorzuweisen. Nach ihrem 1988 in Leipzig abgeschlossenen Psychologiestudium, für dessen herausragendes Ergebnis sie schon damals einen Preis erhielt, war sie zunächst als wissenschaftliche Mitarbeiterin der Universitäts-Frauenklinik in ihrer Geburtsstadt tätig.
1991 ging sie dann nach Nordrhein-Westfalen, zunächst an die Universität in Essen und später nach Bielefeld. Im Jahr 2003 kehrte Grande in ihre Heimatstadt Leipzig zurück, wo sie – inzwischen als Professorin für Psychologie – an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur tätig war. Von 2014 bis 2019 war sie Rektorin dieser Hochschule und setzte sich dabei insbesondere für den Aufbau der neuen Fakultät "Digitale Transformation" ein, der aufgrund einer finanziellen Zustiftung durch die Deutsche Telekom AG gelang.

Hohe Erwartungen an Uni und Präsidentin

"Wir hatten am Donnerstag die Wahl zwischen zwei sehr guten Bewerberinnen", sagt der Senatsvorsitzende der Cottbuser Universität, Ingolf Petrick. Denn auch die zweite Kandidatin Christiane Hipp, die seit 15 Jahren an der BTU tätig ist, hatte sich in den vergangenen zwei Jahren besonders engagiert, indem sie die amtierende Leitung der Uni übernommen hatte. Die Wahl ging mit 12:9 Stimmen relativ knapp für Grande aus.
Die Erwartungen an die Uni insgesamt und an die künftige Präsidentin speziell sind hoch. "Die BTU hat beim bevorstehenden Strukturwandel in der Lausitz eine absolut tragende Rolle", sagt Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD), der bis zu seinem Wechsel in die Politik vor zwei Jahren selbst Präsident der Lausitz-Uni war. Schon Steinbach hatte mit der sinkenden Studentenzahl zu kämpfen, die verschiedene Ursachen hatte. Neben der Frage, welche Perspektiven die Region nach dem Ausstieg aus der Braunkohle hat, belasten auch häufige Demos von Rechten das Image von Cottbus.
Gesine Grande scheint die Chance, neue Impulse setzen zu können, besonders zu reizen.  In einem ersten Statement nach ihrer Wahl kündigte sie an, dass sie über die finanziellen Rahmenbedingungen noch intensiv mit dem Land verhandeln werde und dass es aus ihrer Sicht auch nicht mit Einmal-Zahlungen an die Uni getan sei, sondern dass eine dauerhaft bessere Finanzierung erforderlich sei.
Die Bedingungen dafür erscheinen gut, schließlich wollen Bund und Land der Region mehrere Milliarden Euro zur Verfügung stellen und auch neue Forschungseinrichtungen ansiedeln. Junge Ingenieure, die an der Hochschule ausgebildet werden, sind für den Strukturwandel dringend erforderlich.

Ansiedlung einer Medizinische Hochschule in der Lausitz

Eine zweite spannende Frage ist die geplante Ansiedlung einer vom Land finanzierten Medizinischen Hochschule in der Lausitz. Die BTU hat bereits ihr starkes Interesse daran angemeldet, dass dies in Form einer neuen Fakultät der Uni geschehen soll. Auch dafür ist die Tatsache, dass Gesine Grande Gesundheitswissenschaftlerin ist, eine gute Voraussetzung.
Allerdings sind die Würfel zu dieser Entscheidung noch nicht gefallen. Wissenschaftsministerin Manja Schüle (SPD) will zunächst einen Expertenbeirat einberufen, der die Gründung der Hochschule vorbereiten soll. Ziel ist es, dass die Lausitz auch zu einer Modellregion in puncto Gesundheitsvorsorge werden soll.

Breit gefächertes Studienangebot


An der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU),  die zwei Standorte in Cottbus und einen in Senftenberg hat, arbeiten rund 180 Professorinnen und Professoren. Aktuell sind etwa 7000 Studierende in 70 universitären, fachhochschulischen und dualen Bachelor- und Master-Studiengängen eingeschrieben, darunter 2250 internationale Studierende aus mehr als 100 Ländern. Das Studienangebot reicht von den Themen Bauen, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über Naturwissenschaften und Informatik bis hin zu Wirtschaft, Gesundheit und Soziales. Das Land unterstützt die Hochschule in diesem Jahr mit rund 100 Millionen Euro. ds