Unternehmen: Chaos-Brexit könnte viele Stellen kosten

Eine Fahne des Vereinigten Königreiches steht während einer Plenarsitzung des Europäischen Parlaments auf dem Tisch der Abgeordneten Lucy Harris (Brexit-Partei). Während der Sitzungswoche des EU-Parlaments debattieren die Abgeordneten über den Brexit. EU-Kommissionpräsident Juncker will über sein Treffen mit dem britischen Premier Johnson informieren. Zudem soll über eine Resolution abgestimmt werden.
dpa/Philipp von DitfurthDieser Albtraum könnte jeden fünften der rund 500.000 Arbeitsplätze in Deutschland kosten, die derzeit am Handel mit Großbritannien hängen, schätzt der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Joachim Lang.
„Ohne Regelung wird der 1. November stürmisch“, befürchtet er. Was genau passiert, wenn Großbritannien die EU ohne Austrittsabkommen verlässt, weiß keiner, schon weil es ausgerechnet auf der Insel bisher keinerlei Übergangsgesetze und Notfallregeln gibt – im Gegensatz zu den übrigen 27 EU-Staaten. Nach welchen Regeln an der Grenze Zölle erhoben werden und wie lange das dauert, ist völlig offen.
Eine erneute Verschiebung des Brexit wäre für Lang nur akzeptabel, wenn klar ist, wie es dann weitergeht: mit Neuwahlen, einem zweiten Referendum oder einem Austrittsvertrag. Ansonsten ist sich die deutsche Wirtschaft einig: Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. „Es darf für London keinen Freifahrschein für eine Verschiebung ohne klaren Fahrplan geben“, betont Lang.
Die Industrie steht auch voll hinter der EU-Kommission, die neue Verhandlungen über den Austrittsvertrag strikt ablehnt. Die Unternehmen haben schon Milliarden ausgegeben, um etwa mit großen Lagervorräten gewappnet zu sein, ohne zu wissen, ob sie auch gebraucht werden. Auf das ursprüngliche Austrittsdatum hatten sich Firmen vorbereitet, indem sie etwa Werksferien vorzogen. „Das kann man nur einmal machen“, so der BDI-Chef.
Die Auto-, Chemie- und Pharmaindustrie sowie der Maschinenbau sind vom Brexit besonders stark betroffen. Kleine Unternehmen sind laut Lang schlecht vorbereitet, schon weil ihnen die nötigen Leute fehlen. Besser sehe es bei den großen Konzernen aus.
Nach Einschätzung des BDI kostet ein ungeregelter Brexit in Deutschland 0,5 Prozentpunkte Wirtschaftswachstum. Die starke Abwertung des britischen Pfunds droht deutsche Exporte noch teurer zu machen.