Urlaub und Corona: Firmen in Brandenburg raten zu Verzicht auf Auslandsreisen

Die meisten Brandenburger verbringen ihren Urlaub in Deutschland, zeigt eine Umfrage.
Oliver FrankeMit dem Coronavirus aus dem Urlaub zurückgekehrt? Dieser Fall ist dem brandenburgischen Gesundheitsministerium bisher einmal bekannt geworden – bei einer vierköpfigen Familie aus Cottbus, die auf Mallorca geweilt hatte. Es werde aber mehr Fälle geben. „Wir erfahren nicht, wie viele Brandenburger an den Berliner Flughäfen positiv getestet wurden. Aber die Gesundheitsämter vor Ort wissen Bescheid“, erklärt Ministeriumssprecher Gabriel Hesse.
Mit Beginn der Urlaubssaison hatten Brandenburger Unternehmen umfassend Vorkehrungen getroffen, damit die Ansteckungsgefahr mit dem Virus gering bleibt. „Mit dem Urlaubsschein müssen unsere Mitarbeiter einen Fragebogen abgeben und hinterlassen, in welches Land sie reisen“, berichtet Mario Krone, einer der Geschäftsführer der Eberswalder Wurst GmbH. Wer aus einem Risikogebiet komme, müsse einen negativen Test vorlegen oder sich in Quarantäne begeben. „Es haben bisher nur wenige Mitarbeiter überhaupt eine Flugreise gemacht. Da sind alle sehr sensibilisiert“, lobt Krone. Die Eberswalder wollen die Tests auf das gesamte Ausland erweitern und stimmen sich dazu gerade mit dem Betriebsrat ab. Demnächst sollen Wärmebildkameras installiert werden, um Mitarbeiter auf Fieber zu untersuchen.
Alles über das Coronavirus und seine Folgen für Brandenburg und Berlin in unserem Corona-Blog.
Auch bei der Philia Ambulante Gesundheitspflege GmbH in Schwedt hätten alle Urlauber, die im Ausland weilten, einen Test vorlegen müssen. „Bei uns sind aber alle an der Ostsee und im heimischen Garten geblieben“, erzählt Geschäftsführer Roger Pohl. Eine der Mitarbeiterinnen, die zu Lockdown-Zeiten einen Mallorca-Urlaub geplant hatte, wolle diesen nicht nachholen, beschreibt er deren Einstellung.
„Ganz entspannt“ mit dem Thema Urlaub geht man derzeit bei der Agrargenossenschaft Albrecht-Daniel Thaer in Prötzel um, sagt Geschäftsführer Heinz Springer. „Bei uns sind im Juli und August alle voll in die Ernte eingespannt.“ Erst nach der Maisernte und der Herbstbestellung können seine Landwirte wieder Urlaub machen.
Bei Arcelor Mittal in Eisenhüttenstadt wurden den Mitarbeitern Informationen zu den Quarantäneverordnungen des Landes ausgehändigt. „Wir haben darauf hingewiesen, welches die Risikogebiete sind und geraten, dorthin nicht in den Urlaub zu reisen. Jedem Mitarbeiter wurde seine Verantwortung verdeutlicht, weil im Falle einer Infektion sein gesamter Bereich in Quarantäne muss“, berichtet Pressesprecher Herbert Nicolaus. Bisher habe niemand zu Hause bleiben müssen.
Gegenwärtig sei das Unternehmen dabei, die Verordnung bezüglich der Tests neu zu regeln. Es gebe Überlegungen, diese durch die Betriebsärzte selbst vornehmen zu lassen. „Wir prüfen derzeit aber, ob die Kapazität der Hausärzte reicht. Dann entscheiden wir, wie wir verfahren“, so Nicolaus.
In Strausberg wurden die Mitarbeiter der Stadtverwaltung über die aktuelle Gesetzeslage des Landes sowie Vorgaben des Kommunalen Arbeitgeberverbandes und interne Dienstanweisungen informiert, heißt es aus der Pressestelle. „Nicht nur zu ihrem eigenen Schutz, sondern auch zum Schutz ihrer Kollegen setzen die Verwaltungsmitarbeiter die Anweisungen entsprechend um. Bei einem begründeten Verdacht würde ein ärztliches Attest gefordert“, so Stephan Dreyse.
Im Klinikum Markendorf in Frankfurt (Oder) werden die Mitarbeiter, die in Risikogebiete reisen wollen, auf die aktuelle Quarantäne-Verordnung des Landes Brandenburg verwiesen. Diese verpflichtet nach der Rückkehr zu einer häuslichen Quarantäne von 14 Tagen. „Wir bieten daher allen Mitarbeitern, die aus dem Urlaub aus einem Risikogebiet zurückkehren, an, ein Covid-19-Screening im Klinikum durchzuführen. Die Kosten für die Tests müssen die Mitarbeiter selbst tragen“, sagt Klinikumssprecherin Kati Brand. Es habe bisher keine Quarantäne-Fälle gegeben.
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Tests
An den beiden Berliner Flughäfen wurden seit vergangener Woche rund ... Urlauber aus Risikogebieten auf Covid-19 getestet. "Knapp .... Prozent der getesteten Personen waren positiv", teilte Ulrich Frei, Vorstand Krankenversorgung der Charité, auf Anfrage mit. Die Charité führt die Tests an den beiden Standorten durch.
Der Flughafen geht davon aus, dass täglich im Schnitt rund 2000 Menschen aus Gebieten nach Berlin reisen, die das Robert Koch-Institut als Risikogebiete einstuft. Bis zu 4000 Tests an beiden Airports ist möglich.
Am Montag nahm in Berlin eine weitere Teststelle am Zentralen Omnibusbahnhof den Betrieb auf. Auch am Hauptbahnhof sind Tests geplant.⇥keb
