Verkehr: Erste U-Bahnen von Stadtler in Pankow sollen im Herbst 2022 fertig sein
2022 kommen die ersten Wagen
Gemeint ist die neue 24 000 Quadratmeter große Produktionshalle, die bis Juli 2021 hochgezogen wird. Das Gerippe steht schon. Stadler investiert bis zu 70 Millionen Euro in den Ausbau. In der Halle sollen nicht nur die großen Drehgestelle Platz finden, mit deren Hilfe die Wagenkästen auf die Getriebe gesetzt werden. Zusätzlich sind Büros und eine neue Kantine geplant und bei weiterhin guter Auftragslage auch ein Logistikzentrum, heißt es vom Schweizer Unternehmen, das seit 75 Jahren Züge baut.
Zu tun gibt es in Berlin erst einmal genug: Die ersten insgesamt 24 Wagen, je zwölf für das Klein- und für das Großprofil, sollen im Herbst 2022 aus dem Pankower Werk an die BVG überführt werden. Nach einem Testbetrieb soll dann Ende 2023 die Serienlieferung beginnen. Vereinbart sind vier neue Wagen in der Woche – als fast doppelt so viele wie zuletzt die Züge der Baureihe IK. Anschließend können je nach Bedarf bis ins Jahr 2030 weitere Serienfahrzeuge abgerufen werden.
Der aktuelle BVG-Fuhrpark verfügt derzeit über rund 1300 Wagen. Das Durchschnittsalter der Flotte beträgt 28 Jahre. Die ältesten Fahrzeuge sind über 50 Jahre alt. So kommt es im Betrieb immer wieder zu Ausfällen und Wagenmangel.
„Der Großauftrag ist ein doppelter Gewinn für Berlin. Mit der neuen U-Bahn-Generation wird der Hauptstadtverkehr in unserer wachsenden Metropole leistungsstärker und klimafreundlicher“, freut sich Ramona Pop (Grüne), Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe sowie Aufsichtsratsvorsitzende der BVG. Zusätzlich würden so viele Arbeitsplätze in einem Unternehmen gesichert, das in Berlin tief verwurzelt sei.
Eigentlich hatte die BVG Stadler schon 2019 beauftragt. Doch der französische Alstom Konzern legte Beschwerde gegen die Milliardenvergabe ein, die das Verfassungsgericht im März jedoch abgelehnt hat.
Was die neuen Züge angeht, so sollen sie unter anderem leiser und energiesparender werden. Neu ist, dass es auf den Kleinprofil-Strecken (U1 bis U4) statt drei Türen nur noch zwei je Wagenreihe geben soll. „Viele stehen ja im Eingangsbereich, und so wird mehr Kapazität für Sitzplätze geschaffen“, erklärt Vanessa Rittinger, Projektleiterin der neuen Baureihe JK. Dazu soll es mehr Raum für Rollstuhlfahrer und Kinderwagen sowie "Prioritätensitze für klein- und großwüchsige Menschen“ geben.
Die Fahrgäste können sich schon voraussichtlich in diesem Herbst einen ersten Eindruck der neuen Fahrzeuge verschaffen. Dann soll ein begehbares Modell eines U-Bahn-Wagens mit Fahrerstand sowie einem teilfunktionsfähigen Fahrgastraum zur Besichtigung auf einem belebten Platz in Berlin aufgestellt werden.
Eröffnungstermin für die U5-Verlängerung
Das Verkehrsnetz der BVG besteht aus derzeit zehn U-Bahn-, 22 Straßenbahn- und über 150 Buslinien sowie sechs Fähren. 15 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des BVG-Konzerns bedienen mit rund 3000 Fahrzeugen einen Ballungsraum mit über 3,7 Millionen Einwohnern und einem Einzugsgebiet von rund 1000 Quadratkilometern. Über eine Milliarde Fahrgäste nutzen jährlich die Busse und Bahnen. In Berlin werden alleine in der U-Bahn täglich über 1,6 Millionen Fahrgastfahrten gezählt. Für die Verlängerung der Linie 5 wurde am Montag der Eröffnungstermin bekannt gegeben. Ab 4. Dezember können Fahrgäste von Hönow bis zum Hauptbahnhof durchfahren. ⇥neu

