Mit acht Jahren Verspätung sollen Ende Oktober die ersten Maschinen vom Großflughafen BER in Schönefeld abheben. Doch mit Blick auf die Anbindung ist Airportchef Engelbert Lütke Daldrup froh, dass die pandemiebedingten Einbrüche im Flugverkehr noch zwei bis vier Jahre Aufschub bringen, bevor es richtig brummt. "Wir haben durch die Corona-Krise Zeit gewonnen, ein paar Dinge einzurichten, die wir eigentlich jetzt schon gebrauchen könnten", sagte er am Montagabend in einer Diskussionsrunde mit Wirtschaftsvertretern.
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Erst einmal ohne ICE

So werde mit der Jürgen-Schumann-Allee ein wichtiger Zubringer in zwei oder drei Jahren vierspurig angebunden sein und die Dresdner Bahn ab 2025 die Fahrtzeit zwischen Berliner Hauptbahnhof und Flughafen von 30 auf 20 Minuten verkürzen. Die Entscheidung für den Bau jener Strecke habe Berlin zu spät getroffen, kritisierte Lütke Daldrup.
Wünschenswert sei, dass Fluggäste bei Bedarf bereits in der Berliner City einchecken  können. Zudem müsse der BER so schnell wie möglich einen ICE-Anschluss bekommen. Das könne helfen, Inlandsflüge zu vermeiden und gleichzeitig mehr Langstrecken-Kunden für Schönefeld zu gewinnen, die dann schnell mit der Bahn anreisen, sagte der BER-Chef. Doch der in der Runde sitzende Vertreter der Deutschen Bahn machte hier wenig Hoffnung. Zum BER-Start gebe es als "Testballon" eine Intercity-Linie von Dresden nach Rostock mit Halt am BER, sagte Alexander Kaczmarek. Werde die Linie ein Erfolg, könne man über weitere Angebote nachdenken. "Jeder Fernzug muss sich rechnen."
Jürgen Ross vom Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg sagte, dass noch eine Menge Detailarbeit anstehe. Es gehe zum Beispiel auch darum, rund 20 000 Flughafenmitarbeiter zu den unterschiedlichsten Tages- und Nachtzeiten zum Arbeitsplatz und nach Hause zu bringen. Hier sei das jüngst vorgestellte Bus-Konzept für den Großflughafen wichtig. Mehrere Linien würden den BER mit umliegenden Gemeinden verbinden. Eine weitere Herausforderung sei, die Fluggäste korrekt zum neuen Terminal oder aber zum alten Schönefelder Flughafen, dem Terminal 5, zu lenken. Hier habe man in den Wochen bis zum Flughafenstart noch viel Informationsarbeit zu leisten, betonte Ross.
Jens Warnken von der IHK Cottbus mahnte, bei der Fokussierung auf Busse und Bahnen die Anreisemöglichkeit mit dem Auto nicht zu vernachlässigen. Autobahnen und weitere Straßen in der Flughafenumgebung müssten dringend ausgebaut werden. Wenn die Stadtautobahn blockiert ist, weil ein Lastwagen zum Beispiel im Tunnel die Höhenkontrolle auslöst, herrsche sofort Chaos, da es kaum Entlastungsstraßen gebe, gab Warnken zu bedenken. Und auf einer dieser Straßen sei nun auch noch einer von zwei Fahrstreifen zur Busspur gemacht worden. Man dürfe außerdem nicht vergessen, dass der künftige Tesla-Standort unweit vom BER in Grünheide weiteren Verkehr beschere.
Michael Fischer vom Carsharing-Unternehmen WeShare, das die An- und Abreise zum Großflughafen mit Elektroautos ermöglichen will, verwies in der Diskussionsrunde darauf, dass ein flächendeckendes LTE-Netz am BER für dieses Angebot unverzichtbar sei. Denn der Mietvorgang soll schlüssellos allein mit dem Smartphone abgewickelt werden. Außerdem würden an dem Flughafen bislang Ladesäulen in ausreichender Zahl fehlen. Auch Schranken, die ohne Parkkarte passiert werden können, seien wichtig, ergänzte Fischer.
Eine Unbekannte in der Planung all dieser Angebote sei, wie sich die Reisefreudigkeit nach der Corona-Krise entwickelt, betonte die Verkehrsforscherin Katrin Scholz. "Die Corona-Krise beeinflusst die Mobilität der nahen Zukunft", sagte sie. Darauf müsse sich der Flughafen mit einem strikten Digitalisierungskurs einstellen, der insbesondere jungen Menschen maximale Flexibilität bei der Reiseplanung bringe.
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Mit Tempo 200 auf der Dresdner Bahn


Die rund 16 Kilometer lange Dresdner Bahn existiert bereits seit 1875. Sie beginnt südlich des Bahnhofs Berlin Südkreuz und führt über Marienfelde und Lichtenrade nach Brandenburg und dann weiter nach Sachsen. Die Strecke wird bis 2025 zweigleisig modernisiert und soll dann den BER von Berlin aus mit Höchsttempo 200 erreichbar machen, was die Fahrtzeit vom Berliner Hauptbahnhof zum Flughafen auf 20 Minuten verkürzt. Die parallel verlaufende S-Bahn-Strecke wird ebenfalls modernisiert. Am Endbahnhof Blankenfelde wird ein kombinierter Bahnsteig für S- und Regionalbahn errichtet. mat