Wald in Gohrischheide
: Nach dem Brand – diese Tiere und Pflanzen sind wieder da

Es wird Jahre dauern, bis der Wald der Gohrischheide nach dem verheerenden Feuer im Sommer 2025 wieder so aussieht wie vor dem Brand. Trotzdem blüht Hoffnung.
Von
Frank Claus
Zeithain/Mühlberg
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Nach dem bislang größten Waldbrand in Sachsen im Sommer 2025, zwischen Zeithain und Mühlberg, sprießen die ersten Pflanzen, hier Farn, wieder.

Nach dem bislang größten Waldbrand in Sachsen im Sommer 2025, zwischen Zeithain und Mühlberg, sprießen die ersten Pflanzen, hier Farn, wieder.

Dr. Torsten Bittner
  • Nach dem Waldbrand 2025 in der Gohrischheide: Erste Pflanzen wie Moose und Farne wachsen nach.
  • Tiere wie Wiedehopf, Ameisen, Reh-, Rot- und Schwarzwild kehren in das Gebiet zurück.
  • Experten sehen Vorteile für die Heide: Feuer fördert Verjüngung und Wachstum.
  • Maßnahmen laufen: Munitionsräumung, Sicherung von Wegen und Ausbau der Wasserversorgung.
  • Jagd pausiert, um Wildtieren Erholung und Anpassung zu ermöglichen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Gohrischheide ist nach wie vor gesperrt. Im Gebiet zwischen Mühlberg in Brandenburg und Zeithain in Sachsen hat im Juli 2025 der größte Waldbrand seit Jahrzehnten im Freistaat über mehrere Tage gewütet. Etwa 2000 der insgesamt 2800 Hektar großen Fläche sind verbrannt oder schwer in Mitleidenschaft gezogen worden.

Am 22. Juli gibt die Feuerwehr das Gebiet zur Begutachtung frei, drei Tage später dürfen sich Journalisten in Begleitung von Mitarbeitern des Staatsbetriebes Sachsenforst selbst ein Bild machen. Immer wieder Kopfschütteln an diesem Tag über das riesige Ausmaß. Die Arbeit einer ganzen Generation von Forstleuten ist zerstört worden.

Nicht nur der Boden ist rabenschwarz, die Flammen haben sich die Baumstämme nach oben bis in die Wipfel gefressen. Forstamtmann Stefan Müller, Revierleiter des Staatsbetriebes Sachsenforst, nimmt ein Wort immer wieder in den Mund: „Es ist apokalyptisch, was Sie hier sehen.“ In der Tat: Katastrophal ist der Zustand des Waldes.

Was nach dem Waldbrand in der Gohrischheide Mut macht

Und trotzdem: Es gibt Lichtblicke, die Hoffnung machen. Erstes, zartes Grün wird entdeckt, das an Baumstämmen sprießt, Ameisen krabbeln, selbst ein Wiedehopf hüpft fast demonstrativ vor die Kameras und ein Reh huscht in sicherer Entfernung durch den „Kohleparcours“.

Christian Starke, Leiter der Verwaltung des Naturschutzgebiets Königsbrücker Heide/Gohrischheide Zeithain, bestätigt Ende August: „Auf den Brandflächen tauchten die ersten Pilze wenige Tage nach den Löscharbeiten auf. Einige Pflanzen wuchsen zeitnah nach dem Brand, das sind in erster Linie solche, die von fehlender Konkurrenz anderer Pflanzen profitieren, wie Moose oder Farne. An einigen Stellen tauchen Grasarten auf und es gibt die ersten Stockausschläge an Bäumen, wie zum Beispiel der Birke.“

Abgebrannte Heide – das hat auch eine gute Seite

Beobachtungen, die auch Forstamtmann Jens Pietrzak, zuständig für die Flächen vom Bundesforst, bestätigen kann. Dem Brand auf den weiten Offenflächen kann er sogar etwas Gutes abgewinnen: „Wir wissen aus anderen Heidegebieten, dass kontrolliertes Abbrennen der Heide guttut, sie sich verjüngt und stärker wieder austreibt.“ Aber, dass auch Waldflächen so schwer zerstört wurden, schmerzt ihn. „Da fangen wir wieder völlig von vorn an“, sagt er. Selbst der Roteichenriegel, noch zu DDR-Zeiten als Brandhemmer angelegt, hat die Feuersbrunst nicht überstanden.

Auf den Offenflächen hat der Waldbrand in der Gohrischheide sogar eine gute Seite: Die Heide verjüngt sich, sprießt kräftiger.

Auf den Offenflächen hat der Waldbrand in der Gohrischheide sogar eine gute Seite: Die Heide verjüngt sich, wird kräftiger sprießen.

Frank Claus

Welche Beobachtungen gibt es in der Tierwelt? Christian Starke: „Es gibt einige Profiteure, die spezifisch auf Waldbrände angewiesen sind, um sich beispielsweise in frisch verbranntem Holz zu entwickeln, wie der Schwarze Kiefernprachtkäfer (Melanophila acuminata). Viele andere Arten werden die Flächen mit der Zeit in unterschiedlicher Weise wiederbesiedeln. Im Rahmen eines geplanten Monitorings werden wir dies ermitteln.“

Jens Pietrzak, selbst Jäger, kann noch konkreter werden: „Wild ist schon wieder da. Ich habe schon Rot-, Reh- und Schwarzwild gesehen.“ Auf Wildkameras habe es bereits wieder Fotos vom Wolf, von Füchsen und Hasen gegeben. „Was vor dem Feuer wegrennen konnte, hat das getan“, sagt der Forstamtmann. In einem angrenzenden Garten am Jacobsthaler Bahnhof hätten 12 bis 15 Rehe gestanden, habe der Eigentümer berichtet.

Gohrischheide: Die Jagd ist eingestellt

Der Jäger sagt auch: „Wir haben alle jagdlichen Aktivitäten komplett eingestellt. Die Tiere sollen zur Ruhe kommen, sich wieder einstellen.“ So habe er schon wenige Tage nach dem Brand ein Alttier – ein Rotwild mit Kalb  – auf einer Lichtung gesehen, das sich noch sehr verstört verhalten habe.

Rehe im Wald in Verden-Eitze: 05.08.2025, Niedersachsen, Verden: Zwei Rehe auf einem Waldweg in Verden-Eitze und blicken in Richtung Kamera. Nach wechselhaftem Wetter in den vergangenen Tagen erwarten Meteorologen zur Wochenmitte Sonne und höhere Temperaturen. Foto: Focke Strangmann/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Dass es dieses Bild, wie hier in einem Wald in Niedersachsen, in der Gohrischheide wieder geben wird, davon sind die Forstleute von Sachsen- und Bundesforst überzeugt (Archivfoto). Erste Tiere seien bereits wieder gesichtet worden.

Focke Strangmann/dpa

Welche Maßnahmen im Wald sind inzwischen realisiert beziehungsweise in Arbeit? Im Moment, so Naturparkleiter Cristian Starke, findet ein Austausch darüber statt, „wie mit der durch den Brand freigelegten Munition umgegangen wird“. Dazu gebe es grundsätzliche Überlegungen zum Umgang mit der Munition im Gebiet. „Weiterhin läuft eine Ausschreibung, um mit Spezialtechnik die Verkehrssicherheit für Rettungskräfte auf den Einsatzwegen und für Nutzer der Besucherpfade wieder herzustellen“, sagt der Mann aus dem Naturpark.

Auf weiteren Wegen der Heide wird Munition beräumt

Im Zuständigkeitsbereich des Bundesforstes – beim Waldbrand im Jahr 2022 noch stark kritisiert – werden ebenfalls Wege weiter beräumt und laufe auch die Munitionsbergung. Im Jahr 2022, damals brannte es auf etwa 900 Hektar, hatten Kameraden berichtet, dass selbst munitionsfrei eingestufte Wege und Trassen nicht befahrbar gewesen sein, dass es entweder starken Baum- und Astüberhang oder enormen Ginster-Bewuchs gegeben habe. Einige Trassen seien selbst zu Fuß schwer begehbar gewesen.

Forstamtmann Jens Pietrzak, damals seit etwa einem Jahr zuständig für die Gohrischheide, hatte erhebliche Defizite eingeräumt und hat sein Versprechen nun eingehalten: In Auswertung des großen Waldbrandes seien alle Trassen noch einmal genau unter die Lupe genommen worden. Das Hauptaugenmerk liege auf dem etwa 15 Meter breiten Streifen neben der Bahnlinie Riesa –Falkenberg. Angelegt worden sei neben einer Zisterne auch ein Tiefbrunnen, sodass das unterirdische Wasserfass immer wieder direkt befüllt werden könne und nicht erst Tanker das Wasser von weiter her bringen müssen.