Warenhaus-Insolvenz in Berlin: Sorgen um das KaDeWe – so reagieren Kunden und Personal

Das über hundert Jahre alte KaDeWe in Berlin hat nun auch Insolvenz beantragt.
Maria NeuendorffDie roten Schilder mit der Aufschrift „Final Sale“ (Schlussverkauf) in den KaDeWe-Schaufenstern könnten Kunden vor dem Kaufhaus des Westens in Berlin dieser Tage besonders irritieren. Doch es sind nur Wintermäntel und Stiefel, die für bis zu 60 Prozent Rabatt angeboten werden. Mit dem großen Ausverkauf anderer Berliner Warenhäuser, die wegen der Insolvenz der österreichischen Signa-Gruppe schließen mussten, hat die Aktion in der City West noch nichts zu tun.
„Das KaDeWe bleibt geöffnet, der Betrieb geht normal weiter. Die Geschäftsführung bleibt weiter im Amt“, hieß es am Montagnachmittag (29.1.) von der KaDeWe-Group, nachdem bekannt geworden war, dass nun auch das über hundert Jahre alte Nobelkaufhaus am Wittenbergplatz einen Insolvenzantrag gestellt hat.
Am verkaufsoffenen Sonntag geschlossen
„Ich mache mir schon Sorgen um dieses besondere Haus“, sagt Philip Castel, der in der Feinkostabteilung eine Früchtebox bestellt hat und am Tresen verzehrt. Mehrmals in der Woche kommt der Berliner ins KaDeWe, um etwas zu essen und einen Plausch mit den Angestellten zu halten. Die Cocktailbar, an die er am frühen Abend noch weiterziehen wird, habe nach einer Modernisierung gerade erst wieder geöffnet, erzählt er. „Im KaDeWe wurde in den letzten Jahren sehr viel Geld in mehrere Umbauten investiert“, berichtet der 59-jährige Volkshochschullehrer, der sich an der Bier- und Austernbar auch gerne mit Bekannten verabredet.
Am Sonntag (28.1.), an dem in Berlin eigentlich anlässlich der Grünen Woche die Geschäfte geöffnet hatten, stand Castel wie viele andere Kunden vor verschlossenen Türen und wunderte sich. „Drinnen war zwar Licht. Aber niemand machte auf.“
„Wir hatten am Sonntag Inventur, das hat nichts mit der Insolvenz zu tun“, klärt ein Verkäufer am Kosmetik-Stand im Erdgeschoss auf. Das bestätigt auch die Hermes-Mitarbeiterin, die gleich nebenan Parfums präsentiert „Das KaDeWe wird nie schließen. Es ist eine Legende in Europa. Ich arbeite seit 20 Jahren hier. Es ist wie mein Zuhause“, zeigt sie sich zuversichtlich.
Denn die Geschäfte laufen eigentlich sehr gut. Nach eigenen Angaben hat die KaDeWe Group 2022/23 das umsatzstärkste Geschäftsjahr der Unternehmensgeschichte verzeichnet. „Der Umsatz lag mit knapp 728 Millionen Euro um fast 24 Prozent über dem Vor-Corona Jahr 2018/19“, heißt es in einer Mitteilung der KaDeWe-Group vom 29. Januar.
Mieten um 37 Prozent gestiegen
Allerdings seien die Mieten im Vergleich zum Geschäftsjahr 2018/19 um fast 37 Prozent gestiegen und sollten in den nächsten Jahren weiter ansteigen. „Die exorbitant hohen Mieten an den Standorten Berlin (KaDeWe), Hamburg (Alsterhaus) und München (Oberpollinger) machen ein nachhaltig ertragreiches Wirtschaften nahezu unmöglich“, heißt es weiter in der Erklärung.
Vor diesem Hintergrund habe sich die Geschäftsführung gezwungen gesehen, beim Amtsgericht Berlin Charlottenburg einen Antrag auf ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung zu stellen, heißt es von der KaDeWe Group, die alle drei Häuser betreibt. Dem Antrag sei bereits stattgegeben worden. „Ziel ist es, die KaDeWe Group zu schützen. Wir lassen Altlasten hinter uns und streifen vor allem die hohen Mietlasten für unsere Häuser ab.“
Die Group gehört zu 49,99 Prozent zur bereits insolventen Signa-Gruppe des österreichischen Immobilienspekulanten René Benko. Seit November 2023 mussten zahlreiche Signa-Gesellschaften Insolvenz anmelden, darunter die Dachgesellschaft Signa Holding. Allein in Deutschland sind mehrere Warenhäuser der Galeria-Karstadt-Kaufhof-Gruppe betroffen. In Berlin mussten erst vor wenigen Wochen die Standorte in Wilmersdorf und Wedding schließen.
Das Insolvenzverfahren solle nun die Möglichkeiten bieten, Verbindungen und Verträge auf den Prüfstand zu stellen. „Die KaDeWe Group ist operativ sehr gut aufgestellt“, sagt Christian Graf Brockdorff von der BBL Brockdorff Rechtsanwaltsgesellschaft mbH, der als vorläufiger Sachwalter bestellt wurde. Alle drei Häuser nehmen herausragende Stellungen ein und sind Ikonen der Innenstädte. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass es gemeinsam mit der Geschäftsführung gelingen wird, die Gruppe erfolgreich fortzuführen“, so Brockdorff.
Eine Hoffnung ist, dass die Central Group, der jetzt schon 50,1 Prozent der Anteile am KaDeWe gehörten, nach der Benko-Pleite weitere Anteile kaufen wird. Die Central Group gehört einer Milliardärs-Familie aus Thailand, die schon viele Kaufhäuser und Hotels in Europa betreibt.
„Ich fände es gut, wenn die Karten neu gemischt werden, Hauptsache, der Benko ist raus“, sagt Stammkunde Philip Castel. Den Besuch des thailändischen KaDeWe-Bistros „Papaya Royal“ kann er auf jedenfalls jetzt schon sehr empfehlen.


