Wasser in Berlin und Brandenburg
: Reserven sinken – welche Pläne die Bundesländer haben

Regen kann das Problem der schwindenden Wasserreserven in der Region nicht lösen. Jetzt sollen länderübergreifende Leitungen das Trinkwasser sichern. Was Berlin und Brandenburg vorhaben.
Von
Maria Neuendorff
Berlin
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Das Klärwerk Münchehofe der Berliner-Wasserbetriebe liegt im brandenburgischen Landkreis Märkisch-Oderland nahe der Landesgrenze. Hier im Klärwerk, werden im Auftrag des Wasserverbandes Strausberg-Erkner (WSE), auch die Abwässer vom Unternehmen Tesla gereinigt.

Das Klärwerk Münchehofe der Berliner Wasserbetriebe liegt im brandenburgischen Landkreis Märkisch-Oderland, nahe der Landesgrenze. Dort werden im Auftrag des Wasserverbandes Strausberg-Erkner (WSE) auch die Abwässer vom Unternehmen Tesla gereinigt.

Patrick Pleul/dpa

2023 ist in Berlin mit mehr als 700 Litern pro Quadratmeter fast doppelt so viel Regen gefallen wie im Jahr zuvor. Zudem haben die Berliner weniger Wasser verbraucht. Der durchschnittliche Tagesbedarf ist von rund 113 Litern auf 109 Liter pro Kopf gesunken.

„Der Regen hat uns eine willkommene Atempause verschafft. Aber Luftholen heißt nicht aufatmen“, sagt Christoph Donner, Vorstandsvorsitzender der Berliner Wasserbetriebe, am Montag (17. Juni) während der Vorstellung der Jahresbilanz. Um wieder auf das Niveau der Vor-Dürre-Jahre zu kommen, bräuchte die Region Berlin-Brandenburg mindestens noch zwei ähnlich regenreiche Jahre wie 2023, so Donner.

Weniger Wasser in der Spree

Doch ob Regen oder nicht, in Spree und Havel, aus denen Berlin derzeit einen großen Teil seines Wasserhaushaltes deckt, werden die Pegel langfristig auch ohne krasse Hitzesommer weiter sinken. Ein Grund dafür ist unter anderem das für 2038 beschlossene Ende der Lausitzer Braunkohleförderung. Experten warnen schon jetzt, dass die Spree deutlich weniger Wasser führen wird, weil aus den Tagebauen dann kein Grundwasser mehr in den Fluss gepumpt wird.

Die Regierungschefs von Sachsen, Brandenburg und Berlin haben dazu am vergangenen Freitag (14. Juni) bei einem Treffen in der Hauptstadt eine Erklärung unterzeichnet. Ziel ist ein gemeinsames und schnelles Handeln. Die drei ostdeutschen Bundesländer fordern zudem vom Bund mehr Unterstützung bei der zukünftigen Wasserversorgung in der Lausitz sowie in der Region Berlin-Brandenburg.

Wasserverbrauch bei Haushalten in Berlin am höchsten

Während zu den größten Wasserverbrauchern in Brandenburg unter anderem die PCK-Raffinerie in Schwedt oder große Spargelbauern zählen, sind es in Berlin eher die privaten Haushalte. Unter den Top 20 Wassernutzern in der Hauptstadt finden sich laut Wasserbetriebe alle großen Wohnungsbauunternehmen. Unter den Top 30 werden unter anderem die Deutsche Bahn, die Bäderbetriebe sowie Vattenfall aufgezählt.

Doch auch, wenn die Berliner Wasser einsparen, nützt es Brandenburg erst einmal wenig. Beide Länder sind auf auskömmliche Pegelstände in Spree und Havel angewiesen und fördern das kühle Nass aus den gleichen Grundwasserschichten. Noch könnte man sich bei Engpässen nicht gegenseitig aushelfen.

Die Berliner Wasserbetriebe stellten am Montag in der Haupstadt ihre Jahresbilanz vor.

Die Berliner Wasserbetriebe stellten am Montag (17. Juni) in der Hauptstadt ihre Jahresbilanz vor.

Maria Neuendorff

Die Berliner Wasserbetriebe schlagen deshalb schon seit Jahren vor, sogenannte Verbundleitungen zwischen Berlin und dem Umland herzustellen, um kurzfristig auftretende Versorgungsspitzen sowohl zwischen Berlin und Umland als auch zwischen einzelnen Umlandverbänden auszugleichen. Derzeit arbeiten Berlin und Brandenburg an einer gemeinsamen Wasserstrategie. Diese soll Ende dieses Jahres auf dem Tisch liegen, kündigte Franziska Giffey (SPD), Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe sowie Aufsichtsratsvorsitzende der Berliner Wasserbetriebe, an.

Trinkwasser aus der Ostsee für Berlin-Brandenburg

Unter anderem wird im Rahmen des „Masterplans Wasser 2050“ auch eine Fernwasserversorgung der Region aus der Elbe diskutiert. Allerdings müssten dabei Auswirkungen der giftigen Goldalgen, die derzeit in der Oder für Fischsterben sorgen, oder die Ansiedlungen neuer großer Wasserverbraucher wie die TSMC-Chipfabrik in Dresden unter die Lupe genommen werden, betont der Chef der Berliner Wasserbetriebe, Christoph Donner. Möglich wäre langfristig auch eine Trinkwassergewinnung für die Metropolenregion Berlin-Brandenburg aus der Ostsee. Dazu müssten aber entsprechende Entsalzungsanlagen gebaut werden.

Um die Trinkwasserversorgung zu sichern und sich auch weitestgehend unabhängig zu machen, investieren die Berliner Wasserbetriebe vor allem in bessere Abwasserreinigung sowie in neue Wasserwerksstandorte wie Jungfernheide und Johannisthal.

So entstünden laut Aufsichtsrat gegenwärtig in fünf der sechs Berliner Klärwerke zusätzliche Reinigungsstufen zur weitergehenden Phosphor- und Stickstoffentfernung sowie zur Spurenstoff- und Keimreduzierung. „Die sechste Anlage – Stahnsdorf – wird bis 2034 als fertigzustellender Komplettneubau geplant, der die neuen Techniken von Beginn an umfasst und doppelt so viel Abwasser reinigt wie das heutige Werk“, heißt es vom landeseigenen Unternehmen, das derzeit auch rund ein Drittel des Brandenburger Abwassers entsorgt beziehungsweise wieder zu Trinkwasser aufbereitet.

Neue Filteranlagen für Brandenburg können helfen

In der 4. Reinigungsstufe geht es zum Beispiel um Medikamentenrückstände, die im Körper nicht vollständig abgebaut werden und durch konventionelle Kläranlagen nur bedingt herausgefiltert werden. Über neue Filteranlagen sollen etwa Spurenelemente von Blutdrucksenkungsmitteln, wie sie viel in Altenheimen verwendet werden, gänzlich eliminiert werden.

Die aktuellen Grenzwerte würden aber jetzt schon eingehalten, stellt Donner klar. Neben den Kläranlagen fließt viel Geld in den Umbau Berlins zur Schwammstadt. Mit der Hilfe von speziellen Rinnen, Bepflanzung und Versickerungsfläche will man dafür sorgen, dass nicht zu viel Regenwasser verloren geht. „Berlin wächst, und dabei wird immer noch zu viel versiegelt. Wir müssen auch darüber diskutieren, ob finanzielle Anreize im Bestand helfen oder sogar verpflichtend sein müssen.“

Insgesamt haben 2023 die Berliner Wasserbetriebe nach eigenen Angaben im Schnitt jeden Tag 1,3 Millionen Euro unter anderem in Klärwerke, Infrastruktur, moderne IT-Technik und Elektrofahrzeuge investiert. Für 2024 und 2025 sind Investitionen von jeweils rund 642 Millionen Euro geplant.

Erst 2027 muss Berlin Trinkwassergebühren anpassen

Die Krux an der aktuellen Bilanz: Aufgrund der aus Ressourcen-Sicht positiven Wetterlage wurde weniger Wasser verkauft, und der gestiegene Aufwand für die Mitbehandlung von Regenwasser wird nicht vergütet. So nahmen die Berliner Wasserbetriebe auch weniger ein und der Jahresüberschuss fiel um 46,4 Millionen auf 219,9 Millionen Euro. Die Trinkwasserpreise werden aber laut Wirtschaftssenatorin Giffey auch in den kommenden Jahren stabil gehalten. „Erst ab 2027 werden wir moderat eine Gebührenanpassung vornehmen müssen.“

Denn die Wasserbetriebe haben noch mehr Baustellen. 37 Prozent des Umsatzplusses sind 2023 in die Sanierung des Rohrleitungssystems investiert worden - so viel wie noch nie. Damit soll vor allem verhindert werden, dass Rohrbrüche wie zum Beispiel unter dem Kaiserdamm für monatelange Straßensperrungen sorgen. Auch in diesem Bereich wird es in den kommenden Jahren noch allerhand zu tun geben. „Unser Wasserrohrsystem beträgt insgesamt rund 20.000 Kilometer“, betonte Giffey. „Das ist so weit wie von Berlin bis Neuseeland.“