Wassermangel in Berlin: Keine Schiffe auf der Spree? Was Dürre für die Schifffahrt bedeutet

Vollbesetzte Ausflugsschiffe fahren auf der Spree. Sollte der Pegel wegen des Wassermangels auch in der Berliner Innenstadt sinken, müsste unter anderem die Anzahl der Passagiere gesenkt werden.
Paul Zinken/dpaAuf Berlins Wasserstraßen herrscht gerade Hochsaison. Eine Dampferfahrt auf Spree und Havel gehört zu den beliebtesten Aktivitäten bei Touristen und Berlinern. Doch Experten in Brandenburg schlagen bereits Alarm, dass mit der geplanten Einstellung des Lausitzer Tagebaus eine Austrocknung der Spree droht. Denn für die Braunkohleförderung wird Grundwasser abgepumpt und in die Spree geleitet. Auch die gegenwärtige Trinkwasserversorgung in Berlin baut zum Teil darauf auf.
Die Pegelstände in Berlin und damit die Schifffahrt werden seit über hundert Jahren vor allem über Schleusen künstlich hochgehalten. „Ohne dieses System wäre die Spree nicht mehr als ein Bach“, erklärt Astrid Hackenesch–Rump, Sprecherin der Berliner Wasserbetriebe. Die generell wenig dynamischen Hauptstadtgewässer seien auch in ihrer Fließgeschwindigkeit nicht mit großen Flüssen wie Oder, Elbe, Rhein und Main zu vergleichen, die viel mehr Strömung haben.
Schifffahrt kontra Trinkwasser
Nichtsdestotrotz wird über die Berliner Flüsse mit Hilfe von Uferfiltrierung und Klärwerken auch Trinkwasser gewonnen. „Die Schifffahrt hat aber Vorrang, wenn beispielsweise in trockenen Sommern die Pegel in der Havel sinken“, erklärt Hackenesch–Rump. „Dann wird uns die Grundwasseranreicherung im Wasserwerk Spandau untersagt“. Dieses versorgt rund 246.000 Spandauerinnen und Spandauer und reichert knapp die Hälfte der jährlich benötigten Menge mit gereinigtem Havelwasser an.
Um ihr Trinkwasser müssten die Spandauer auch bei niedrigen Pegelständen trotzdem nicht bangen, versichert die BWB–Sprecherin. Denn die Grundwasseranreicherung sei ein eher langfristig angelegtes Verfahren. „Das können wir dann in die Wintermonate verlegen, wenn sich die Lage wieder entspannt hat.“
Für die Obere Havel hat sich deshalb eine eigene Arbeitsgruppe aus Vertretern des Landes Berlin und Brandenburg und der Schifffahrt gegründet. Diese trifft sich regelmäßig und legt auch ad hoc Maßnahmen fest, wie eben das Aussetzen der Grundwasserbewirtschaftung.
Für die Berliner Spree gibt es solche eine Arbeitsgruppe bislang nicht, denn für den Hauptstadtfluss kann das Sümpfungswasser aus dem Braunkohletagebau genutzt werden. „Außerdem leiten wir über das Klärwerk Münchehofe gereinigtes Abwasser in die Spree ein, das gerade im Sommer zur Stützung des Wasserstandes beiträgt“, erklärt Hackenesch–Rump.
Sammel–Schleusungen als erste Maßnahme
Anders als bei Hochwasser gibt es bei Niedrigwasser auch keinen Pegelstand, von dem an der Schiffsverkehr eingestellt wird. Momentan ist die Spree an der Messstelle Mühlendammbrücke in Berlin–Mitte etwa 2,70 Meter tief. „Ein Szenario, dass der Schleusenbetrieb wegen Wassermangels komplett eingestellt wurde, ist mir bisher nicht bekannt“, sagt Björn Röske vom Wasserstraßen– und Schifffahrtsamt Spree–Havel.
„Bevor dieser Fall überhaupt eintreten würde, greifen vorab andere Regularien wie zum Beispiel Sammelschleusungen, um generell Wasser zu sparen“, erklärt Röske. Dabei müssten Dampfer und Sportboote so lange warten, bis fünf bis sechs andere Schiffe an der Schleuse andocken, damit diese geöffnet wird. Denn je weniger das geschieht, desto weniger Wasser geht nach außen verloren.

Über Schleusen, wie hier am Mühlendamm in Berlin-Mitte, werden in Berlin die Pegelstände seit über hundert Jahren künstlich hoch gehalten.
Hans Wiedl/dpa„Sollten die getroffenen Maßnahmen nicht ausreichen, werden nach und nach die Abladetiefen reduziert“, erläutert Röske. Damit würde jeder Schiffs– oder Bootsführer wegen der unterschiedlichen Tiefgänge ihrer Schiffe und Sportboote selber entscheiden müssen, ob er die Fahrt auf den Wasserstraßen mit den Abladetiefeneinschränkungen wagt.
„Wir geben zum Beispiel einen Tiefgang von 1,40 Meter vor. Wenn das Schiff dann zu schwer beladen ist und auf dem Grund aufsetzt, kann der Schiffseigener keine Ansprüche geltend machen“, so Röske. Auswirkungen der Beschränkungen durch das Wasser– und Schifffahrtsamt können dann unter anderem dazu führen, dass Güterschiffe nicht mehr voll beladen werden und die Dampfer der elf Berliner Reedereien vielleicht nur noch die Hälfte der Fahrgäste mit an Bord nehmen könnten.


