Wegen des Niedrigwassers in der Oder ist die Schifffahrt zwar offiziell nicht verboten – aber riskant. Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) kann nach Angaben vom Dienstag nicht mehr bei Peilungsfahrten die Tiefe der Fahrrinnen messen – also keine solchen Daten mehr veröffentlichen.
Und: „Wenn Schiffe sich festfahren, können wir sie nicht mehr bergen, weil wir selber gar nicht mehr zu den Betroffenen kommen“, sagte WSA-Hydrologin Cornelia Lauschke. „Wir können aber nicht mehr von Schifffahrt reden. Was man jetzt im Fluss sieht, sind große Sandbänke.“

Schifffahrt ist nicht untersagt

Schiffe dürften zwar weiter auf der Oder fahren, aber auf eigene Gefahr. Amtlicherseits wurde die Schifffahrt nicht untersagt. Schiffsführer handeln aber in Eigenverantwortung, sollten sie trotz des niedrigen Wasserstandes die Oder befahren. Das Ausflugsschiff „Zefir“ hat bereits vor einiger Zeit seine Fahrten zwischen Deutschland und Polen eingestellt.
Am Pegel Eisenhüttenstadt beispielsweise liegt der Hydrologin zufolge der Wert derzeit bei 1,61 Meter – und damit 60 Zentimeter unter dem Mittel im August. Der niedrigste Wert, der je dort erreicht wurde, betrug demnach 1,35 Meter. Der Durchfluss der Oder liege bei der Hälfte (53 Prozent) des langjährigen Vergleichswertes, erklärte die Expertin. Die derzeitige Situation sei vergleichbar mit den Jahren 2015, 2018 und 2019. Solch ein Niedrigwasser in der Oder habe es aber auch schon vor über 100 Jahren gegeben.

Eine kleine Welle am Oberlauf in Polen

In den vergangenen Tagen habe eine kleine, etwa 30 Zentimeter hohe Welle vom Oberlauf des Flusses in Polen die Gegend um Frankfurt (Oder) erreicht, berichtete die WSA-Expertin. Dort muss es geregnet haben. Das habe aber wenig Auswirkungen gehabt, der Wasserstand falle bereits wieder.
Auch in Polen prägen Schlagzeilen über austrocknende Flüsse und drohende Versteppung die Nachrichten. Für die größten Flüsse von Brandenburgs Nachbarregion Lubuskie (Lebuser Land) meldet das polnische Institut für Meteorologie und Wasserwirtschaft (IMGW) niedrige Wasserstände – und das seit Wochen.
In Brandenburg sind neben der Oder insbesondere die Spree und die Schwarze Elster von extremem Niedrigwasser betroffen. Die Speicherreserven seien zu 70 Prozent aufgebraucht, teilte das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz bereits in der vergangenen Woche mit.