Besitzt der ostdeutsche Wirtschaftsstandort Potenzial? Ja, sagen rund 60 Prozent der Entscheider in den ostdeutschen Bundesländern. Andererseits steht mehr als die Hälfte (56,4 Prozent) einem Gelingen des Strukturwandels im Osten in den kommenden zehn Jahren skeptisch gegenüber. Fast 70 Prozent der Entscheider geben an, dass das Halten und Werben neuer Fachkräfte zur wichtigsten Herausforderung gehört. Als besonders mangelhaft wird die Unterstützung durch die Politik angesichts der Bürokratie sowie die Vernetzung der ostdeutschen Akteure eingestuft.
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Bundeskanzler Scholz spricht zur Eröffnung am Sonntag

Diese Ambivalenz offenbart das aktuelle OWF-Transformationsbarometer, eine Umfrage unter privatwirtschaftlichen Entscheidern in den neuen Bundesländern, die die Plattform „Deutschland – Land der Ideen“ gemeinsam mit der Civey GmbH und der Deutschen Kreditbank durchgeführt hat. Sie wurde im Vorfeld des 7. Ostdeutschen Wirtschaftsforums (OWF) durchgeführt, das unter dem Thema „Wir gestalten Transformation“ vom 12. bis 14. Juni in Bad Saarow (Oder-Spree) stattfindet.
Mit Reden von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) – vor Jahresfrist als Bundesfinanzminister bereits dabei – und Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz Robert Habeck (Grüne) erfährt das Treffen mit mehr als 300 Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Länderpolitik einmal mehr seine Wertschätzung.

Der Osten ist gut gewappnet, sagt OWF-Veranstalterin Ute Weiland

„Der Osten Deutschlands hat sich in den vergangenen 30 Jahren stark verändert und viele gute Ideen hervorgebracht, die Aufmerksamkeit verdienen. Er kann also Transformation. Und ich glaube, er ist für künftige Transformationsprozesse besser gewappnet. Aber erfolgreiche Veränderung benötigt aktives Handeln“, begründet Ute Weiland, Geschäftsführerin Deutschland – Land der Ideen und Veranstalterin des OWF, das neu gewählte Thema.

Energieversorgung und Digitalisierung der Verwaltung sind Themen

Das dreitägige Treffen am Ufer des Scharmützelsees beleuchtet in unterschiedlichen Formaten inklusive Praxiserfahrungen drei Schwerpunktthemen, führt Ute Weiland aus: „Die Pandemie hat die Digitalisierung enorm beschleunigt und neue Arbeitsformen hervorgebracht. Gleichzeitig ist deutlich geworden, wo Defizite liegen, zum Beispiel in der Verwaltung und Bildung. Durch den Ukraine-Krieg wurde uns allen bewusst, wie abhängig wir im Energiesektor von Russland sind. Das war ein Weckruf. Wir werden auf dem OWF22 diskutieren, wie Energieversorgung gewährleistet werden kann, wie wir zu mehr Energiesouveränität kommen, ohne die Klimaziele zu gefährden.“
Thematisiert werden weiterhin länderübergreifende Kooperationen als Stärke Ostdeutschlands, die Beschleunigung der Transformation Ost durch internationale Ansiedlungen bis hin zu der Frage, wo ostdeutsche Eliten geblieben sind. Dabei werden Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sowie Führungskräfte der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH und des Energieunternehmens Leag auf die Transformation der Hauptstadtregion und Lausitz eingehen.

Ostdeutsches Wirtschaftsforum will international werden

Das Ostdeutsche Wirtschaftsforum will sich in diesem Jahr noch viel stärker als Bühne für innovative Unternehmerinnen und Unternehmen sowie gute Ideen aus Ostdeutschland präsentieren sowie als Plattform für deren Vernetzung. „Zum anderen soll es ein echtes Forum sein, auf dem alle relevanten Akteure über die wichtigsten Zukunftsfragen diskutieren und konkrete Lösungswege für die ostdeutsche Wirtschaft, aber auch für ganz Deutschland ableiten“, nennt Ute Weiland eine weitere Erwartung an das Treffen. Bei der Transformation „kann und soll der Osten als Vorbild für andere Regionen in Deutschland stehen.“ Ihr persönliches Ziel sei es, aus dem Ostdeutschen Wirtschaftsforum in den nächsten Jahren ein internationales Wirtschaftsforum zu machen, das jährlich in Ostdeutschland stattfindet, „um das Lagedenken Ost-West zu überwinden und sich auf die wirklich wichtigen Fragen zu konzentrieren.“

Vorbilder in der Transformation mit Wirtschaftspreis „Vorsprung“ geehrt

Das Ostdeutsche Wirtschaftsforum hat in diesem Jahr wieder seinen Wirtschaftspreis „Vorsprung“ vergeben und ehrt damit sechs Unternehmen, die sich mit Innovationen in vielen Bereichen und gesellschaftlichem Engagement bereits als Vorbilder für die Transformation der Wirtschaft im gesamten Bundesgebiet auszeichnen. Sie werden in Bad Saarow persönlich vorgestellt. Die Geehrten sind:
● Baumgarten Bootsbau aus Warin (Mecklenburg-Vorpommern): Der kleine Betrieb ist im Bereich GigRuderboote Marktführer in Deutschland.
● LAT Gruppe Berlin: Das Unternehmen bietet Dienstleistungen und Produkte rund um das Gleis sowie für den ÖPNV an.
● Mecotec GmbH aus Bitterfeld-Wolfen (Sachsen-Anhalt): Sie ist Weltmarktführer bei elektrischen Kältekammern für die Bereiche Medizin, Sport und Wellness und entwickelte Tiefkältelösungen für die Logistikkette von mRNA Covid19-Impfstoffen
● Orafol Europe GmbH aus Oranienburg (Brandenburg): Es ist eines der weltweit führenden Unternehmen im Bereich der Kunststoffveredlung und das größte industrielle Familienunternehmen in Ostdeutschland.
● Packwise GmbH aus Dresden (Sachsen): Das B2B-Startup ermöglicht Unternehmen, ihre Supply Chains zu digitalisieren und ist führender Anbieter im Bereich Industrial IoT und Tracking von Flüssigkeitscontainern in der Prozessindustrie.
● Petkus Technologie GmbH aus Wutha-Farnroda (Thüringen): Der Maschinen- und Anlagenbauer für Saatgüter ist weltweit tätig.