Wirtschaft und Klimaschutz: Energiekonzern EWE investiert in Brandenburg

Neu angeschlossen: Eine rund 3,5 Kilometer lange Gasleitung hat EWE im Sommer 2019 verlegt, um das Amazon-Logistikzentrum in Schönefeld ans Gasnetz anzuschließen. Das Energieunternehmen profitiert bei Gasanschlüssen vom Zuzug im Speckgürtel. 700 Millionen Euro will das Unternehmen im Jahr in Deutschland ausgeben und damit Klimaschutz befördern.
EWEFür Brandenburg heißt das vor allem: weitere Investitionen in Blockheizkraftwerke (BHKW). So sollen im kommenden Jahr zwei Biogas-Kraftwerke für die Stadtwerke Strausberg entstehen. Sieben Mini-Kraftwerke sind unter anderem in Bad-Saarow, Bernau und Petershagen-Eggersdorf geplant. 2019 hatte das Unternehmen sechs Millionen Euro in die Erneuerung von Blockheizkraftwerken gesteckt. Die Kraftwerke koppeln die Erzeugung von Strom und Wärme und gelten als umweltschonend und effizient. Auch die Einspeisung von Biogas wird verstärkt. In Pillgram (Kreis Oder-Spree) geht in diesem Jahr eine weitere Anlage zur Einspeisung von Biogas in Betrieb. Sieben solcher Anlagen betreibt das Unternehmen derzeit in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Biogas hat einen Anteil von fünf Prozent im regionalen Erdgasnetz von EWE.
Das Unternehmen blickt nach eigenen Angaben auf ein gutes Geschäftsjahr zurück und setzt strategisch zunehmend auf erneuerbare Energien – Biogas, Windkraft und auch Wasserstoff. Im klassischen Erdgasgeschäft profitiert EWE vom Wachstum im Speckgürtel um Berlin. Dort gewinnt das Unternehmen Kunden hinzu. 3000 Anschlüsse wurden 2019 neu verlegt, rund 1000 sind in diesem Jahr bereits dazugekommen. Die Zahl der Erdgaskunden in der Region Brandenburg/Rügen insgesamt ist in den vergangenen Jahren zurückgegangen. Sie habe sich aber stabilisiert, sagte Ulrich Müller, EWE-Generalbevollmächtigter. 2018 bezogen 116 500 Kunden Erdgas von EWE; 2019 waren es 111 000. Bei Strom hingegen gewinnt das Unternehmen weiterAbnehmer dazu. Von den 47 000 Stromkunden (Stand 2019) beziehen 60 Prozent Ökostrom.
Trennen will sich EWE von seinen 85 Erdgastankstellen. Davon befinden sich 13 in Brandenburg. Derzeit wird ein Käufer gesucht. EWE will sich statt dessen auf Ladesäulen für E-Autos und Wasserstoff konzentrieren. Wasserstoff sieht Dohler als Thema der Zukunft. „Dafür werden wir uns sehr engagieren“, kündigte er an. EWE ist an einem Modellprojekt zum Einsatz von Wasserstoff im Verkehr im Nordwesten beteiligt und betreibt vor allem dort, aber auch in Brandenburg Windkraftanlagen. Erst im Frühjahr hatte EWE die Gründung eines gemeinsamen Unternehmens mit dem Auricher Windenergieanlagen-Hersteller Enercon angekündigt.
Auch für seine Erdgasspeicher sieht EWE im Wasserstoff neue Perspektiven. Gasspeicher werden nicht mehr in dem Maß wie früher benötigt. Der Gasspeicher in Rüdersdorf (Märkisch-Oderland) ist aus wirtschaftlichen Gründen teilweise bereits stillgelegt. In eine der beiden großen Kavernen wird kein Gas mehr eingelagert, die zweite ist weiter in Betrieb. In Rüdersdorf soll aber geprüft werde, ob sich der Standort für neue unterirdische Wasserstoffspeicher eignet.
EWE hofft, einigermaßen gut durch die Corona-Krise zu kommen, sagte Dohler „wenn es keine zweite Welle gibt.“. Im Unternehmen hätten sich weniger als eine Handvoll Menschen infiziert, es habe keine Einschränkungen im Betrieb gegeben. Wirtschaftlich spürt aber auch der Oldenburger Konzern die Krise. Der Handel leide, hieß es, weil Großkunden ihre Produktion einschränkten und weniger Energie abgenommen haben. Beim Glasfaser-Ausbau kam es zu Verzögerungen, weil Bauarbeiter aus dem Ausland nicht einreisen konnten. Dohler befürchtet Zahlungsausfälle, falls es im Herbst zu einer Welle von Insolvenzen kommt. Bisher halte sich die Zahl der Energie-Kunden, die ihre Zahlungen aufgrund der Krise ausgesetzt haben, in Grenzen. Insgesamt 500 Anträge seien gestellt worden bei rund einer Million Kunden, sagte der EWE-Chef. Das sei gegenwärtig noch „sehr moderat.“
Eigentümer sind vor allem Kommunen
Seit 1943 gibt es die EWE AG. Sie ist vor allem als Erdgasversorger in Brandenburg bekannt geworden. Heute ist EWE in den Geschäftsfeldern Energie, Telekommunikation und Informa-tionstechnologie aktiv. Mehr als 8800 Mitarbeiter erwirtschafteten 2019 rund 5,7 Milliarden Euro Umsatz. Das Unternehmen mit Hauptsitz im niedersächsischen Oldenburg befindet sich überwiegend in kommunaler Hand. Es beliefert im Nordwesten Deutschlands, in Brandenburg und auf Rügen sowie in Teilen Polens rund 1,4 Millionen Kunden mit Strom, etwa 0,7 Millionen mit Erdgas sowie ebenso viele Kunden mit Telekommunikationsdienstleistungen. ⇥red