Wohnen in Berlin: 1700 Wohnungen – Einblick in ein neues Viertel von Marzahn

Durch große Tordurchgänge können Anwohner und Spaziergänger künftig quer durch mehrere begrünte Nachbarhöfe des neuen Wohnviertels schauen. Direkt am S-Bahnhof Berlin-Marzahn sollen 1700 Wohnungen gebaut werden.
Hilmer Sattler Architekten 2025- Neubaugebiet Georg-Knorr-Park: 1700 Wohnungen bis 2027, Baustart 2025.
- Historische Industriegebäude bleiben erhalten, Wohnquartier wird autofrei.
- Erschwingliche Mietpreise: 7,50 bis 11,50 Euro pro Quadratmeter.
- Drei Hochhäuser geplant, ein Gewerbehof mit Gastronomie und Kita.
- Entwicklung seit 2016, Siegerentwurf von David Chipperfield Architects.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Rund 1700 neue Wohnungen auf 235.300 Quadratmetern Bruttogeschossfläche direkt an der S-Bahn-Linie 7 und dem Einkaufszentrum Eastgate gelegen - die Dimensionen des Bauprojekts Georg-Knorr-Park im Berliner Osten sind auch für die Hauptstadt gigantisch. „Es gehört derzeit zu den schönsten und größten Stadtentwicklungsprojekten in Berlin“, betonte auch Senatsbaudirektorin Petra Kahlfeld auf der jüngsten Sitzung des Baukollegiums.
Dieses schaut sich die Bauvorhaben, die von stadtweiter Bedeutung sind, gerne auch optisch ganz genau an. Bei dem neuen Stadtviertel auf dem ehemaligen Betriebsgelände der Knorr-Bremse direkt am S-Bahnhof Marzahn geht es vor allem darum, wie die neuen Wohnhäuser um die vorhandenen denkmalgeschützten Industriebauwerke herumgebaut werden.
Berlin – Neue Wohnungen auf altem Industriegelände
Zum vorhandenen Bestand gehörten nämlich eindrucksvolle Klinkergebäude mit großen Tordurchfahren sowie eine Tankstelle von 1940, die unter Experten als Architektur-Ikone gilt. Der 1905 in Berlin gegründete Knorr-Bremse-Konzern hat heute seinen Hauptsitz in München und ist Weltmarktführer für Bremssysteme.
Auf dem Gelände in Berlin-Marzahn produzieren aktuell rund 160 Beschäftigte Schwingungsdämpfer für Lkw. Knorr-Bremse will die Produktion seiner Hasse & Wrede-Tochter allerdings nach Tschechien verlagern.
Alte Schienen und Bodenbeschläge sollen im neuen Stadtviertel teilweise erhalten bleiben und an die jahrhundertealte Industriegeschichte des elf Hektar großen Areals erinnern.
Auf diesem werden in den kommenden fünf Jahren sechs neue Wohnhöfe mit siebengeschossigen Häuserzeilen entstehen. Die hellen Putzfassaden wirken auf den Visualisierungen der Planer einladend und erinnern eher an Berliner Gründerzeitbauten als an die typische Marzahner Hochhausarchitektur.
Ähnliches Farbkonzept wie bei Hackeschen Höfen
Klinkerelemente in Höhe der Erdgeschoss-Fassaden sollen sich an die noch vorhandenen Industriebauten anlehnen. Das gilt auch für die Lochfassaden an den neuen Wohnhäusern mit unterschiedlich großen Brüstungsfenstern sowie Balkonen mit Metallstruktur.
„Der Industriestandort soll nicht negiert, sondern im Gegenteil herausgehoben werden“, erklärte Thomas Albrecht vom Berliner Architekten-Büro Hilmer & Sattler am Montag bei der Präsentation vor dem Baukollegium. Mit leicht abgewandelten Farbkonzepten wolle man, ähnlich wie bei den Hackeschen Höfen in Mitte, jedem Hof eine eigene Identität geben.
Durch die großen Tordurchgänge können Anwohner und Spaziergänger künftig quer durch mehrere begrünte Nachbarhöfe schauen. Zudem sollen drei Hochhäuser - zwei Wohntürme und ein Büroturm - jeweils an den Schnittpunkten des dreieckigen Areals gebaut werden.
Ein Hof, der eher Gewerbe vorbehalten sein wird, soll das Herz des Quartiers werden. Dort sind neben Büros Flächen für Gastronomie und Einzelhandel sowie eine Kita vorgesehen. 1400 der 1600 Wohnungen werden zu Quadratmeterpreisen von 7,50 bis 11,50 Euro vermietet werden, kündigte Albrecht an. Die Howoge will nach eigenen Angaben mindestens 50 Prozent der Wohnungen als geförderten Wohnraum vermieten.
Wohnung in Berlin – Baustart noch 2025
Baustart soll noch 2025 sein. Wenn alles gut geht, werden die ersten Wohnungen Ende 2027 vermietet. „Mit diesem Quartier leisten wir einen bedeutenden Beitrag zur Erweiterung des Angebots an sozialem Wohnraum in Berlin“, sagte Ulrich Schiller, Geschäftsführer der Howoge, schon Ende 2024, als die Kaufverträge unterzeichnet wurden. Zu der Verkaufssumme haben alle Beteiligten Stillschweigen vereinbart.
Der Entwickler, das Berliner Bauunternehmen Kondor Wessels, hat allerdings die Verpflichtung unterzeichnet, die Preise auch in Zeiten stetig steigender Baukosten bis 2033 stabil zu halten.

Das Areal am S-Bahnhof Berlin-Marzahn, das nun mit Wohnungen bebaut wird, war fast ein Jahrhundert lang Industriegebiet.
FOTOBIADie Entwicklung des Areals begann bereits 2016. Der Siegerentwurf stammt von den renommierten David Chipperfield Architects und Wirtz International Landschaftsarchitekten. Seit 2020 wurde er in einem Werkstattverfahren des Senats, des Landesdenkmalamts, der Howoge sowie weiteren Fachverwaltungen diskutiert, konkretisiert und zu einem Bebauungsplan weiterentwickelt.
Dabei wurde ein Teil des Entwurfs noch einmal überarbeitet. So werden die drei Hochhäuser nicht, wie ursprünglich geplant, unterschiedlich hoch sein. Dass bei 60 Metern die Grenze gezogen wurde, erklärt Marcus Becker, Chef von Kondor Wessels, so: „Weil ab 60 Metern nicht nur die Höhe, sondern auch die Kosten durch die Decke gehen“. Höhere Bauten bergen zudem die Gefahr, dass soziale Brennpunkte entstehen könnten, erläutert der Bauingenieur.
Wohnquartier in Berlin-Marzahn wird autofrei
Auch die Chipperfield-Idee, eine öffentliche Joggingstrecke auf den Dachebenen der siebenstöckigen Wohnhöfe einzurichten, wurden mittlerweile verworfen. Sie fiel Sicherheitsaspekten zum Opfer, denn dafür müssten ja die Treppenhäuser jedermann zugänglich sein. Außerdem bräuchte man den Platz auf den Dächern für Photovoltaikanlagen.
Auf eine Unterkellerung will man verzichten. In einem Bürogebäude soll eine Quartiersgarage für private Autos entstehen. Ansonsten sei durch die gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr mit S-Bahn, Tram und Bus ein autofreies Quartier geplant.

Die Tankstelle auf dem Betriebsgelände der Knorr-Bremse in Berlin-Marzahn stammt von 1940.
Stanimir Vlahovsky/FOTOBIAIn einem historischen Garagenbogen soll dagegen künftig unter anderem ein Jugendclub eingerichtet werden. Das Gelände, auf dem einst auch Rüstungsgüter hergestellt wurden und in der DDR-Zeit die VEB Berliner Werkzeugmaschinenfabrik zu Hause war, wurde 1991 von der Knorr-Bremse AG zurückerworben. Nun gehört das Areal dem Land Berlin.
„Als wir das erste Mal auf das Gelände geschaut haben, fanden wir es etwas ungewöhnlich für die neue Nutzung“, gesteht Harald Müller von David Chipperfield Architects. „Aber vielleicht ist es genau das, was Berlin jetzt braucht: auch über Grundstücke nachzudenken, die einen nicht gleich optisch anspringen.“


