Heizen in Berlin
: Wie ein Rechenzentrum 10.000 Menschen mit Wärme versorgt

Mit der Abwärme eines Rechenzentrums in Berlin-Spandau wird künftig ein ganzes Stadtquartier umweltfreundlich versorgt. Was heißt das für die Heizkosten der Wohnungen?
Von
Maria Neuendorff
Berlin
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Hochhaus Neues Gartenfeld, Bauprojekt in Berlin-Spandau, Insel Gartenfeld, Visualisierung

Neue Wohnungen, neues Heizkonzept – auch dieses in Berlin-Spandau geplante Gebäude soll mit Abwärme beheizt werden. (Visualisierung)

ioo Architekten
  • In Berlin-Spandau wird Abwärme eines Rechenzentrums genutzt, um 10.000 Menschen CO₂-frei zu beheizen.
  • 4.500 Wohnungen, Kitas und Schulen werden durch gut isolierte Rohre mit Wärme versorgt.
  • Das Projekt soll stabile Heizkosten und Einsparungen bei der CO₂-Steuer ermöglichen.
  • Fertigstellung des neuen Quartiers "Das Neue Gartenfeld" ist für 2031 geplant.
  • Erste Wohnungen sollen im November 2025 bezogen werden.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Wer das große Rechenzentrum in Berlin-Spandau betreten will, muss sich im modernen Pförtnerhaus von einem Computerbildschirm fotografieren lassen und seinen Ausweis einscannen. Die Sicherheitsvorschriften sind hoch, denn in den 2007 erbauten Hallen werden nicht nur die kritischen Daten von 50 Unternehmen, sondern auch von Teilen der Bundesregierung gespeichert.

Damit die Server und Router gekühlt werden können, rauschen nebenan im Kältezentrum kühle Luft und Wasser durch ein Labyrinth von schwarzen und silbernen Rohren. Mit dem warmen Wasser, das beim stetigen Herunterkühlen des Rechenzentrums entsteht, soll das künftige Stadtquartier „Das Neue Gartenfeld“, das gerade zwei Kilometer weiter entsteht, vollständig CO₂-frei mit Wärme versorgt werden.

Blick in die Kältezentrale des Data Rechenzentrums in Berlin-Spandau. Die Abwärme von Rechenzentren soll in Berlin zunehmend für das Heizen vom Wohnungen genutzt werden.

Blick in die Kältezentrale des Data Rechenzentrums in Berlin-Spandau. Die Abwärme von Rechenzentren soll in Berlin zunehmend für das Heizen vom Wohnungen genutzt werden.

Maria Neuendorff

Heizen in Berlin – kein Wärmeverlust trotz langer Leitungen

„Wir werden 4.500 Wohnungen, 200 Gewerbeeinheiten sowie Kitas und Schulen für mehr als 10.000 Menschen zukunftssicher und nachhaltig mit Wärme versorgen“, freut sich GASAG-Solution-Plus-Chef Leif Christian Cropp während eines Vor-Ort-Termins.

Das 22 bis 25 Grad warme Wasser wird dabei durch gut isolierte unterirdische Rohre in das neue Wohnquartier geleitet. „Durch die Niedrigtemperatur gibt es beim Transport unter der Erde so gut wie keinen Wärmeverlust“, erklärt Cropp. Durch Wärmepumpen im Energiezentrum in der neuen Siedlung wird das Wasser für Heizung und Duschen dann auf die verlässliche Vorlauftemperatur von 65 Grad Celsius erhitzt.

Die acht Megawatt (MW) Wärmeenergie aus dem benachbarten NTT DATA Rechenzentrum reichten dabei locker aus, das gesamte neue Quartier, das 2031 fertig sein soll, im Winter mit Heizungswärme zu versorgen. Im Sommer, wenn die Menschen höchstens noch warm duschen wollen, bleibe sogar Wärme übrig.

Mit dem Projekt wolle man unter anderem beweisen, dass es sich auch über eine Entfernung von mehr als einem halben Kilometer hinaus lohne, Abwärme aus einem Rechenzentrum zu nutzen, erklärt Günter Eggers von der NTT Data, die das Rechenzentrum betreibt.

Wärmeauskopplung im Rechenzentrum in Berlin-Spandau, mit deren Hilfe

Wärmeauskopplung im Rechenzentrum in Berlin-Spandau, mit deren Hilfe eine ganze Wohnsiedlung beheizt werden soll.

Thomas Ecke/Gasag

„Das Projekt hat eine absolute Vorbildfunktion für die Wärmewende, auch weit über Berlin hinaus“, findet der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU). Dieser kam am Mittwoch (2.4.) zu einer erneuten Stippvisite in das Rechenzentrum an der Nonnendammallee. Wegner war schon einmal vor rund acht Jahren zu Besuch. „Damals war noch gar nicht abzusehen, was wir von unseren Rechenzentren haben“, sagte Wegner.

Heizen – auch Brandenburg will Rechenzentren umbauen

Mit der Nutzung ihrer Abwärme könne man die selbstgesteckten Klimaziele erreichen und sich unabhängig von ausländischen Energielieferanten machen. „Ich habe neulich auch mit dem Ministerpräsidenten in Brandenburg gesprochen. Auch dort gibt es Investitionen in den Umbau von Rechenzentren“, berichtete Wegner. Helfen könnte bei solchen Klimaschutz-Projekten vor allem auch das Sondervermögen des Bundes.

In Berlin gibt es derzeit über 30 größere Rechenzentren. So soll künftig beispielsweise auch das Rechenzentrum der Deutschen Telekom in Berlin-Schöneberg einen 70er-Jahre-Wohnblock mit rund 500 Wohnungen mit Wärme versorgen. Experten rechnen damit, dass durch die KI die Zahl der Rechenzentren in Deutschland noch einmal extrem zunehmen wird.

Laut Gesetz müssen alle Neubauten so geplant werden, dass sie ihre Abwärme nicht mehr sinnlos in die Atmosphäre abgeben. Beim Umbau im Bestand aber sei das Spandauer Projekt bisher in seiner Größe einzigartig, versicherte Eggers von NTT Data. Um es umzusetzen, wolle man einen zweistelligen Millionenbetrag in den Umbau investieren. Zu Details wollten sich die Beteiligten am Mittwoch nicht äußern. „Man kann aber sagen, dass es sich für alle wirtschaftlich lohnt“, erklärt Niklas Wiegand, Chef von ENGIE Deutschland.

Und lohnt es sich auch für die künftigen Mieter? „Das Wärmekonzept sorgt jedenfalls für stabile Preise, die keinen großen Schwankungen durch den Weltmarkt unterliegen werden“, verspricht Wiegand. Auch die Co2-Steuer, bei der man in den kommenden Jahren weitere Erhöhungen erwartet, spiele künftig in der 31 Hektar großen Spandauer Neubausiedlung keine Rolle.

Obwohl man dabei jährlich 6000 Tonnen CO2 einspare, werden Heizkosten für die Mieter ungefähr so hoch werden wie bei der klassischen Fernwärme in Berlin, heißt es auch von der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Gewobag, die 40 Prozent der Wohnungen in der Siedlung im „Das Neue Gartenfeld“ baut. Die ersten Wohnungen sollen schon Ende November 2025 bezogen werden. Die Miete gehe bei 6,50 Euro pro Quadratmeter los. 90 Prozent der neuen städtischen Wohnungen auf der Spandauer Insel Gartenfeld werden gefördert.