Wohnen in Berlin
: Wieso ein Nazi-Bunker neuen Wohnungen und Büros weichen soll

Wegen des Baus neuer Wohnungen in Berlin soll der Hitler-Bunker unter der ehemaligen Neuen Reichskanzlei abgerissen werden. Dabei ginge es auch anders.
Von
Maria Neuendorff
Berlin
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Arnold ....war 2007 das letztre mal im Bunker unter neue Reichskanzlei

Dietmar Arnold, studierter Stadtplaner und Mitgründer des Vereins Berliner Unterwelten, war 2007 das letzte Mal im Bunker under der ehemaligen Neuen Reichskanzlei in Berlin-Mitte.

Verein Berliner Unterwelten/Reiner Janick
  • Berlin plant Abriss eines NS-Bunkers für Wohnungen und Büros in Berlin-Mitte.
  • Der Verein Berliner Unterwelten fordert Erhalt als Doku-Ort – Überbauung sei möglich.
  • Workshopverfahren 2025 ergab Entwurf mit sieben Geschossen, 66 Wohnungen und Büros.
  • Land ist zur Baufeldfreimachung verpflichtet, Eigentümer muss den Bunker dokumentieren.
  • Kritik an Abriss: Landesdenkmalrat und Verein warnen vor Verlust eines authentischen Ortes.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Neue Reichskanzlei in Berlin-Mitte wurde nach dem Krieg abgerissen. Übrig geblieben vom monströsen Nazi-Prestige-Bau ist nur ein Bunker. Die rund 1300 Quadratmeter große unterirdische Luftschutzanlage auf einer Brache zwischen Holocaust-Mahnmal und Leipziger Platz war lange in Vergessenheit geraten und existiert nur noch, weil sie zu DDR-Zeiten unter dem Todesstreifen lag.

Nun soll der Nazi-Bunker für den Bau von Wohnungen und Büros abgerissen werden. Das hat den Verein Berliner Unterwelten auf den Plan gerufen. Die Mitglieder schlagen vor, aus dem historischen Überbleibsel der Machtzentrale des Dritten Reiches eine Informations- und Dokumentationsstätte über den Niedergang des NS-Regimes einzurichten.

„Der Bunker mit seinen 1,70 Meter starken Wänden und Decken kann problemlos überbaut werden“, erklärte Vereinsvorsitzender  Dietmar Arnold am Dienstag (11. August 2026).

„Kapitulations“-Foto vor Nazi-Bunker

Es handelt sich dabei aber nicht um den Führerbunker unter dem Garten der Reichskanzlei, in dem sich Hitler 1945 das Leben nahm, und der heute nicht mehr begehbar ist. Sondern um den „Großen Bunker der Neuen Reichskanzlei“. Er wurde 1937/1938 nach der Zwangsenteignung jüdischer Grundstückseigentümer an der Voßstraße errichtet und diente von 1940 bis 1944 als „Mutter-Kind-Bunker“.

Am 2. Mai 1945 entstand vor einer seiner hydraulisch hochfahrbaren Eingangs-Platten das berühmte – allerdings von den Russen nachgestellte – „Kapitulations“-Foto, auf dem General Helmuth Weidling aus dem Untergrund geführt wird. Nachdem der letzte Stadtkommandant den Berliner Verbänden den Befehl zur Einstellung der Kampfhandlungen gegeben hatte, ergab er sich den sowjetischen Truppen.

Arnold und seine Mitstreiter vom Verein Unterwelten haben den Bunker 2007 vermessen. Ein Bild zeigt, wie der Vereinsgründer zwischen kahlen Wänden bis zu den Knien im Wasser steht. „Die Grundwassereinsickerung ist kein Problem, wir haben schon ganz andere Anlagen in Berlin wieder zugänglich gemacht“, erklärt Arnold.

Der Bunker sei zur Hälfte erhalten und in gutem Zustand. Der Verein würde die Kosten für den Erhalt und das Dokumentationszentrum zur Not auch selbst tragen, betont er. Vom Eigentümer bräuchte man lediglich zwei Notausgänge und ein Stück vom östlich gelegenen Parkplatz für einen Besuchereingang.

„Orte dieser Art sind unwiederbringlich.“
Dietmar Arnold
Chef des Vereins Berliner Unterwelten

„Voraussetzung wäre lediglich eine Anpassung des völlig veralteten Bebauungsplans“, betont Arnold. Der wurde 2006 vom Abgeordnetenhaus beschlossen und sieht Wohnungsbau vor. Das Grundstück befindet sich seit 2007 in privatem Eigentum. Die Eigentümer haben seitdem mehrfach gewechselt. Der jetzige Investor soll aus Hamburg kommen. Der Verein versuche seit Monaten vergeblich, mit ihm sowie der Senatsverwaltung ins Gespräch zu kommen.

„Man hätte schon vor einem Jahr gemeinsam nach einem vernünftigen, tragfähigen Kompromiss suchen können“, sagt Arnold. Stattdessen sei der Verein mit seinen Nachfragen überall abgeblitzt.

„Der Vorhabenträger beabsichtigt nicht, sich zu den Plänen des Vereins Berliner Unterwelten zu äußern“, hieß es am Dienstag auf Anfrage unseres Medienhauses von einem zwischengeschalteten Marketing-Büro.

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen bestätigt nur, dass 2025 ein städtebaulich-hochbauliches Workshopverfahren stattgefunden habe. Der Gewinnerentwurf des Architekturbüros blrm aus Hamburg sieht ein Wohngebäude mit sieben Geschossen, 66 Wohnungen sowie ein Bürogebäude vor.

Streit um Bunker aus der NS-Zeit: 29.06.2026, Berlin: Blick auf ein abgezäuntes Gelände in Berlin Mitte, unter dem sich eine Bunkeranlage befindet. (zu dpa: «Bunker von Hitlers Reichskanzlei soll Wohnungen weichen») Foto: Sven Kaeuler/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Unter der Noch-Brache in Berlin Mitte, auf der einst Hitlers-Reichskanzlei stand, befindet sich noch eine Bunkeranlage.

Sven Kaeuler/dpa

Das Land Berlin sei vertraglich zur Baufeldfreimachung verpflichtet, erklärt eine Sprecherin. Der Eigentümer des Grundstücks habe lediglich die Auflage, vor Abriss des Bunkers diesen entsprechend zu dokumentieren. Bau-Senator Christian Gaebler (SPD) selbst hatte Ende Juni in der „Bild“-Zeitung die Vermutung geäußert, der Bunker könnte bei Erhalt zu einem „Wallfahrtsort“ werden.

„Das ist in Berlin noch nie passiert“, ärgert sich Arnold über die Aussage. „Wer authentische Erinnerungsorte beseitigt, weil sie missbraucht werden könnten, überlässt Extremisten die Deutungshoheit über die Geschichte.“

Denkmalschützer finden Bunker erhaltenswert

Sein Verein zeige seit Jahren, dass man gerade an authentischen Orten Geschichte sichtbar machen könne, ohne sie zu verklären. Unter anderem bieten die Mitglieder Führungen in fünf Sprachen im Flakbunker in Berlin-Wedding an.

Was den NS-Bunker in Mitte angeht, so sieht auch der Landesdenkmalrat den Abriss eher kritisch. Die Neue Reichskanzlei stehe symbolisch für das Ende des Zweiten Weltkriegs und für den Untergang des NS-Regimes, heißt es in einer Empfehlung aus dem Jahre 2007.

„Orte dieser Art sind unwiederbringlich“, findet Dietmar Arnold. Seien sie verloren, ließen sie sich weder rekonstruieren noch ersetzen. „Gerade weil sie unbequem sind, können sie Geschichte auf eine Weise vermitteln, wie Bücher, Fotos oder Rekonstruktionen es nicht vermögen.“