Wohnen in Berlin-Spandau
: 7500 Wohnungen – das sind die aktuellen Bauprojekte

Wohnen am Wasser klingt traumhaft. In Spandau ist das möglich. Viele der aktuellen Bauprojekte direkt an der Havel befinden sich in den letzten Zügen.
Von
Jessica Neumayer
Spandau
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Wohnungen Inselquartier Eiswerder

Spandau entwickelt sich rasant. Rund 7500 Wohnungen werden in den nächsten zwei Jahren fertiggestellt. Einige Eigentumswohnungen entstanden auf der Insel Eiswerder. Auch sozial geförderten Wohnraum gibt es unter den aktuellen Bauprojekten.

Jessica Neumayer

„Eine Seefahrt, die ist lustig" ist ein Lied über die Seefahrt aus der Zeit um die Jahrhundertwende 1900. Bootstouren können aber nicht nur fröhlich und lustig sein – sondern auch informativ. Das ist gegeben, wenn Baustadtrat Thorsten Schatz während der Fahrt über aktuelle Bauprojekte plaudert.

Mit dem Team von „Spandau bewegt" von der Wunderlich Stadtentwicklung GmbH organisierte das Bezirksamt eine Wohnungsbau-Bootstour durch Spandau. 70 Interessierte kamen auf der MS Heiterkeit zusammen, um sich die aktuellsten Bauprojekte anzuschauen. „7500 Wohnungen sind in den nächsten zwei Jahren in der Fertigstellung“, berichtet Schatz. Damit trage Spandau einen erheblichen Teil zum Ziel des Senats bei. Dieser will jährlich 20.000 neue Wohnungen schaffen.

Baustadtrat Schatz stellt Bauprojekte in Berlin-Spandau vor

Von der miesen Witterung ließen sich die Teilnehmer nicht beeindrucken. Beim Ablegen setzte der Regen ein. „Wir sind doch nicht aus Zucker“, sagt eine Frau mit Regenschirm auf dem nicht überdachten Deck an der Spitze des Schiffs. Ihre Freundin kommt aus Hamburg und fühlt sich quasi ganz wie zu Hause. „Es ist spannend, Spandau mal aus dieser Perspektive kennenzulernen."

Baustellen-Bootstour durch Spandau mit der MS Heiterkeit

Zweieinhalb Stunden erzählt Baustadtrat Thorsten Schatz über die aktuellen Bauprojekte in Spandau. Rund 70 Baustelleninteressierte haben an der verregneten Bootstour auf der MS Heiterkeit teilgenommen.

Jessica Neumayer

Nach dem Ablegen vom Steg am Wröhmännerpark, geht es als Erstes vorbei an der Zitadelle. Deren Umfeld soll zukünftig umgestaltet werden. Ein Fahrradweg soll die Zitadelle zugänglicher machen. Ermöglicht wird der Radweg durch den Ausbau der Motorworld Manufaktur Berlin gleich nebenan im Zitadellenweg.

Früher wurde das Gelände für die Rüstungsindustrie genutzt. Jetzt befinden sich dort unter anderem Werkstätten und Ausstellungsräume für teure Automarken sowie Gastronomie. „Hier wird auch ein Hotel aus Seecontainern gebaut“, berichtet Schatz. 2025 soll das Erlebnishotel mit 77 umfunktionierten Containern fertig sein.

Wohnungen am Nordhafen Spandau

In Spandau entstehen viele Wohnungen direkt in Wasserlage. Die Wohnungen am Nordhafen Spandau haben einen freien Blick auf den Havelarm ganz in der Nähe der Streitstraße.

Jessica Neumayer

Ein Stück weiter entstehen die Havel Labs mit viel Büro- und Gewerbefläche sowie Gastronomie. 20 Jahre lang lag das Gelände brach. „Daher ist es schön, dass es jemanden gibt, der nun Geld in die Hand nimmt“, sagt Schatz.

Die Labs entstehen dort, wo früher eine Gewehrmanufaktur stand. „Altlasten gibt es viele in Spandau“, verweist Schatz auf die Vergangenheit des Bezirks. Viele der aktuellen Bauprojekte am Wasser werden auf Grundstücken gebaut, auf denen früher Fabriken zur Kriegsmittelherstellung oder ähnlichem standen.

Wohnungen und Räume für Events auf der Insel Eiswerder

Nach den Labs schippert das Boot an der Insel Eiswerder vorbei. Hier entsteht auf 13.000 Quadratmetern das Inselquartier Eiswerder. Im südlichen Teil der Insel wurden rund 100 neue Wohnungen gebaut – alles Eigentumswohnungen, verrät Schatz.

Im nördlichen Teil der Insel gibt es vor allem Räume für Kongresse, Abendveranstaltungen, Gewerbe und Gastronomie. Geplant wurden die Bebauung der Insel von einem Spandauer: Andreas Wunderlich von der Wunderlich Stadtentwicklungs GmbH.

Wohnungen Waterkant

Das Wohnquartier Waterkant bietet 2500 Wohnungen sowie ein Kindergarten und Gewerberäume. Besonders hervor tritt es durch innovative Konzepte der Mobilität und der Energieversorgung.

Jessica Neumayer

Ein neues Stadtquartier mit insgesamt 2500 Wohneinheiten entsteht etwas weiter nördlich. Das Quartier Waterkant war das ehemalige Tanklager von Westberlin. Nun werden dort neben teilweise sozial gefördertem Wohnraum auch ein Kindergarten und Sportplätze gebaut.

Das Quartier Waterkant ist bezüglich nachhaltiger Energieversorgung sowie beim Thema Mobilität beispielhaft. „Im Quartier Waterkant befindet sich der meistfrequentierte Mobilitätshub“, berichtet der Stadtrat davon, wie ein autoarmes Quartier funktionieren kann. Er weiß jedoch auch, dass es zukünftig noch weitere Möglichkeiten neben dem Bus und Jelbi geben muss, um das Quartier zu erreichen.

Insel Gartenfeld

Auf 31 Hektar sollen im Inselquartier Gartenfeld 3700 Wohnungen entstehen. Die Anzahl der Wohnungen ist ein Kompromiss. Baustadtrat Thorsten Schatz hätte eine andere Anzahl bevorzugt.

Jessica Neumayer

Das gilt auch für die Insel Gartenfeld. Auf 31 Hektar sollen auf der nördlichen Inselhälfte rund 3700 Wohnungen entstehen. Dabei wird die denkmalgeschützte Industriehalle in das Gesamtbild integriert. Der südliche Teil der Insel soll dann für gewerbliche Nutzung hergerichtet werden.

Es ist kein rühmliches Stück der Stadtpolitik, sagt Schatz. Er hätte auf der Fläche lieber unter 1800 Wohnungen gebaut. Nun werden es auf Wunsch des Senats auf verengten Raum fast doppelt so viele.

Insel Gartenfeld mit innovativem Mobilitätskonzept

Auch das neue Quartier mit dem Titel „Das neue Gartenfeld" soll ein autoarmes Quartier werden. Um dies voll bewerkstelligen zu können, wird die Siemensbahn zukünftig auch einen Bahnhof auf der Insel haben. „Die Reaktivierung ist ein Glücksfall für Spandau“, sagt Schatz. Alleine eine Planung einer solchen Strecke benötige meist schon 15 bis 20 Jahre. Der Bau dann nochmal.

Dadurch, dass die Gleise lediglich reaktiviert werden müssen, könne enorm viel Zeit gespart werden. Auch für die Gegner der Siemensbahn hat er beruhigende Worte: Sowohl die S-Bahnen als auch die Gleise seien nicht mehr auf dem Stand von 1980. Jetzt würde alles dank moderner Technik, automatisierter Schmiermitteleinführung in Kurven und speziellen Dämmmatten unter den Gleisen erheblich ruhiger ablaufen.

Havelufer Quartier altes Kraftwerk Oberhavel

Bis 2002 war das ehemalige Kraftwerk Oberhavel noch in Betrieb. Danach lag es eine Zeit lang brach. Jetzt wird es zum Havelufer Quartier umgebaut und bietet Platz für 1800 Neubauwohnungen.

Jessica Neumayer

Auf dem Gelände des ehemaligen Kraftwerks Oberhavel wird derzeit auch kräftig gebaut. Bis 1990  musste sich West-Berlin autark mit Strom versorgen können. Nach der Wende hat das Kraftwerk zunehmend an Bedeutung verloren. 2002 wurde der Betrieb letztendlich eingestellt.

Heute entsteht an gleicher Stelle Wohnraum zum Kauf und zur Miete. Neben 170 Einfamilienhäusern entstehen auch 15 Reihen- sowie 18 Mehrfamilienhäuser mit 112 Wohnungen auf beiden Seiten des Teufelsseekanals.

Das Quartier mit dem Fokus auf ein familienfreundliches Umfeld und vielen Freizeitmöglichkeiten soll noch in diesem Jahr fertiggestellt werden, verrät Schatz. In zwei der Mehrfamilienhäuser wird es 22 sozial geförderte Wohnungen geben.

Wohnungen Speicherballett im Quartier Parkstraße Nord

Die jetzigen Luxuswohnungen im Speicherballett waren eins Getreidespeicher für die Wehrmacht. Zusammen mit dahinter liegenden Gebäuden der ‚Havelkiesel‘ und des‚ Havelbogens‘ bilden sie das Quartier Parkstraße Nord.

Jessica Neumayer

Am Peak der Rundfahrt hält Schatz inne und lässt die Natur wirken: „Spandau ist schön grün und ruhig.“ Keiner der Fahrgäste auf dem vorderen Deck sagt ein Wort. Nur das Prasseln des Regens ist zu hören. Nach diesem kurzen Innehalten geht die Führung weiter.

Inzwischen ist die MS Heiterkeit schon auf dem Rückweg. Der nächste Stopp ist das Havelufer Quartier, vor der Umbenennung auch bekannt als Hans-Carossa-Quartier. Auf 130.000 Quadratmetern entsteht hier neuer Wohnraum, Einzelhandel, Begegnungsflächen, Spielplätze und Gewerberäume. 16 neue Häuser werden errichtet. Vier vorhandene, denkmalgeschützte Gebäude werden umgebaut und ins Quartier integriert. 1800 Wohnungen umfasst das Quartier insgesamt.

Wohnungen am Maselakepark

Wohnen in Wassernähe und dennoch zentral angebunden. In Spandau ist das möglich, zum Beispiel in den Wohngebäuden gegenüber des Maselakeparks an der Havelschanze.

Jessica Neumayer

Die letzte Station der Bootstour führt die Interessierten zum Quartier Parkstraße Nord. Besonders an diesem Quartier ist, dass Wehrmachtspeicher zu Wohnungen umgebaut wurden. Zwei der drei denkmalgeschützten Speicher wurden fachgerecht saniert. Der dritte wurde passend nachgebaut.

Hinter diesem sogenannten „Speicherballett" befinden sich die ‚Havelkiesel‘ – drei Gebäude, deren Form an Flusssteine erinnern sollen. Komplettiert wird das Quartier durch die Neubauten des „Havelbogens". Insgesamt besteht das Quartier aus 630 Wohnungen.

Nach zweieinhalb Stunden legt die MS Heiterkeit wieder an. Pünktlich zum Abschluss der Tour klärt der Himmel auf. Entfernt wird der Rathausturm unter den ersten abendlichen Sonnenstrahlen sichtbar.

Wer bei der nächsten Tour im September 2024 dabei sein will, sollte schnell sein. Die Plätze sind beliebt, verrät ein Mitarbeiter von Spandau bewegt. Insgesamt habe es über 200 Bewerbungen gegeben.