zu Meisterpflicht - Kontra
: Weg mit den Pfründen der Vergangenheit

Nicht zu schaffen, denkt sich der Chef und schreibt in sein Angebot eine völlig überzogene Zahl.
Von
Mathias Hausding
Frankfurt (Oder)
Jetzt in der App anhören

Kontra: Mathias Hausding

Gerd Markert

Dass Deutschlands Handwerkspräsident ausgerechnet in einer solchen Situation die Rückkehr zur flächendeckenden Meisterpflicht fordert, ist völlig unverständlich. Denn sie würde das Angebot weiter verknappen. Anders herum wird ein Schuh draus: Angesichts von Handwerkermangel und damit verbundener Preistreiberei sollte darüber nachgedacht werden, weitere Pfründe abzuschaffen und zumindest einige der rund 40 verbliebenen Meister-Gewerke ebenfalls zu liberalisieren.

Jene Pfründe gibt es übrigens so nur in Deutschland. Sie sind wegen der oben beschriebenen Probleme ein Hemmnis für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Dass den Meisterbetrieben die Azubis davonlaufen, zeigt ebenfalls, dass im Handwerk etwas schiefläuft. Darüber sollte sich der Präsident Gedanken machen, anstatt kleine Betriebe ohne Meister pauschal zu verunglimpfen.

Österreich etwa hat die Meisterpflicht vor knapp 20 Jahren komplett abgeschafft. Und es nicht davon zu hören, dass dort seitdem der Pfusch am Bau grassiert. Ganz im Gegenteil: Zum Beispiel am BER blamieren sich Deutschlands Top-Betriebe seit Jahren nach Kräften.

Bitte nicht falsch verstehen: Deutschlands Handwerker liefern zumeist exzellente Arbeit. Kunden sollten stets die Chance haben, Arbeitsproben zu sehen, Empfehlungen einzuholen und Preise zu vergleichen. Über Online-Portale wie MyHammer funktioniert das ganz gut. Und es ist ein nicht greifendes Totschlagargument, dass sich dort auch schwarze Schafe tummeln. Diese gibt es genauso in Meisterbetrieben. Reichlich konstruiert ist auch der Verweis des Handwerkspräsidenten auf Selbstausbeutung in Ein-Mann-Betrieben. Als ob sich der Angestellte eines Meisterbetriebs keine Sorgen um Altersarmut machen müsste.