50 Jahre Karat
: MDR blickt in Doku zurück auf die Geschichte der Ostrock-Band

Neben einem neuen Album und einer Tour erscheint im Jubiläumsjahr von Karat nun auch eine MDR-Doku zur Bandgeschichte. 50 Jahre Karat in 90 Minuten – geht das?
Von
Michael Heider
Berlin
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MDR FERNSEHEN 50 JAHRE KARAT, "Eine deutsche Rockgeschichte", am Sonntag (30.03.25) um 20:15 Uhr. Ab 25.03.2025, 16:00 Uhr in der ARD-Mediathek
Karat auf dem Ostival 1992.
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Karat bei einem Auftritt im Jahr 1992: Die MDR-Doku „50 Jahre Karat – Eine deutsche Rockgeschichte“ wirft einen Blick zurück auf die Geschichte einer der erfolgreichsten Ostrock-Bands.

MDR/Gerhard Hopf
  • MDR-Doku zum 50. Jubiläum der Ostrock-Band Karat.
  • Neuer Album, Tour und Doku: „50 Jahre Karat – Eine deutsche Rockgeschichte.“
  • Sänger Claudius Dreilich führt die Band, die in der Elbphilharmonie auftrat.
  • Archiv-Aufnahmen und Interviews mit Mitgliedern und Prominenten.
  • Film zeigt Erfolge und Herausforderungen, u.a. Tod von Herbert Dreilich.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

An Superlativen herrscht kein Mangel. Von der „erfolgreichsten Band aus der DDR“ ist die Rede. Von einer Gruppe, die Unterschiede zwischen Unterhaltungs- und ernster Musik „weggefegt“ hat. In ihrem Lob für Karat sind sich Peter Schimmelpfennig und Jörg Stempel einig. Die einstigen Musikmanager, der eine im Westen, der andere im Osten, sind zwei Wegbegleiter, die in einer neuen MDR-Doku den Blick zurück auf die bewegte Historie von Karat werfen.

„50 Jahre Karat – Eine deutsche Rockgeschichte“ ist das Format übertitelt, womit Anlass und Inhalt treffend umschrieben sind. Im Februar jährte sich der erste Auftritt der Ostrocker zum 50. Mal. Die Band um Sänger Claudius Dreilich feiert dies mit einem neuen Album und einer Tour. Der filmische Blick zurück ergänzt das Jubiläumsprogramm. Abrufbar ist er ab sofort in der ARD Mediathek. Die Fernsehausstrahlung folgt am Sonntag, dem 30. März, um 20.15 Uhr, im MDR.

50 Jahre Karat in 90 Minuten? Ein ehrgeiziges Unterfangen

Fünf Jahrzehnte Musikgeschichte in 90 Minuten abzuarbeiten, ist ein ehrgeiziges Unterfangen. Umso besser, dass die aktuellen Bandmitglieder Claudius Dreilich, Bernd Römer, Martin Becker, Daniel Bätge und Heiko Jung Einblicke aus erster Hand geben. Auch ihre langjährige Managerin Adele Walther erzählt von „ihren Jungs“, genau wie prominente Karat-Fans, darunter Moderatorin Inka Bause und DDR-Sportikone Katharina Witt.

Über weite Strecken legt der Film den Fokus auf das aktuelle Jubiläumsjahr. Die Klammer bildet der Auftritt in der Hamburger Elbphilharmonie von Anfang März. Es war das erste Mal, dass eine Rockband aus der DDR ein restlos ausverkauftes Konzert dort spielte – und für Karat zweifelsohne eine der spektakuläreren Live-Kulissen. Einlass gewährte Karat aber auch ins Tonstudio in Erfurt. Dort nahm die Band mit „Hohe Himmel“ ihr inzwischen 15. Album auf. Das Kamerateam des WDR durfte die Musiker beim Feilen an Arrangements begleiten.

Die Band Karat Mitte der 1990er.

Die Band Karat Mitte der 1990er

MDR/Gerhard Hopf

Aller aktueller Highlights zum Trotz resonieren die Archiv-Aufnahmen am stärksten. Frühe schwarz-weiß Bilder eines Panta Rhei-Auftritts etwa, der noch sehr bluesig-jazzigen Gruppe, aus der Karat wenig später hervorgehen sollte. Oder das körnig-bunte Flimmern aus „rund“ Mitte der 1970er. Beim Auftritt in der Jugendsendung des DDR-Fernsehens war noch Hans-Joachim „Neumi“ Neumann Frontmann von Karat, dessen unbestreitbares Charisma sich bis heute transportiert. Auch eine seltene Aufnahme von Ulrich Pexa, damals eigentlich Gitarrist der Band, der das nachdenkliche „Mein Dorf“ singt, ist enthalten. Großartig, wie sehr er in Look und Stimme an John Lennon glich.

Der Karat-Film widmet sich den großen Entwicklungslinien

Lange aufhalten kann sich die WDR-Doku mit den einzelnen Episoden der Karat-Geschichte jedoch nicht. Dafür ist die zu reichhaltig. Der Film konzentriert sich deshalb auf die großen Entwicklungslinien. Etwa als Herbert Dreilich, zu Beginn lediglich der Mann für sanfte, einfühlsame Nummern, als Frontmann nachrückte, weil Neumi Neumann zur Armee musste.

Natürlich fehlen auch Wegmarken wie „Über sieben Brücken musst du gehen“ nicht, der das Fundament für den Erfolg von Karat auch im Westen begründete. Auch das Ringen um Auftritte im West-Fernsehen ist Thema. Lange von der DDR-Regierung verhindert, sah man Karat erst 1982 mit einem Gastspiel bei „Wetten, dass..?“.

Auch die in einer derart langen Bandgeschichte unvermeidlichen dunkleren Kapitel spart die Doku nicht aus. Den Versuch des alten Managers und Keyboarders Henning Protzmann etwa, Herbert Dreilich durch einen jüngeren Sänger zu ersetzten. Am Ende hielt die Band zu ihrem Frontmann und Protzmann war derjenige, der gehen musste. Oder das Durchhalten nach der Wende, die ein schwindendes Interesse am Ostrock mit sich brachte. Selbstverständlich ist auch der wohl größte Schicksalsschlag der Karat-Geschichte Thema: der Tod von Herbert Dreilich im Jahr 2004.

„50 Jahre Karat“ ist eine wohlwollende Hommage

Doch auf „die schlimme Zeit mit K“, wie Sängerin und Karat-Fan Ute Freudenberg den folgenden Rechtsstreit um den Bandnamen mit der Witwe Dreilichs nennt, folgt der Beginn des aktuellen Kapitels der Gruppe. Seit mittlerweile 30 Jahre steht Claudius Dreilich nun schon am Mikrofon von Karat – und damit länger als sein Vater. Ein Ende ist nicht in Sicht.

Neben einem Rückblick ist „50 Jahre Karat“ also auch Momentaufnahme einer fortlaufenden Bandgeschichte. Wirklich Neues zu Karat fördert der Film dabei allerdings nicht zutage. In seinen 90 Minuten breitet er vor allem eine wohlwollende Hommage an eine Gruppe aus, die wie keine zweite zum Inventar der deutsch-deutschen Musikgeschichte gehört. Im Jubiläumsjahr muss dies auch erlaubt sein.

„50 Jahre Karat – Eine deutsche Rockgeschichte“ in der ARD Mediathek und am Sonntag, dem 30. März, um 20.15 Uhr, im MDR.