Karat in Berlin
: Ostrocker feiern 50. Jubiläum mit Konzert im Babylon in Berlin

Karat laden zum 50. Jubiläumstag ihres ersten Konzertes zu einer Show nach Berlin. Statt zurückzublicken, schlagen die Ostrocker dort ein neues Kapitel auf.
Von
Michael Heider
Berlin
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Geburtstagsfeier und Albumvorstellung in einem: Karat bei  „50 Jahre Karat“ im Babylon Kino in Berlin

Geburtstagsfeier und Albumvorstellung in einem: Karat bei „50 Jahre Karat“ im Babylon Kino in Berlin

Jörg Carstensen/dpa
  • Karat feiern 50-jähriges Jubiläum mit Konzert im Babylon in Berlin.
  • Neues Album „Hohe Himmel“ vorgestellt, 13 Neukompositionen.
  • Tour „Karat 50“ startet in einer Woche in Deutschland.
  • Klassiker „Über sieben Brücken“ sorgt für Standing Ovation.
  • Band zeigt sich kreativ und energiegeladen, Mix aus neuen und alten Songs.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Im Alphabet des Ostrocks steht das K für Karat. Und das nicht erst seit die Band Anfang der Nullerjahre kurzzeitig als „K…!“ auftreten musste. Grund war damals ein Rechtsstreit um die Namenrechte mit der Witwe von Sänger Herbert Dreilich – den die Musiker gewonnen haben. Doch wer Karat an diesem Samstagabend in Berlin auf der Bühne sieht, weiß, dass es genauso gut für konstant stehen könnte.

„50 Jahre Karat“ leuchtet es vom Schirmdach des Kino Babylon in den Nachthimmel. Die Reklame könnte akkurater nicht sein. Auf den Tag genau 50 Jahre zuvor hat die Ost-Berliner Band ihr erstes Konzert gespielt. Gut, von der Besetzung damals im sächsischen Heidenau ist heute niemand mehr übrig. Dienstältestes Mitglied ist Gitarrist Bernd Römer, dabei seit 1976. Heiko Jung und Daniel Bätge an Schlagzeug bzw. Bass sind gar erst seit zwei Jahren Teil der Gruppe. Egal! Dem Phänomen Karat tut dies keinen Abbruch.

Einen Tag zuvor erschien das neue Karat-Album

Das stellt das Quintett direkt zu Beginn unter Beweis. „Wir sind immer noch hier“, röhrt Claudius Dreilich mit voller Kraft ins Mikrofon. Denn auch dem K in kreativ sind Karat weiter verpflichtet. Einen Tag zuvor ist mit „Hohe Himmel“ ihr neues Album erschienen. 13 Songs, allesamt Neukompositionen. Im Kinosaal des Babylon präsentierten sie die Ostrocker erstmals live vor Publikum.

„Es ist ein besonderer Abend für uns“, sagt Dreilich. Und das nicht nur, weil sie ihr „Baby in die Welt geschickt haben“, wie er die Album-Veröffentlichung nennt.  Jubiläumskonzert und Record Release Party in einem ist es also, was hier in Berlin stattfindet. Obendrauf ist es eine Art Warmspielen – in etwas mehr als einer Woche nämlich beginnt die „Karat 50“-Tour, die ab März durch ganz Deutschland führt.

Ist der Auftritt im Babylon unweit des Alexanderplatzes ein Indikator, dürfen sich die Fans freuen. 50 Jahre? So frisch wie Karat hier auftreten, vergisst man es fast. Die fünf Musiker haben sichtbar Bock, sind im „Spielfieber“, wie Dreilich erklärt. Die Band zelebriert ihre neuen Songs förmlich. Live entfalten diese weitaus mehr Esprit als auf Platte. Vor allem Keyboarder Martin Becker fliegt mit reichlich Körpereinsatz über die Tasten - übertroffen nur von seiner Mundharmonika-Einlage zu „Jede Stunde“.

Standing Ovation für „Über sieben Brücken“

Der Song vom frühen Erfolgsalbum „Der blaue Planet“ gehört an diesem Abend zur „Würze“, so bezeichnet Claudius Dreilich die eingestreuten Klassiker. Es bleiben Ausnahmen. Das raumgreifende „Albatros“ ist darunter, genau wie das unvermeidbare „Über sieben Brücken musst du gehn“, das für Standing Ovation beim Publikum sorgt. Doch auch „Hohe Himmel“ erweist sich als Stimmungsmacher. Nach letzter Runde klingen Stücke wie das rockig-freche „Was soll der Geiz“ jedenfalls nicht.

Zwischen den Liedern nutzt Claudius Dreilich die Gelegenheit, sich zu bedanken: Bei den Karat-Fans, die stets in der ersten Reihe stehen (auch an diesem Abend), dem Team hinter der Band, Wegbegleitern, Kollaborateuren und Freunden. Er bedauere, dass die Bühne des Babylon nicht wie ursprünglich geplant weiter ins Publikum reicht. „Dann wären wir jetzt näher bei euch.“ Doch beim ohnehin überschaubaren Saal ist es zu verschmerzen.

Auch auf kleiner Bühne ist Karat ihr Jubiläumskonzert gelungen. Sie präsentieren einen stimmigen Mix aus viel Neuem und einigem Vertrauten, der Lust auf mehr macht. Was bleibt also zu sagen zu dieser Ostrock-Band, die im Jahr 1975 zum ersten Mal ein Konzert gespielt hat?

Anstelle eines letzten Hurras wollen diese fünf Musiker offenkundig der so ereignisvollen wie erfolgreichen Karriere ihrer Gruppe ein weiteres Kapitel hinzufügen. Als mit „König der Welt“ der letzte Song an diesem Februarabend gespielt ist, scheint es also, als stehe das K in Jahr 50 von Karat noch für etwas anderes: Kraftvoll in die Zukunft.