„Falling in Love“ im Friedrichstadt-Palast Berlin: Glamouröse Promi-Dichte zum Start der neuen Revue
Der Friedrichstadt-Palast glitzert. Oder: „Willkommen in der Diamantenstadt“. So singen es die Darstellerinnen und Darsteller auf der weltgrößten Theaterbühne, die in knalligen Farben und funkelnden Schmucksteinen erstrahlt. Am Mittwochabend (11.10.) feierte die neue Revue in dem Berliner Unterhaltungstempel, der schon zu DDR-Zeiten Legendenstatus genoss, Premiere. Was das Publikum erwartet? Das bringt eine weitere Textzeile des in Englisch gesungenen Songs auf den Punkt: „Diese Stadt ist ein Fest für deine Augen“.
„Falling – In Love“ hat der Friedrichstadt-Palast seine jüngste Grand Show getauft. Wie ihre Vorgänger will auch sie sich mit stilbildenden Broadway- oder Westend-Produktionen messen. Und das lässt sich das traditionsreiche Haus im Herzen der Hauptstadt einiges kosten. Hatte die im Juli abgespielte Revue „Arise“ noch ein Produktionsbudget von knapp 11 Millionen Euro, sind es diesmal rund 14 Millionen Euro. „Wir wollen nicht jedes Mal Rekorde brechen, sondern schöne Geschichten erzählen“, sagte Intendant Berndt Schmidt im Rahmen einer Presse-Vorschau eine gute Woche vor der Premiere am Mittwoch.
Jede Menge Prominenz bei Premiere im Friedrichstadt-Palast
Die Rechnung scheint aufzugehen. Am Premierenabend verriet Schmidt dem Publikum: „Wir haben bereits 100.000 Karten verkauft. Damit sind schon 60 Prozent der Produktionskosten gedeckt.“
Zur Premiere der Rekord-Revue war der Promi-Andrang hoch. Jasmin Wagner, Inka Bause, Oliver Kalkofe, Wolfgang „Lippi“ Lippert, Dieter Hallervorden oder auch die Ex-Regierenden Klaus Wowereit und Walter Momper - alle wollten die Premiere erleben. Bunt und glamourös ging es nicht nur auf der Bühne zu, auch im Publikum: Zu den Promi-Gästen zählten unter anderen Julian F. M. Stoeckel, Drag Angelo, Gloria Viagra, Conchita Wurst und Riccardo Simonetti.

Promi-Auflauf bei „Falling in Love“ im Friedrichstadt-Palast Berlin: Julian F. M. Stoeckel mit Drag Angelo (l.) und Stefanie Simon.
Tilo WinklerEin ganz besonderer Gast wurde zu Beginn im Saal namentlich begrüßt: Holocaust-Zeitzeugin Margot Friedländer (101). Intendant Berndt Schmidt richtete bei der Begrüßung persönliche Worte an sie: „Ich versichere dir, dass wir alles in unserer Macht Stehende tun, um die Demokratie in Deutschland zu schützen.“ Ihr, allen Jüdinnen und Juden in Deutschland sowie dem von Hamas-Terroristen angegriffenen Staat Israel sprach er seine Solidarität aus.

„Falling in Love“-Premiere: Holocaust-Zeitzeugin Margot Friedländer (l.) war Gast im Friedrichstadt-Palast Berlin.
Tilo Winkler100 Millionen Swarovski-Steine zieren die „Falling in Love“
Glanz ist Programm an diesem Abend: 100 Millionen Schmucksteine will der Friedrichstadt-Palast in seine neue Grand Show integriert haben. Bereitgestellt hat sie der österreichische Kristallglas-Hersteller Swarovski. Dass allein im Bühnenbild rund 650 Kilogramm Kristalle verarbeitet sind, ist sofort sichtbar. Mitglieder des hauseigenen Ballettensembles tanzen etwa durch einen Teich gefüllt mit saphirblau schimmernden Glassteinen. Auch viele ihrer Kostüme sind mit den Steinen besetzt.

„Falling in Love“-Premiere im Friedrichstadt-Palast Berlin: Jasmin Wagner ganz in Rot.
Tilo WinklerDoch die Kooperation ist mehr als eine glitzernde Werbepartnerschaft. Der funkelnde Superlativ passt ideal ins Konzept der Grand Shows. Für sie hat der Friedrichstadt-Palast stets alle Register gezogen. Und so beeindruckt das riesige von Stage Architekt Arthur Mamou-Mani entworfene Bühnenbild, das mal Diamantenstadt, mal Garten der Liebe darstellen soll, auch diesmal nicht allein durch seine schiere Größe. Es setzt erneut Standards. Alles leuchtet, bewegt und dreht sich. Es ist die Kulisse für ein dreidimensionales Spektakel, bei dem man nicht weiß, ob man zuerst auf das 60-köpfige Ensemble von Balletdirektorin Alexandra Georgieva gucken soll, oder die Akrobatinnen und Akrobaten beobachtet, die in diamantförmigen Käfigen darüber Luftnummer vollziehen.
Stardesigner Jean Paul Gaultier kehrt an den Friedrichstadt-Palast zurück
Nicht nur die körperintensiven Choreografien sind Teil einer visuellen Überwältigungsstrategie. Von allem zu viel ist gerade genug, scheint die Devise zu lauten. Es wirkt es so, als hätte der Friedrichstadt-Palast die überfrachtete Bildsprache von James Camerons Filmepos „Avatar“ ins Theater übersetzt. Da ist nicht nur der Mix aus Farbe und Naturformen wie Blättern, Blüten und meterhohen Bäume. Auch die fantasievollen Kostüme sind echte Hingucker.

Nicht seine erste Produktion am Friedrichstadt-Palast: Modedesigner Jean Paul Gaultier entwarf Kostüme für „Falling – In Love“
Jens Kalaene/dpaEntworfen wurden sie erneut vom Pariser Stardesigner Jean Paul Gaultier. Der Modeschöpfer hatte bereits für die Grand Show „The One“ mit dem Palast zusammengearbeitet. Als Visual Design Director und Kurator konnte er „Falling – In Love“ nun noch stärker mit seiner Designsprache prägen. Unterstützung holte er sich diesmal vom kanadischen Duo Fecal Matter und der russischen Kostümdesignerin Sasha Frolova.
Viel visuelle Pracht und ein bisschen Handlung
Wie auch bei vorangegangenen Grand Shows ist der Inhalt ob der ganzen Pracht beinahe irrelevant. Eine Art Rahmenhandlung gibt es dennoch. Sie dreht sich um einen jungen Mann, der in Diamond City vergeblich nach Anschluss und Liebe sucht. Als ihm sprichwörtlich der Boden unter den Füßen wegbricht, findet er sich plötzlich in einer besseren Welt wieder: dem Garten der Liebe. Doch der hat seine einstige Farbenpracht längst eingebüßt. So liegt es an dem jungen Poeten, sie neu zu entfachen. Verantwortlich für Story und Inszenierung zeichnet Oliver Hoppmann, der sich vom Gedicht „The Garden of Love“ des britischen Lyrikers William Blake (1757-1827) inspirieren ließ.

Farbenprächtiges Spektakel: Ensemblemitglieder von „Falling – In Love“ am Friedrichstadt-Palast
Jens Kalaene/dpaUntermalt wird die Inszenierung von Musik, die unter anderem aus der Feder der Hamburger Songwriterin Zoe Wees stammt – und damit auch für ein junges Publikum interessant sein dürfte. Dargeboten wird sie von einer Showband, die Live auf der Bühne spielt.
Mit „Falling – In Love“ hat der Friedrichstadt-Palast das „Grand“ in Grand Show erneut stark betont. Ob Kiloweise Kristalle auch einen hochkarätigen Publikumsmagneten bedeuten, wird sich zeigen. (mit dpa)
Tickets für die neue Grand Show „Falling – In Love“ gibt es hier.



