Mehr als 630.000 verkaufte Exemplare, übersetzt in zwölf Sprachen – „Alea Aquarius“ ist die Jugendbuchreihe der Stunde. Die elfjährige Leserin Pauline Hausding spricht mit der Autorin Tanya Stewner über Meermenschen, Umweltschutz und das Filmprojekt zum Bestseller.

Tanya, wie bist du auf die Idee für die „Alea“-Reihe gekommen?

Ich liebe das Meer und wollte die Geschichte einer Meer-Menschen-Zivilisation am Grund der Ozeane erzählen. Ohne Meerjungfrau mit Fischschwanz, aber Schwimmhäute und Kiemen sollten die Meermenschen haben. Wichtig war mir außerdem, dass ich das Thema Umweltschutz am Beispiel der Verschmutzung der Meere reinbringe. Das hat sich sehr gut ergänzt.

Im Zentrum des Buches steht eine Bande…

Ja, auch darüber wollte ich schon immer schreiben. Als Kind habe ich mir vorgestellt, in einer Bande zu sein. Alle sind für einander da, können sich auf die anderen verlassen und erleben gemeinsam Abenteuer. Und jetzt haben Alea und ihre Freunde ein eigenes Segelschiff – ohne Erwachsene! Da steckt viel von mir selbst drin – Erfahrungen und Gefühle. Ich habe mich als Kind und Jugendliche als anders empfunden und hätte mir gewünscht, andere schräge Vögel um mich herum zu haben.

Mir gefällt an dem Buch besonders die Mischung aus Realität und Fantasiewelt. Warum hast du dich dafür entschieden?

Ich finde es faszinierend, der normalen Welt ein magisches Moment hinzuzufügen. Alea ist ein Mensch wie du und ich, bis sie entdeckt, dass sie ein Meermädchen ist. Ich glaube, beim Lesen kann man sich auf diese Art leichter vorstellen, was denn wäre, wenn man selbst zum Meermädchen wird.

Der aktuelle 6. „Alea“-Band beginnt mit Erinnerungslücken der Hauptfiguren, weil ihnen ihr Feind ein Mittel zur Vergesslichkeit verabreicht hat. So will er sie aus dem Weg räumen. Was ist der Kern der Geschichte?

Der 5. Band endete ja sehr überraschend ohne Happyend. Der Widersacher hat gewonnen und Alea sogar die Meermädchen-Fähigkeiten genommen. Dabei habe ich mir natürlich etwas gedacht. Ich will nun im 6. Band die Botschaft vermitteln, dass man keine magischen Fähigkeiten haben muss, um die Welt zu retten. Alea ist sogar stärker als vorher und kämpft für die Meere.

Wie viele „Alea“-Bände kommen noch?

Es war als Trilogie geplant, aber ich hatte so viele Ideen. Zuletzt dachte ich, es werden acht Bände. Inzwischen glaube ich eher, dass wir bei mindestens neun landen. So lange es mir Spaß macht und die Fans es lesen wollen, mache ich weiter. Es ist auch so: Je länger ich daran schreibe, umso mehr Stoff finde ich, um die Geschichte fortzusetzen.

„Alea“ soll es bald auch als Film geben. Wie steht es um die Pläne?

Corona hat das natürlich durcheinander gebracht. Wir wären jetzt schon viel weiter. Aber es wird einen Kinofilm geben, der dann als Fernsehserie weitergeht. Nach jetziger Planung wird im kommenden Jahr gedreht und 2022 kommen Film und Serie heraus. Weil wir mit echten Schauspielerinnen und Schauspielern drehen, sind die Spezialeffekte für die magischen Momente natürlich sehr teuer. Deshalb ist es ein großes europäisches Projekt. Produziert wird auf Englisch und dann synchronisiert.

Du hast mal gesagt, dass du um 4 Uhr aufstehst, um zu schreiben. Wie schaffst du das?

Als ich 2011 Mama geworden bin, hatte ich tagsüber so wenig Zeit, da bin ich sogar um 3 Uhr aufgestanden und habe bis 6 Uhr geschrieben. Das ist jetzt zum Glück nicht mehr notwendig. Seit zwei Jahren habe ich eine Assistentin, die mir ganz viel Organisatorisches abnimmt, und ich schlafe bis um 6 Uhr.

Wie viele Seiten schreibst du an einem Tag?

Wenn ich einen kompletten Tag habe und so richtig in den Fluss komme, schaffe ich manchmal ein ganzes Kapitel. Das sind zehn bis zwölf Seiten, über die ich natürlich noch mehrmals drüberlesen muss. An dem neuen „Alea“-Band, der mit über 600 Seiten ja auch ein echter Schinken geworden ist, habe ich knapp acht Monate gesessen.

Liest deine Tochter schon deine Bücher?

Ja, mit „Liliane Susewind“ hat sie begonnen, als sie sechs Jahre war. Und vorgelesen habe ich ihr daraus, als sie vier war. „Alea Aquarius“ ist ja offiziell für Kinder ab zehn Jahren, aber ich kenne viele, die früher anfangen. Da hören meine Tochter und ich gemeinsam die Hörbücher. Wir sind gerade beim 2. Band. Das ist auch für mich eine schöne Auffrischung. Manche Details hatte ich schon vergessen.

Tanya Stewners Weg zur Bestsellerautorin


Die aus Wuppertal stammende Tanya Stewner hatte als Grundschulkind zunächst einen schweren Stand. Eine Lehrerin prophezeite ihr, nie richtig lesen und schreiben zu können. Das hemmte sie, aber mit zehn Jahren entdeckte sie doch ihre Leidenschaft für das Schreiben und brachte die ersten Geschichten zu Papier. Geboren im Jahre 1974, studierte sie Literaturwissenschaften und arbeitete mehrere Jahre als Übersetzerin und Lektorin. Tanya Stewner lebt mit ihrem Mann, ihrer Tochter und zwei Katzen in Düsseldorf und widmet sich seit nunmehr zehn Jahren komplett der Schriftstellerei. Ihre Kinderbuchreihe „Liliane Susewind“ und die Elfen-Geschichten von „Alea Aquarius“ sind internationale Erfolge. pau