AnnenMayKantereit in Berlin 2026: So war das Konzert in der Wuhlheide

Spielt mit seiner Band AnnenMayKantereit gleich dreimal in der Berliner Wuhlheide: Sänger Henning May (hier 2025 auf dem Southside Festival)
Philipp von Ditfurth/dpa- AnnenMayKantereit spielten den Tour-Auftakt ihrer „Live 2026“-Reihe in der Berliner Wuhlheide.
- Drei ausverkaufte Abende, rund 17.000 Besucher pro Show – Zusatzshow zur Zusatzshow.
- Die Band trat erweitert mit Bass und vier Bläsern auf, der Klang wirkte dicht und dynamisch.
- Das Publikum sang und tanzte kräftig mit, ein neues Album ist in Arbeit ohne Termin.
- Set rund 90 Minuten mit Klassikern wie „Oft gefragt“ und Finale zu „Ausgehen“.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Gefühlt ist es nicht lange her, da waren AnnenMayKantereit noch ein Geheimtipp. Von dieser fantastischen Straßenband aus Köln war dann die Rede. Von der sagenumwogenen Stimme des Sängers, die klingt, als würde er Zigarren zum Frühstück rauchen und ordentlich mit Whisky nachspülen. Irgendwann erschien dann die EP „Wird schon irgendwie gehen“. Und Junge, es ging! Fünf Songs, die nicht nur in Studierenden-WGs zum Soundtrack des Erwachsenwerdens wurden.
Doch dass Musik aus der Feder der Herren Annen, May und Kantereit haften bleibt, dass sie nicht bloß adoleszente Begleitmusik war und ist – das ist an diesem warmen Donnerstagabend im August zu beobachten. Hier, im Osten Berlins, vor der Parkbühne Wuhlheide, singen inzwischen Generationen an Fans mit Songs wie „21, 22, 23“ die Lieder von damals. Ein eindrucksvolles Zeugnis für deren Zeitlosigkeit.
Keine Frage, die Kölner Einkaufspassagen hat das Trio hinter sich gelassen. Wie weit die Straßenmusiker von einst gekommen sind, zeigt nicht zuletzt der Wegmarker Wuhlheide selbst. Waren sie vor rund zwölf Jahren hier erstmals als Support der Beatsteaks zu Gast, stehen AnnenMayKantereit jetzt als Hauptact auf der rundlichen Bühne und spielen die Zusatzshow zur Zusatzshow. Oder anders ausgedrückt: Dreimal ausverkauft.
Beim Blick auf die Wuhlheide grinst Henning May
Der Anblick des proppenvollen Halbrunds, das sich vor dem blauen Vorhang auftut, entlockt Henning May dann auch ein verdammt verschmitztes Grinsen, bevor er auf seiner Ukulele „Marie“ anstimmt. Denkbar unprätentiös, mit einer Hose so kurz, dass sie kurz vor Hot Pants ist, lässt der Frontmann direkt zu Beginn die stimmlichen Muskeln spielen – sehr zum Gefallen der rund 17.000 Anwesenden.
Seit Juli sind die drei Herren nun schon auf ihrer schlicht „Live 2026“ betitelten Tour unterwegs. Und sie sind gut eingespielt, das hört man. Und man spürt es auch. Zwei Wochen liegen zwischen dem ersten von drei Berlin-Konzerten und ihrer zuletzt gespielten Show. Zwei Wochen Bühnenpause, in denen sich scheinbar Spiellaune angesammelt hat. Und die ist offenkundig ansteckend.
Nicht nur zum beschwingten „Lass es kreisen“ wird bis hinauf auf die Ränge getanzt. Andeuten tut sich dies bereits beim Support Ami Warning, die auch mal Reggae-Rhythmen unter ihren warmen Pop legt. Doch auch mitsingen in bester May-Manier will das Berliner Publikum. Nämlich kräftig! Bei Songs wie „Vielleicht Vielleicht“ kann es da schon mal lauter werden.
Womöglich ist es dieser Enthusiasmus, weswegen Schlagzeuger Severin Kantereit den Fans gleich ein kollektives Feature auf der in Arbeit befindlichen Platte in Aussicht stellt. Ob in der Wuhlheide zu „Komm zu mir“ aber wirklich emphatisch genug im Takt geklatscht wurde, bleibt abzuwarten. Ein Veröffentlichungsdatum für das noch titellose Album gibt es noch nicht.
„Die Oldies sind heute am Gewinnen“
Sicher ist: Band und Fans verstehen sich blendend. Also warum sich nicht besser kennenlernen? Dank wiederholter Spontanumfragen des Meinungsforschers May ergibt sich so ein recht präzises Bild des Publikums. Vor oder nach 2000 geboren? Eher davor. Jemals im Besitz eines Kabeltelefons gewesen? Durchaus. „Die Oldies sind heute am Gewinnen“, so das demografische Fazit des Sängers.
Dass viele Freunde und Paare anwesend sind, sehe er auch so, meint May. Was ihn aber besonders freut: „Es sind auch ein paar Vattis da“. Die darauffolgende Hymne auf seinen alleinerziehenden Vater, der AnnenMayKantereit-Klassiker „Oft gefragt“, dringt bei so viel Unmittelbarkeit direkt in die tiefsten Herzenstiefen vor.
Ob sich Musik wie zuhause anfühlen kann? Die Songs, die aus den Lautsprechern der Wuhlheide dringen, geben eine deutliche Antwort. Das Spiel aus Intimität und Intensität, das alle vier Alben von AnnenMayKantereit auszeichnet, es transportiert sich auch live bestens. Was auch daran liegt, dass das Trio nicht mehr nur zu dritt auf der Bühne steht. Neben Fabian Langer, der in Berlin am Bass aushilft, ergänzen vier Blechbläserinnen und -bläser die Band.
Eine Stimme wie ein Nebelhorn im Orkan
Gemeinsam kreieren sie einen Klang, der wunderbar durch die Wuhlheide wogt. Und immer wieder diese Stimme! Henning May setzt sie mal aufbrausend ein, röhrt bei „Ich geh heut nicht mehr tanzen“ gar wie ein Nebelhorn im Orkan, um sich dann wieder zu „Barfuß am Klavier“ wie eine wärmende Decke um die Schultern seiner Fans zu legen. Es ist schon eine verdammt gute Mischung, diese Musik von AnnenMayKantereit und so ein lauer Sommerabend.
Dass dessen Ende viel zu früh kommt, versteht sich von selbst. Mit rund 90 Minuten Länge ist das präsentierte Set aber tatsächlich ein eher dichtes. Die letzten Songs des Abends trösten ein wenig darüber hinweg: Familiäres Arm im Arm-Schunkeln zur Kölner Lokalhymne „Tommi“, gediegenes Kopfnicken beim noch jungen Titel „Legende“ und eine Finalekstase zu „Ausgehen“.
Nein, ein Geheimtipp sind AnnenMayKantereit nicht mehr. Aber das macht ja nichts. Gegen den Status einer absoluten Empfehlung für alle, die gute Live-Musik schätzen, haben sie sicher auch nichts.



