Apache 207 – der Rap-, Pop- und neue Rockstar Deutschlands gibt im Rahmen seiner „Zusatzshows 2023“ eine Zugabe in der Mercedes-Benz Arena und die Menge strömt herbei. „What is love“ von Haddaway tönt zu Beginn der Show in voller Länge aus den riesigen Boxen. Die Stimmung kocht über, bevor der Star des Abends die Bühne betritt. Der rote Vorhang öffnet sich: Drei Trommler und zwei Paukenschläger sorgen für Bombast: „Hugh Apache“, rappt Apache 207 – bislang, bloß schemenhaft als Schatten hinter einer Milchglasscheibe sichtbar, im Flur eines nachgebauten Miethauses mit Spielplatz in einem sozialen Wohnungsbau-Viertel von Mannheim.
Das ist die Kulisse, des in Teilen leicht rührseligen Films über Apaches Anfänge als Frisör und seinem Weg zum Ruhm. Apache 207 ist der Hauptdarsteller einer multimedialen Konzert-Inszenierung mit Kurzfilmen und Hits des umjubelten Stars: „Apache, Apache, Apache....“ ruft die ganze Halle. In schwarzen Doc Martens, Röhrenjeans und weißem Tank Top gekleidet rockt der 25-Jährige die weit über 10.000 Besucher. Heute bringt er das „Brot nach Hause“. Es knallt, zischt und Feuersäulen ragen in die Höhe, Apaches körperliche Präsenz reißt selbst Skeptiker mit: Das ist „Kein Problem“ für den Sänger, der das Lied ganz alleine auf der Bühne performt.

„Brumm, brumm“ mit Apache 207 - Pathos, Ironie und Neunziger Jahre-Partyhits

Nur ein DJ scheint für den fetten Sound zu sorgen. Straßenrap und poppige Refrains sind das Erfolgsrezept des jungen Rappers mit türkischen Wurzeln und der schönen Gesangstimme, die mit wenig Autotune-Technik auskommt. Auch bei „200 km/h“ und „Ferrari Testarossa“ rockt Apache mit Calypso-Beats und Knalleffekten den gigantischen Arena-Saal in Berlin. Die frenetisch kreischenden Zuschauer sind berechtigterweise hellauf begeistert. „Brauche viele Handtücher heute“, freut sich der Sympathieträger: „Danke für die viele Liebe, die ihr mir gebt“, sagt der Hip-Hopper, wirft übergroße Ballons ins Publikum, um es mit seinem Song „Nicht wie du“ erneut mitzureißen. Noch bevor Volkan Yaman alias Apache 207 seinen größten Hit „Roller“ zum Besten gibt, scheint die Stimmung bereits auf dem Höhepunkt angelangt. „Brumm, brumm”, weit gefehlt, nach einer halben Stunde geht's erst richtig los.

Apache 207 ganz in Weiß - multimediale Show auf zwei Bühnen

Romantisch kann der Mannheimer auch. Klaviertöne erklingen zu „Doch in der Nacht“ und Abertausende vorab verteilte Kunststoff-Bänder leuchten an den Handgelenken der gebannten Zuschauer rot auf. Nach einem weiteren Kurzfilm, dem der Popstar seinen Bruder und Manager widmet, steht Apache ganz in Weiß auf der Bühne und singt „Fame“, gefolgt von „Bläulich“ und der Apache 207-Ansage: „Ich komme gleich runter zu euch ...“. In der Tat: Passend zum Stück „Boot“ besteigt er ein selbiges und segelt durch die Menschenmenge der freilich nicht bestuhlten Mercedes-Benz Arena.
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Live beweist sich Apache 207 als Rockstar mit Wurzeln im Hip-Hop

Alle tanzen auf diesem furiosen Festival. Der Kapitän verteilt viele Luftküsschen, hat seine hellauf begeisterte Fan-Crew fest im Griff und erreicht die zweite Bühne (B-Stage) in der Manegen-Mitte. Nur vom Gitarristen Max begleitet singt Apache „Oh Baby, lass uns cruisen“ aus „2 Minuten“ und setzt sein Repertoire gesanglich stark mit „Weißes Kleid“ fort. Rappen kann der Popstar unter Deutschlands Deutsch-Rappern natürlich auch. Live beweist Apache 207 sich als Rockstar mit Wurzeln im Hip-Hop, der sich bei „Wieso tust du dir das an?“ passend eine schwarze Lederjacke überzieht.

Wie auf einem Pink Floyd-Konzert – bloß mit geilerer Stimmung

Bei „Fühlst du das auch“ hebt sich die Arena-Bühne in die Höhe, eine Laserlicht-Show umrahmt das Spektakel und echte E-Gitarren jaulen auf. Als Mittfünfziger fühlt man sich wie auf einem Pink Floyd-Konzert der frühen Achtziger Jahre. Mit einem großen Unterschied – die Stimmung ist viel geiler. Absolut passend folgt „Rockstar“. Der Saal tobt, als der rappende Rockstar mit leichtem Bauchansatz seinen Oberkörper entblößt und das längst heftig brodelnde Partyfass erneut mit einer Hit-Konserve aus den Neunziger Jahren zum Überkochen bringt: „Rhythm is a dancer“ von Snap beschallt in voller Länge den Saal.
Apache 207-Konzert in der Mercedes-Benz Arena am 19.01.2023 - filmreife Bühnenkulisse.
Apache 207-Konzert in der Mercedes-Benz Arena am 19.01.2023 - filmreife Bühnenkulisse.
© Foto: Robert Niedermeier
Eine Atempause für den Künstler mit dem Hang zum Synthesizer-Sound aus dem 20. Jahrhundert. Pathetisch schön und zugleich ironisch gebrochen geht’s jetzt im wartenden Boot zurück zur Hauptbühne. „Near, far, whereever you are“ singt die Arena den Celine Dion-Hit lauthals mit. Und Apache steht mit erhobenen Armen in seinem von Helfern durch den Innenraum geschobenen Rettungsboot: „Apache, Apache, Apache ...“-Rufe füllen die dramaturgischen Lücken der Show.

Massenhysterie und Ohnmachtsanfälle in der Mercedes-Benz Arena in Berlin

Eine Gruppe von sechs in schwarzer Kampfmontur gewandten Männern trägt nach einem weiteren Kurzfilm-Schwank aus der Jugend einen Sarg auf die Bühne: „Thunfisch und Weinbrand“ performt Apache in schwarzer Lederhose und mit blankem Oberkörper. Nach „2sad2disco“ treiben stampfende Beats den Apache 207-Track „Lamborghini“ an. Den Song „Sport“ unterbricht der Sänger als eine ohnmächtige Frau von Helfern aus dem feiernden Pulk vor der Bühne gerettet werden muss. „Kurz warten bitte, hier geht’s jemanden nicht so gut“, bittet die Ursache für die in der Arena grassierende Massenhysterie um Geduld.

„Udo Lindenberg hat Grippe“, entschuldigt Rapper Apache 207 die Deutschrock-Legende

Nach dem kurzen Zwischenfall werden immer wieder fröhliche Menschen auf der Leinwand eingeblendet. „Ich muss kurz eine Raucherpause machen“, sagt der Star des Abends nach der „Sport“-Einlage und man sieht auf der Leinwand, wie Apache 207 im Fahrstuhl nach oben aufs Dach fährt, um sich dort mit dem legendären Deutschrocker Udo Lindenberg zum Paffen zu treffen.
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Es ist die Vor-Premiere des Songs „Komet“, der am selben Abend um Mitternacht auf Youtube Premiere feiert. Sehr schönes Lied, obwohl gar nicht live vorgetragen: „Udo Lindenberg hat leider eine Grippe erwischt“, klärt Apache 207 auf, „sonst hätten wir den Song hier zusammen live gerockt.“ Live geht’s mit „Angst“ weiter und schon fällt um 21.45 Uhr der rote Vorhang, damit die Zugabe-Rufe durch die Mercedes-Benz Arena hallen.

Zum Finale klingelt der Star an der Haustür des Elternhauses: „Will nach Hause.“

Es folgen noch „Vodka“, erneut „Roller“ und nach vielen Danksagungen und einem munteren Happening mit allen Tour-Mitarbeitern auf der Hauptbühne, der wirklich finale Song „Nie mehr gehen“. Sternregen fällt aufs Publikum herab. Die Fassade von Volkans „Block“ leuchtet auf: „So, ich gehe jetzt nach Hause“, verabschiedet sich Apache 207 und klingelt an der Haustür seines Elternhauses. Der rote Vorhang zieht sich zu.