Ausstellung: Produzentengalerie M zeigt Werke von vier Brandenburger Künstlern

Stiller Dialog: Ein Marmor-Kopf von Toralf Jaekel blickt auf die Bilder von Klaus Schitthelm.
Inga DreyerIhre Oberfläche wirkt wächsern und rissig. Die 30 Leinwände und gerahmten Bilder, die in unregelmäßiger Anordnung zwei Wände der Produzentengalerie M in Potsdam bedecken, zeigen feine Zeichnungen und Malereien in Öl, Grafit, Wachs und Tusche.
In dieser Serie hat sich die Künstlerin mit Herta Müllers Erzählung „Der Mensch ist ein großer Fasan auf der Welt“ beschäftigt. Es geht darin um die Geschichte einer deutschstämmigen Familie im Rumänien des Diktators Nicolae Ceausescus. Jutta Siebert, die in Lychen bei Templin lebt, hat einzelne, bildhafte Sätze aus dieser Erzählung herausgepickt und künstlerisch verarbeitet. Der Inhalt ist voller erschütternder Episoden — etwa dass sich die Tochter für eine Ausreisegenehmigung verkauft. So erklären sich die düsteren Motive der Künstlerin. Die wächserne rosafarbene Oberfläche ist verletzter Haut nachempfunden. Auf anderen Arbeiten sind Risse und Wunden, schwarze Schatten und Krähenvögel zu erkennen.
Im Ofen geräucherte Keramik
„Spuren der Stille“ lautet der Titel der aktuellen Ausstellung der Galerie des Brandenburgischen Verbandes Bildender Künstlerinnen & Künstler, in der Malerei, Grafik und Skulpturen von drei Künstlern und einer Künstlerin aus der Uckermark zu sehen sind.
Christian Uhlig zeigt im Untergeschoss Keramikfiguren, kontrastiert von gerade erst entstandenen abstrakten Bildern. „Ich hatte Lust, richtig in die Farbe zu greifen“, erzählt Uhlig. Seine Keramikfiguren, die er mit Metallsalzen gefärbt und im Ofen geräuchert hat, weisen eine ungleichmäßig farbige, matte Oberfläche auf. Eine Gruppe von auf diese Weise behandelten Häusern symbolisiere alte, zerstörte Kulturen — die wie beispielsweise in Syrien durch Kriege beschädigt wurden, berichtet der Künstler. Eine aus Keramik geformte Arche Noah stelle die Frage, ob unsere Zivilisation angesichts von Kriegen und Zerstörung seit biblischen Zeiten nicht vorangekommen sei. In anderen Arbeiten beschäftigt sich der Angermünder Künstler mit positiveren Inhalten und Motiven — beispielsweise Kranichen. Die Frühlingsboten signalisierten für ihn Aufbruch, erzählt Uhlig.
Klaus Schitthelms Malerei erzählt hingehen eher davon, was passiert, wenn nichts mehr geht. In Öl malt er dystopische Landschaften, in denen kein Mensch zu sehen ist. Der Maler und Bildhauer erschafft mit erhabenen Strukturen Wolken, Meer oder verbrannte Erde. Ein Berg sieht aus, als würde er in einer zähen, glasartigen Welle zerfließen.
Toralf Jaekels Skulpturen scheinen diese unbelebten Naturgewalten zu betrachten. Ein grauer und ein weißer, schmaler Kopf aus Marmor blicken stumm und kritisch auf das Geschehen. „Wenn wir Stille empfingen, ist es oft nicht ganz still“, sagt Jutta Siebert auf die Frage, was sie an dem Thema der Ausstellung beschäftigt. In der Serie „… aber gestern ist nicht vorbei“ arbeitete sie mit mehreren Ebenen. Feine Zeichnungen dominieren vor flächigen Malereien, die sich im Hintergrund andeuten. Das vordergründige Hier und Jetzt werde immer durch Lebenserfahrungen beeinflusst, sagt die Künstlerin. Ihre Arbeiten scheinen sich dieses Hintergrundrauschen visuell erfahrbar zu machen.
Ausstellung bis 11.8., Mi–Fr 11—17 Uhr und Sa/So 12—16 Uhr, Produzentengalerie M, Charlottenstr. 122, Potsdam, Tel. 0331 2706538,www.bbk–brandenburg.de