Ausstellung
: Rohkunstbau setzt auf Schloss Lieberose als Veranstaltungsort

Rohkunstbau feiert noch bis Mitte September seine 25. Ausstellung in Lieberose (Dahme-Spreewald) und setzt auch zukünftig auf das Schloss als Veranstaltungsort und die Mitstreiter in der Stadt.
Von
Ingrid Hoberg
Lieberose
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Das Theater 89 ist mit dem Kleist-Stück "Der zerbrochene Krug" im Lieberoser Schlosshof zu Gast gewesen. Das Rokunstbau-Objekt der türkischen Künstlerin Aise Erkmen aus Elementen des Gerüstbaus fügt sich in den Raum ein.

Ingrid Hoberg

Dessen ungeachtet, pilgern seit Ende Juni an den Wochenenden oft mehr als 100 Besucher von Berlin bis Dresden nach Lieberose. Mehr als 2200 Gäste haben inzwischen die Jubiläums-Ausstellung im 27. Rohkunstbau-Jahr besucht, die noch bis 20. September zu sehen ist. Eine Zahl, über die sich Inka Thunecke vom Vorstand des Vereins der Freunde des Rohkunstbau freut. Die Einschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie hatten ein Eröffnungsfest für die 25. Ausstellungnicht erlaubt. Nun gab es für Förderer, Freunde und Akteure eine Einladung ins Schloss und in den Park,um sich mit dem Thema „Zärtlichkeit – Über das Zusammenleben“ auseinanderzusetzen. Im ansonsten leer stehenden Barockschloss präsentieren 20 Künstlerinnen und Künstler, die in den Jahren zuvor bereits an diesem Festival teilgenommen hatten,aktuelle Arbeiten.

„Rohkunstbau war auf dem Land und blieb auf dem Land – bis auf einen kleinen Ausflug nach Potsdam“, stellt Thunecke in ihrer Festrede klar. Seit 2003 ist sie mit Rohkunstbau verbunden und wie Dr. Arvid Boellertim Vorstand tätig. Er verweist darauf, wie wichtig ihr Wirken in der jüngsten Vergangenheit gewesen sei, dass Rohkunstbau weiterhin existiert. Seit den Anfangsjahren selbst dabei, erweist er sich bei der Festveranstaltung im Park als Rosenkavalier. Er dankt dem langjährigen Kurator Mark Gisbourne und Künstlern, die an diesem Tag nach Lieberose gekommen sind, mit Rosen für ihr Mitwirken. Unter ihnen ist Michael Brendel, zuhause zwischen Niederem Fläming und Spreewald. Im Jahr 2003 war er mit seinem Werk „Die Nacht des Alchimisten“ dabei. Damals hatte er sich sogar eine Nacht im Schloss Groß Leuthen eingeschlossen, um die Atmosphäre zu spüren. „Rohkunstbau bietet einen weiten Rahmen für die Künstler“, sagt er.

Mark Gisbourne hat 14 Ausstellungen begleitet. „Jede Installation behandelt die Unmittelbarkeit der Welt, wenngleich diese Unmittelbarkeit dadurch doppelt und destilliert wird, dass jeder Künstler erfahren hat, was es heißt, frei zu sein“, schrieb er zum Katalog „Drei Farben. Blau“ über ästhetische Freiheit. Wie dieses Prinzip in diesem Jahr umgesetzt ist, haben die Gäste der Festveranstaltung zuvor bei einer Führung mit Dr. Heike Fuhlbrügge sehen können. Sie hat die bereits im vergangenen Jahr konzipierte Jubiläumsausstellung unter den aktuellen Bedingungen mit eigenen Akzenten kuratiert. Der aktuelle Katalog ist noch in Arbeit.

„Für das kommende Jahr sind wir mit ihr dabei, das nächste Thema zu entwickeln“, kündigt Inka Thunecke an. „Wir arbeiten daran, wieder ein Festival aufzubauen und haben eine feste Kooperation mit dem Theatre Blau Potsdam, einem internationalen Theaternetzwerk geschlossen“, sagt sie. Auch mit diesem Ansatz wird fortgeführt, was Rohkunstbau schon in der Vergangenheit praktizierte. Arvid Boellert hat den Bogen zum Theater 89 geschlagen, mit dem es schon Verbindungen gab und das diesmal am Abend im Schlosshof mit „Der zerbrochene Krug“ von Heinrich von Kleist zu Gast war. Die Truppe unter der künstlerischen Leitung von Hans-Joachim Frank brachte das bekannte Lustspiel über den Dorfrichter Adam auf die Bühne. Veranstaltet vom Förderverein Lieberose, freute sich Vorsitzender Dieter Klaue über ein ausverkauftes Haus – entsprechend den Corona-Auflagen mit 140 begeisterten Zuschauern. „Wir kommen wieder“, kündigten die Theaterleute an. Das quittierten die Zuschauer mit viel Applaus.

Und auch der Verein der Freunde des Rohkunstbau sieht seine Zukunft in Lieberose. „Die Umgebung ist gut für ein international ausgerichtetes Kunstprojekt“, sagt Inka Thunecke mit Blick auf die Nähe zu Cottbus und Frankfurt (Oder) mit dem Brandenburgischen Landesmuseum für moderne Kunst und dem Austausch im interkommunalen Kunstraum Spreewald."Das wichtigste jedoch ist das Schloss“, betont sie. Doch es steht nun zum Verkauf und könnte dann „bald nicht mehr für eine Nutzung zum Wohle der Allgemeinheit zur Verfügung stehen“, befürchtet sie. Gemeinsam mit dem Förderverein Lieberose setze man sich dafür ein, dass dies nicht passiert. Es soll gemeinsam an einem tragfähigen Konzept gearbeitet werden. Den ersten Besuch von Staatssekretär Tobias Dünow (SPD) in Lieberose nutzte der Verein für intensive Gespräche. Das Land fördert die diesjährige Rohkunstbau-Schau mit 20.000 Euro.

Landtagsabgeordnete Isabell Hiekel (Bü 90/Die Grünen), unterstützt die Akteure um den Förderverein Lieberose, die sich dafür einsetzen, dass das Schloss nicht verkauft wird. Sie will die Idee, dass die INA (Internationale Naturausstellung) Räume übernimmt, nicht aufgeben. Gemeinsam mit den Ministerien des Landes sollte nach Lösungen für das Schloss gesucht werden.