Anstelle von Krisenmodus scheint die Berlinale endlich in gewohntes Terrain zurückzufinden: ins Kino. „Wir sind jetzt wieder voll dabei“, so formulierte es Mariette Rissenbeek bei der Vorstellung des Programms für die 73. Ausgabe des Filmfestivals am Montag.
Nach zwei Jahren mit Online-Varianten und nur teilweiser Auslastung freue man sich, diesmal wieder „mit vollen Kapazitäten“ spielen zu können, so die Festival-Geschäftsführerin. Das Publikum kann also wieder ohne Einschränkungen in die Kinosäle strömen. Welche Filme dort für den Goldenen Bären ins Rennen gehen, ist nun auch bekannt.

Von Animation über Dokus bis hin zu viel Melodramatik bei Berlinale

Die vom künstlerischen Leiter Carlo Chatrian vorgestellte Auswahl für den Wettbewerb umfasst insgesamt 18 Filme. Von Animation über Dokumentarfilme, Komödien und Historienfilme bis hin zu viel Melodramatik – die Liste ist ein bunter Genre-Mix. Ein Mix, der auch einige bekannte Namen des deutschen Kinos beinhaltet: Gleich fünf deutsche Filmemacherinnen und Filmemacher sind 2023 im Wettbewerb vertreten.
Vicky Krieps als Ingeborg Bachmann in einer Szene des Films "Ingeborg Bachmann - Reise in die Wüste" von Margarethe von Trotta.
Vicky Krieps als Ingeborg Bachmann in einer Szene des Films „Ingeborg Bachmann - Reise in die Wüste“ von Margarethe von Trotta.
© Foto: Wolfgang Ennenbach/Berlinale/dpa
So feiert etwa Margarethe von Trottas neuer Film „Ingeborg Bachmann – Reise in die Wüste“ auf der Berlinale Weltpremiere. Die Schriftstellerin wird darin von Vicky Krieps dargestellt, Ronald Zehrfeld ist als Max Frisch zu sehen. Ebenfalls im Wettbewerb vertreten ist Christian Petzold mit „Roter Himmel“, einem Melodrama, das zwischen Symbolismus und Realismus changiert und Paula Beer in der Hauptrolle zeigt. Sie war bereits in Petzolds Film „Undine“ zu sehen, der 2020 im Berlinale-Wettbewerb lief.

Auch Angela Schanelec ist wieder im Wettbewerb vertreten

Eine weitere alte Bekannte ist die Filmemacherin Angela Schanelec. Sie gewann 2019 den Regiepreis des Festivals und ist diesmal mit ihrem Film „Music“ dabei, einer lose an den Ödipus-Mythos angelehnten Geschichte. Auch der Münchner Regisseur Christoph Hochhäusler darf sich mit der Noir inspirierten Detektiv-Story „Bis ans Ende der Nacht“ Hoffnung auf einen Goldenen Bär machen. Genau wie Emily Atef, die mit ihrer Romanverfilmung „Irgendwann werden wir uns alles erzählen“ ins Rennen geht.
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Auch Frankreich (Nicolas Philibert, Philippe Garrel), Portugal (João Canijo) und Spanien (Estibaliz Urresola Solaguren) haben es auf die Wettbewerbs-Liste geschafft. Insgesamt sind Produktionen aus 19 Ländern vertreten. Mit John Trengoves „Manodrome“ über einen jungen Mann, der sich in einem libertären Männlichkeitskult wiederfindet, werden sogar einige Hollywood-Stars (Jesse Eisenberg, Adrien Brody) von den Berlinale-Leinwänden strahlen. Einen Beitrag von einem der Streaming-Anbieter sucht man allerdings erneut vergeblich.

Der Eindruck von Carlo Chatrian: „Die Realität ist zurück“

„Bei der diesjährigen Auswahl hatten wir den Eindruck, dass die Realität zurück ist“, sagte Carlo Chatrian zum vorgestellten Programm. Dabei schwingt vor allem viel Traurigkeit mit, was sich in einer vergleichsweise hohen Zahl an Melodramen niederschlägt. Weniger zahlreich vertreten sind hingegen Filme aus arabischen Ländern. Dass solche erneut nicht im Wettbewerb repräsentiert sind, gestand auch der künstlerische Leiter der Berlinale. Auffangen sollen dieses Defizit allerdings eine Reihe von Veranstaltungen, die Solidarität mit den Protesten im Iran wie auch anderen Regionen der Welt ausdrücken sollen.
Dass die „allgemeine Weltlage“ auch auf der Berlinale eine Rolle spielen soll, wie Mariette Rissenbeek betonte, zeigt sich vor allem in einem weiteren Schwerpunkt: so will man auch den Angriffskrieg auf die Ukraine – der Beginn der Invasion jährt sich am 24. Februar und damit mitten im Festivalbetrieb – mit zahlreichen Veranstaltungen, Filmen und Aktivitäten präsent halten. „Unsere große Aufmerksamkeit liegt auf den Filmschaffenden aus diesen Ländern“, so die Berlinale-Geschäftsführerin.

Sean Penns Doku „Superpower“ feiert auf Berlinale Weltpremiere

Oscar-Preisträger Sean Penn (l) und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in einer Szene des Dokumentarfilms "Superpower"
Oscar-Preisträger Sean Penn (l) und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in einer Szene des Dokumentarfilms „Superpower“
© Foto: The People's Servant/Berlinale/dpa
Solidität mit dem osteuropäischen Land soll dabei nicht nur ein Ansteck-Pin in Form des Berlinale-Bären in den ukrainischen Nationalfarben ausdrücken. Auf besonders großes Interesse dürfte vielmehr die Dokumentation „Superpower“ stoßen. Für seinen Film über Wolodymyr Selenskyj begleitete Oscar-Preisträger Sean Penn den ukrainischen Präsidenten just zu der Zeit, als Russland in sein Land einmarschierte. Der Film feiert auf dem Berliner Filmfestival Weltpremiere. Auch in Sektionen wie „Berlinale Shorts, „Panorama“ und „Encounter“ sind Filmvorführungen zum Thema Ukraine geplant. Eine vollständige Liste über Programminhalte, die sich mit dem Iran und der Ukraine auseinandersetzen, will die Festivalleitung allerdings erst noch bekannt geben.
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Internationale Filmfestspiele Berlin 2023

Die Berlinale gehört neben Cannes und Venedig zu den großen Filmfestivals. Geleitet wird es seit 2020 von Carlo Chatrian und Mariette Rissenbeek. Die nächste Ausgabe findet vom 16. bis 26. Februar statt. Alle Infos sowie das Programm gibt es unter www.berlinale.de