Berlinale 2025
: Das sind die Gewinner - und so lief die Gala

Die Spannung war groß: Wie endet Tricia Tuttles erste Berlinale? So verlief die Abschlussgala - und das sind die Preisträger.
Von
Christina Tilmann
Berlin
Jetzt in der App anhören
75. Berlinale - Abschlussgala: 22.02.2025, Berlin: Der norwegische Regisseur und Drehbuchautor Dag Johan Haugerud freut sich über den Goldenen Bären für den besten Film «Drømmer» (deutscher Titel: «Oslo Stories: Träume», internationaler Titel: «Dreams (Sex Love)») bei der  Preisverleihung der Berlinale-Abschlussgala. Die 75. Internationalen Filmfestspiele Berlin finden vom 13. bis 23. Februar 2025 statt. Foto: Soeren Stache/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Der norwegische Regisseur und Drehbuchautor Dag Johan Haugerud freut sich über den Goldenen Bären für den besten Film «Drømmer» (deutscher Titel: «Oslo Stories: Träume», internationaler Titel: «Dreams (Sex Love)») bei der Preisverleihung der Berlinale-Abschlussgala.

Soeren Stache/dpa
  • Berlinale 2025: Dag Johan Haugerud gewinnt Goldenen Bären für "Drømmer".
  • Dokumentarfilm "Holding Liat" über israelische Geisel gewinnt Filmpreis.
  • Silberne Bären an Rose Byrne, Andrew Scott, Gabriel Mascaro und Huo Meng.
  • Jurypräsident Todd Haynes lobt Berlinale und kritisiert politischen Kontext.
  • Preisverleihung verlief ohne Zwischenfälle, bewegend und konzentriert.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

„Bitte gehen Sie ins Kino“, beschwört Moderatorin Desirée Nosbusch das Publikum zum Abschluss der Berlinale. „Es wird Ihr Leben so viel schöner machen.“ Dag Johan Haugerud, der Regisseur des norwegischen Preisträgerfilms „Drømmer“ (Träume), hat einen anderen Rat bereit: „Schreiben Sie mehr. Lesen Sie mehr. Es erweitert Ihren Kopf. Und es ist gut für Sie.“

Gute Ratschläge zum Abschluss einer Preisverleihung, die bewegend, konzentriert und ohne Eklats von Statten ging. Groß war die Nervosität nach der missglückten Abschlussgala im vergangenen Jahr gewesen, auch nach einem erneuten antisemitischen Vorfall auf dem Festival in diesem Jahr. Und auch der Angriff auf einen spanischen Touristen am nahegelegenen Holocaust-Mahnmal am Abend zuvor wirkte noch nach. Moderatorin Desirée Nosbusch nahm sich einen Moment der Stille und des Gedenkens - so wie sie es bei der Eröffnungsgala schon für die Opfer des Münchner Attentats getan hatte.

Preis für eine Doku über eine israelische Geisel

Doch dann kam, früh am Abend, der mit 40.000 Euro dotierte Dokumentarfilmpreis für den Film „Holding Liat“, der die Familie der als Geisel verschleppten Liat Beinin Atzili in ihrem Bangen um das Schicksal der geliebten Tochter und Verwandten begleitet. Und Regisseur Brandon Kramer, selbst mit Liat verwandt, sagte in seiner Dankesrede, das Team habe ein „seltenes Fenster“ in die Seele einer Familie bekommen, die mit ihren Konflikten zu kämpfen hatte. Die Familie habe an ihren Geliebten festhalten wollen und gleichzeitig nach einer friedlichen Zukunft für Israelis und Palästinenser gesucht. Viele hätten davon abgeraten, eine solche Geschichte zu erzählen, weil sie nicht in eine einfache Kategorie passe, führte der Regisseur aus. Doch genau dies sei der Grund, warum sie erzählt werden müsse. „Die Nuancen einer Familie zu erzählen, die die unterschiedlichen Positionen verhandeln muss - ihre Trauer und ihre Empathie für andere -, fühlte sich universell an und dringlicher denn je“, sagte Kramer.

776288229: US director Brandon Kramer (L) and US producer Lance Kramer pose with their Berlinale Documentary Award on the red carpet after the closing gala of the 75th Berlinale International Film Festival in Berlin, on February 22, 2025. (Photo by Tobias SCHWARZ / AFP)

Beschwören die Menschlichkeit: Regisseur Brandon Kramer (L) and Produzent Lance Kramer, die für „Holding Liat“ den Dokumentarfilmpreis erhielten.

Tobias Schwarz/afp

Das war einer der Höhepunkte der Preisverleihung. Ein weiterer war die Schilderung von Jurypräsident Todd Haynes, wie sie beim Empfang bei Bundeskanzler Olaf Scholz im Kanzleramt auf den Balkon getreten seien und auf Berlin geblickt hätten, diese Stadt, die sich wie keine andere habe neu erfinden müssen. Sie hätten alle einen großen Ernst gefühlt in dieser Situation, in der wir gerade sind, so der US-amerikanische Regisseur, der aus seiner Kritik an dem neuen Präsidenten seines Landes auch auf dem Festival keinen Hehl gemacht hatte, mit Blick auf die deutschen Bundestagswahlen am Sonntag. Und auch der Rumäne Radu Jude, der für seinen Film Kontinental25 mit dem Preis für das beste Drehbuch ausgezeichnet wurde, orakelte: „Und weil morgen auch noch die Wahlen hier in Deutschland sind, hoffe ich einfach mal, dass das nächste Festival nächstes Jahr nicht mit dem „Triumph des Willens“ von Leni Riefenstahl eröffnet wird.“

Siegerfilm porträtiert eine verliebte 17-Jährige

Der Siegerfilm „Drømmer“, der überraschend, aber zu Recht mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet wurde, setzt dagegen ein starkes Plädoyer für Liebe, Träume und Wahrhaftigkeit. Er erzählt die Geschichte der 17-jährigen Schülerin Johanne (Ella Øverbye), die sich in ihre Lehrerin verliebt. Ihre Tagebuchnotizen, die schließlich als Buch herauskommen, beschämen durch die Reinheit der Gefühle und die Reflektiertheit ihrer Haltung das Umfeld aus Mutter, Großmutter und Lehrerin, die ihre eigenen, schal gewordenen Träume in der Sehnsucht des Mädchens gespiegelt sehen.

„Drømmer“ (internationaler Titel: „Dreams“) ist der dritte Teil einer Trilogie von Haugerud, in der es um Liebe und Sexualität geht. Der Film sei eine Meditation über die Liebe, sagte Jury-Präsident Todd Haynes bei der Preisverleihung am Samstagabend in Berlin. Er vereine klare Beobachtung, kluge Kamera und perfekte Performance. Und was gäbe es Schöneres, als eine Berlinale mit einer Hommage an Träume zu enden? Sie hätten alle wenig geschlafen, bekennt Tricia Tuttle bei ihrer Begrüßung. Doch viel geträumt haben sie alle - im Kino und danach.

Silberne Bären für Brasilien und Argentinien

Den Silbernen Bären für die beste schauspielerische Leistung in einer Hauptrolle nahm die Australierin Rose Byrne für „If I Had Legs I'd Kick You“ entgegen. Der Ire Andrew Scott („Sherlock“) wurde für seine Nebenrolle im Kammerspiel „Blue Moon“ geehrt. Er bedankte sich per Videobotschaft.

Der Große Preis der Jury ging an den poetischen Spielfilm „O último azul“ („The Blue Trail“) des brasilianischen Regisseurs Gabriel Mascaro. Den Preis der Jury erhielt die elegische Familiensaga „El mensaje“ („The Message“) des argentinischen Regisseurs Iván Fund. Die Auszeichnung für die beste Regie bekam der chinesische Filmemacher Huo Meng für sein Gesellschaftspanorama „Sheng xi zhi di“ („Living the Land“).

Für eine herausragende künstlerische Leistung wurde das kreative Ensemble von „La Tour de Glace“ („The Ice Tower“) geehrt. Im vorigen Jahr hatte die Raubkunst-Doku „Dahomey“ von Mati Diop den Goldenen Bären gewonnen.

Die Preise im Überblick

Goldener Bär für den Besten Film: „Drømmer“ von Dag Johan Haugerud

Silberner Bär Großer Preis der Jury: „O último azul“ („The Blue Trail“) von Gabriel Mascaro

Silberner Bär Preis der Jury: „El mensaje“ („The Message“) von Iván Fund

Silberner Bär für die Beste Regie: Huo Meng für „Sheng xi zhi di“ („Living the Land“)

Silberner Bär für die Beste Schauspielerische Leistung in einer Hauptrolle: Rose Byrne für „If I Had Legs I'd Kick You“

Silberner Bär für die Beste Schauspielerische Leistung in einer Nebenrolle: Andrew Scott für „Blue Moon“

Silberner Bär für das Beste Drehbuch: Radu Jude für „Kontinental '25“

Silberner Bär für eine Herausragende Künstlerische Leistung: Das kreative Ensemble von „La Tour de Glace“ („The Ice Tower“) (Regie: Lucile Hadžihalilović)

GWFF Preis bestes Spielfilmdebüt: „El Diablo Fuma (y guarda las cabezas de los cerillos quemados en la misma caja)“ von Ernesto Martínez Bucio („The Devil Smokes (and Saves the Burnt Matches in the Same Box“)

Berlinale Dokumentarfilmpreis: „Holding Liat“ von Brandon Kramer