Berlinale 2025
: Was die neue Chefin Tricia Tuttle plant

Am 13. Februar 2025 startet die 75. Berlinale - mit neuer Leitung und jede Menge Prominenz. Was wird geboten, und was ist neu?
Von
Christina Tilmann
Berlin
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75. Berlinale - Pressekonferenz: 21.01.2025, Berlin: Berlinale-Chefin Tricia Tuttle steht beim 75-jährigen Jubiläum der Internationalen Filmfestspiele Berlin, der Berlinale, bei der Pressekonferenz im Haus der Kulturen der Welt. Foto: Jens Kalaene/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Berlinale-Chefin Tricia Tuttle steht beim 75-jährigen Jubiläum der Internationalen Filmfestspiele Berlin, der Berlinale, bei der Pressekonferenz im Haus der Kulturen der Welt.

Jens Kalaene/dpa
  • Die 75. Berlinale startet am 13. Februar 2025 unter der neuen Chefin Tricia Tuttle.
  • Das Biopic „Like A Complete Unknown“ über Bob Dylan wird in einer Special-Gala gezeigt.
  • Eine neue Festivalreihe Perspectives für Debütfilme wurde eingeführt.
  • Die Eröffnungsgala wird bundesweit live in sieben Städte übertragen.
  • Tricia Tuttle betont die Wichtigkeit eines offenen Diskurses trotz politischer Spannungen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die größte Nachricht war zwar schon erwartet, nun ist sie bestätigt: Das Biopic „Like A Complete Unknown“ über Musik-Legende Bob Dylan mit Hollywoodstar Timothée Chalamet in der Hauptrolle wird tatsächlich in einer Special-Gala auf der Berlinale gezeigt werden.

Tricia Tuttle, die neue Chefin der Berlinale, verkündet diese Nachricht so cool, wie sie durchs ganze Programm führt: leger in hellgrüner Seiden-Bomberjacke, grauem Rolli und Sneakers moderiert sie gelassen und klar durch die Pressekonferenz, wechselt nach einigen Begrüßungssätzen auf Deutsch ins Englische und stolpert nur beim deutschen Genderwort Pressekolleg:innen.

Das Festival wieder auf Kurs bringen

Die 55-jährige US-Amerikanerin hat die Festivalleitung im vergangenen Jahr von Carlo Chatrian und Mariette Rissenbeek übernommen, deren fünfjährige Amtszeit als eher glücklos bewertet werden muss. Tuttle, die zuvor das London Film Festival leitete, sollte das Festival, das durch die Pandemie, durch wegbrechende Sponsoren und zuletzt einen Eklat bei der Preisverleihung 2024 ins Schlingern gekommen war, wieder auf Kurs bringen - und sagt ehrlich, dass es ein herausforderndes Jahr gewesen sei: „Aber es würde verrückt sein, sich über Herausforderungen zu beklagen, wenn man gleichzeitig ein so professionelles Team habe wie bei der Berlinale.“

Änderungen gibt es trotzdem einige: Eine neue Festivalreihe Perspectives für Debütfilme wurde eingerichtet, in der u.a. Constanze Klaues „Mit der Faust in die Welt schlagen“ über zwei Jugendliche in Ostdeutschland läuft. Die Seat-Tochter Cupra steigt als Sponsor mit ein, stellt die Festivalflotte und stiftet einen Preis für den besten Kurzfilm. Zuletzt hatte der Bund noch einmal fast zwei Millionen Euro zugeschossen, um das Festival zu stabilisieren. Die Eröffnungsgala wird bundesweit live in sieben Städte, von Düsseldorf bis Leipzig und von Hamburg bis München übertragen.

Übertragen wird auch der Eröffnungsfilm „Das Licht“ von Regisseur Tom Tykwer, den Tuttle ebenso als Dauergast bei der Berlinale begrüßt wie die Schauspielerin Tilda Swinton, die mit dem Ehrenbären ausgezeichnet wird, oder den Regisseur Todd Haynes („Carol“), den Präsidenten der Internationalen Jury. Starke deutsche Präsenz gibt es auch in anderen Reihen, etwa bei der Gala, die Petra Volpes Film „Heldin“ zeigt - die Schauspielerin Leonie Benesch („Das Klassenzimmer“) spielt hier eine überforderte Pflegekraft.

Oder der 92-jährige „Heimat“-Regisseur Edgar Reitz, der mit „Leibnitz - Chronik eines verschollenen Bildes“ vertreten ist. Burhan Qurbani, dessen „Berlin Alexanderplatz“-Adaptation 2020 im Wettbewerb lief, nimmt sich nun Richard III. vor und verlegt das Geschehen in das Berlin von heute, in eine Auseinandersetzung zwischen zwei arabischstämmigen Familien. Und Marcin Wierzchowski hat mit „Das Deutsche Volk“ einen Dokumentarfilm über das Massaker von Hanau gedreht. Das hatte vor fünf Jahren ausgerechnet am Tag vor der Berlinale-Eröffnung stattgefunden.

Deutscher Film im Wettbewerb

Insgesamt sind im Wettbewerb 19 Filme vertreten, darunter der neue Film „Blue Moon“ von Richard Linklater und „What does this nature say to you“ von Festival-Dauergast Hong Sansoo. Deutschland ist mit „Was Marielle weiß“ von Frédéric Hambalek vertreten, mit Julia Jentsch und Felix Kramer als Eltern, deren Tochter plötzlich hellseherische Fähigkeiten entwickelt.

Als Stars werden Marion Cotillard, Jessica Chastain, Fiona Shaw, Nicolette Krebitz, Nina Hoss, Lars Eidinger und Ethan Hawke zu erleben sein. Mit dem Dokumentarfilm „Timestamp“ von Kateryna Gornostai über eine Schulklasse in Kriegszeiten ist auch die Ukraine im Wettbewerb vertreten.

Am Ende wird es doch noch mal politisch: Das sei so in die DNA des Festivals und der Stadt eingeschrieben, betont Tricia Tuttle zum 75. Jubiläum, und trotzdem hoffe sie, dass man auch über Filme sprechen werde, in einem offenen Diskurs.

Filmemacher aus arabischen Ländern hätten nach dem Eklat um die Preisverleihung im vergangenen Jahr Sorgen geäußert, ob das Festival noch ein Ort der freien Meinungsäußerung sein könne. Und mit Blick auf die Bundestagswahlen, die am 23. Februar am letzten Festivaltag, dem Publikumstag, stattfinden, rät die Chefin: „Gehen Sie wählen. Und dann gehen Sie ins Kino, Filme gucken.“

Die 75. Berlinale findet vom 13. bis 23. Februar statt. Alle Infos unter www.berlinale.de