Berlinale 2026: Goldener Bär für Deutschland, Debatten bei der Preisverleihung

Fertig zur Preisverleihung: Tricia Tuttle, Intendantin der Berlinale, hält während eines Pressetermins zu der Produktion der Berlinale Bären in der Bildgießerei Hermann Noack einen Muster-Bären in der Hand. Insbesondere für Deutschland gab es in diesem Jahr viel Grund zur Freude.
Sebastian Christoph Gollnow/dpa- Goldener Bär: „Gelbe Briefe“ von İlker Çatak – deutscher Hauptgewinn.
- Silberner Bär Hauptrolle: Sandra Hüller für „Rose“ von Markus Schleinzer.
- Preisverleihung emotional und politisiert: Statements, Zwischenrufe, Saalverlassen.
- Kontroverse Reden: Marie-Rose Osta, Abdallah Alkhatib; Kritik an Bundesregierung.
- Weitere Preisträger: u. a. „Queen at Sea“, „Everybody Digs Bill Evans“, „Yawman ma walad“.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Ein großer Abend für den deutschen Film: Nicht nur ging der Hauptpreis der 76. Berlinale, der Goldene Bär für den besten Film, an einen deutschen Film: İlker Çataks „Gelbe Briefe“, der die Geschichte eines türkischen Künstlerehepaars, das in die Fänge staatlicher Verfolgung und Unterdrückung gerät, quasi „im Exil“ in Berlin und Hamburg erzählt.
Auch der Silberne Bär für die beste schauspielerische Leistung ging an eine Deutsche, nämlich die vielfach ausgezeichnete Sandra Hüller. Für ihre Rolle als Frau, die im 17. Jahrhundert als Mann verkleidet versucht, sich eine eigene Existenz aufzubauen, ist die Schauspielerin vielfach gerühmt worden.
Berlinale 2026: Eine emotionale, politisierte Preisverleihung
Mit der Preisverleihung am 21.2. im Berlinale-Palast endet eine extrem politisierte Berlinale wiederum politisch: Unzählige Statements beschworen den Wert der freien Meinungsäußerung und des offenen Diskurses. Die aufgeheizte Stimmung, die sich in Zwischenrufen wie „Bereit Gaza von der Hamas“ bis zu „Ihr habt ja keine Ahnung“ entlud, brachte auch Moderatorin Desirée Nosbusch sichtlich ins Straucheln und zu einer ehrlichen, ja souveränen Bekenntnis: „Das alles macht hier was mit mir“.
Auch bei der Preisverleihung selbst spielte das Thema eine Rolle. So beklagte die libanesische Regisseurin Marie-Rose Osta, die für ihren Kurzfilm „Yawman ma walad“ ("Someday a Child") auszeichnet wurde, dass der Waffenstillstand nicht eingehalten werde und zahlreiche Kinder im Libanon und in Gaza von israelischen Bomben bedroht würden.
Applaus, Zwischenrufe und ein Minister, der den Raum verlässt
Der syrisch-palästinensische Regisseur Abdallah Alkhatib, der für sein Debüt „Chronicles from the Siege“ einen Preis erhielt, beschuldigte die Bundesregierung, sich am Genozid Israels zu beteiligen. Alkhatib, der eine palästinensische Flagge mit auf die Bühne brachte, sagte, eines Tages werde es ein wunderbares Filmfestival in Gaza geben. „Wir werden uns an jeden erinnern, der an unserer Seite stand, und wir werden uns an jeden erinnern, der gegen uns war“, sagte er. „Ein freies Palästina von jetzt bis ans Ende der Welt.“ Im Saal waren Applaus und auch Zwischenrufe zu hören.

Spaltet das Publikum: Abdallah Alkhatib , Regisseur vom Film «Chronicles from the Siege», nutzt dieÜbergabe des GWFF Preis Bestes Spielfilmdebüt während der Preisverleihung bei der Abschlussgala im Berlinale Palast für ein politisches Statement auf der Bühne.
Christoph Soeder/dpaBundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) distanzierte sich von der Rede. Er sei als einziger Vertreter der Bundesregierung bei der Gala gewesen und habe während der Rede den Saal verlassen, teilte ein Sprecher seines Ministeriums mit. Schneider halte die Aussagen „für nicht akzeptabel“.
Statements von Tricia Tuttle und Wim Wenders
Festivalleiterin Tricia Tuttle und Jurypräsident Wim Wenders, die für vermeintlich unpolitische Aussagen hart angegangen worden waren, bezogen beide mit ausführlichen Statements Stellung. „Vorher müssen wir reden“, erklärte Wim Wenders, bevor es an die Verleihung der Bären ging, und las ein längeres Statement ab: „Wie die Filme der Berlinale deutlich zeigen, applaudieren euch die meisten von uns Filmemachern. Wir alle applaudieren euch. Ihr macht eine notwendige und mutige Arbeit, aber muss sie in Konkurrenz zu uns stehen? Müssen unsere Sprachen aufeinanderprallen?“
Festivalchefin Tricia Tuttle, der man die Strapazen der vergangenen Tage deutlich ansah, sagte: „Wir sind in diesem Jahr auch öffentlich herausgefordert worden, und das ist gut so. Es hat sich nicht immer gut angefühlt, aber es ist gut, weil es bedeutet, dass die Berlinale den Menschen wichtig ist.“ Doch die klarsten Worte fand wieder einmal Sandra Hüller in ihren frei vorgetragenen Dankesworten: „Ich saß die ganze Zeit hier im Saal und hörte mir alles an, was hier gesagt wurde, und kann nur sagen: Ihr habt alle Recht. Wir hören euch. Und was für ein Privileg ist es doch, wenn so viele Menschen ihre Wahrheit sagen dürfen“. Der Berlinale war ein „institutionelles Schweigen“ zum Gaza-Konflikt vorgeworfen worden.
Hier sind die Preise im Einzelnen:
Goldener Bär für den Besten Film
Gelbe Briefe (Yellow Letters) von İlker Çatak

Gewinner des Goldenen Bären: der deutsche Regisseur Ilker Catak (“Das Lehrerzimmer“)
RONNY HARTMANN/AFPSilberner Bär Großer Preis der Jury
Kurtuluş (Salvation) von Emin Alper
Silberner Bär Preis der Jury
Queen at Sea von Lance Hammer
Silberner Bär für die Beste Regie
Grant Gee für Everybody Digs Bill Evans
Silberner Bär für die Beste Schauspielerische Leistung in einer Hauptrolle
Sandra Hüller in: Rose von Markus Schleinzer

Ihr zweiter Silberner Bär: Sandra Hüller zeigt ihre Auszeichnung, den Silbernen Bären für die beste schauspielerische Leistung in einer Hauptrolle im Film "Rose" nach der Preisverleihung bei der Abschlussgala im Berlinale Palast. Vor 20 Jahren, 2006, hatte sie für ihr Debüt in „Requiem“ schon einmal die Trophäe gewonnen.
Sebastian Christoph Gollnow/dpaSilberner Bär für die Beste Schauspielerische Leistung in einer Nebenrolle
Anna Calder-Marshall & Tom Courtenay in: Queen at Sea von Lance Hammer
Silberner Bär für das Beste Drehbuch
Geneviève Dulude-de Celles für Nina Roza von Geneviève Dulude-de Celles
Silberner Bär für eine Herausragende Künstlerische Leistung
Yo (Love is a Rebellious Bird) von Anna Fitch, Banker White
Goldener Bär für den Besten Kurzfilm
Yawman ma walad (Someday a Child) von Marie-Rose Osta
Mit dem Preis des Goldenen Bären erlangt der Film die Teilnahmeberechtigung für den Wettbewerb um den Kurzfilm-Oscar® im nächsten Jahr.
Silberner Bär Preis der Jury (Kurzfilm)
A Woman’s Place Is Everywhere von Fanny Texier
Berlinale Shorts CUPRA Filmmaker Award
Di san xian (Kleptomania) von Jingkai Qu
Der Preis ist dotiert mit 20.000 Euro Berlin Short Film Candidate for the European Film Awards
Der Gewinnerfilm ist der Berliner Kandidat für die Preiskategorie „European Short Film".
Gläserner Bär für den besten Film Generation 14 plus und großer Preis der Internationalen Jury
Chicas Tristes (Sad Girlz) von Fernanda Tovar
Gläserner Bär für den besten Kurzfilm Generation 14 plus
Memories of a Window von Mehraneh Salimian, Amin Pakparvar
Spezialpreis der Internationalen Jury für den besten Kurzfilm in der Generation 14plus
The Thread von Fenn O'Meally
GWFF Preis für das beste Spielfilmdebüt
Chronicles From the Siege von Abdallah Alkhatib, produziert von: Taqiyeddine Issaad, Salah Issaad
Berlinale Dokumentarfilmpreis
If Pigeons Turned to Gold von Pepa Lubojacki, produziert von: Klára Mamojková, Wanda Kaprálová
Panorama Publikumspreis
Staatsschutz von Faraz Shariat
Preisträger Dokumentarfilm 2026
Traces von Alisa Kovalenko & Marysia Nikitiuk
Leserjury der Berliner „Morgenpost“
Moscas von Fernando Eimbcke
Leserjury des „Tagesspiegel“
I Built a Rocket Imagining Your Arrival von Janaína Marques





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