Berliner Rundfunk Open Air 2023: ABC bis Weather Girls – die 80er beim Festival in der Wuhlheide
„It’s raining men, hallelujah, it‘s raining men“, singen die beiden Weather Girls voller Begeisterung, denn von Regentropfen ist am Sonnabend in der Wuhlheide keine Spur. Doch nicht nur das gute Wetter und die geballte Energie der Weather Girls sorgen für eine tolle Stimmung, auch jeder einzelne Künstler, der am Sonnabend die Parkbühne in Berlin rockt.
Zum Auftakt heizen die beiden Damen der Menge kräftig ein. Von Raining Men bis Pride Strong weiß das musikalische Duo, wie Partystimmung aufkommt. In ihren paillettenbesetzten weißen Kleidern glitzern sie im Sonnenlicht förmlich in alle Richtungen. 40 Minuten lang lassen sie keine Gelegenheit aus, Luftküsse oder ein keckes Augenzwinkern an die Zuschauer zu verteilen. Natürlich bleibt auch Zeit für den einen oder anderen Wetterwitz. Immerhin reden wir hier von den Weather Girls.
Auf der Bühne nicht zu halten
Sydney Youngblood hingegen bringt einen besonderen Pep mit nach Berlin. Er kann trotz seiner sehr entspannten, fast schon ruhigen Art hinter der Bühne die Füße nicht stillhalten. Ein Highlight seines Auftritts ist es, als er anfängt, berühmte Künstler wie Michael Jackson oder Mariah Carey zu imitieren.
Egal, ob VIP-Gäste oder eingefleischte Fans – für jeden, der ihn im Backstage-bereich antrifft, nimmt sich Sydney Youngblood entspannt die Extra-Minute. Begeisterte Zuhörer hat der Mann in Brandenburg zuhauf. Wie die Weather Girls hat auch er eine Schwäche für die Brandenburger Wälder. Sydneys Begeisterung für seine Fans wirkt auf Außenstehende genauso ehrlich wie seine Bewunderung für die Brandenburger.
Samantha Fox begeistert die Massen mit 200 Prozent Einsatz. Die Britin sprang kurzfristig für die Popsängerin Sandra ein, die nach einem Unfall von den Ärzten ein vorübergehendes Auftrittsverbot erhalten hatte. Dabei bringt Fox bestimmt nicht weniger Energie auf die Bühne. Ganz im Gegenteil: Die Lederjacke muss als erste dran glauben. Denn Fox legt eine solche Energie an den Tag, dass sich auch die hinteren Reihen bewegen müssen. Sogar den Mikrofonständer tritt sie weg und spielt mit den Kameras und dem Publikum. „Heute haben wir ein richtig sexy Publikum“, ruft sie aufgeregt ins Mikro.
Aus dem britischen Duo wird Backstage ein Trio
Doch hinter der Bühne wird die erfolgreiche Sängerin schnell selbst zum Fan und schleicht sich klammheimlich zum Meet and Greet mit Gareth Moulton und Nicholas „Nick“ van Eede von der Cutting Crew. Doch die nehmen es locker. Sänger van Eede meint sogar scherzhaft: „Ich fühle mich wie ein Adliger“ und hat die Lacher auf seiner Seite. Nicht nur die kleinen Späße machen van Eede zu einem sympathischen Zeitgenossen, auch seine Vorliebe zum deutschen Wein sorgt für Gesprächsstoff. Während das Weinglas vom Catering-Service ruhig bis zum Rand gefüllt werden darf, betont der Sänger aber auch, wie sehr ihn die Deutschen faszinieren.
„Sehr loyal und leidenschaftlich, was die Musik angeht. Die Leute hier fühlen, was wir ihnen präsentieren. Wir kommen immer wieder gerne nach Deutschland, hier ist das Publikum mit am besten.“ Gitarrist Moulton kann dem nur zustimmen. Auf der Bühne wechseln Cutting Crew zwischen gefühlvollen, langsameren Songs und solchen, bei denen der ganze Körper einfach mitgehen muss. Besonders viel Schweiß investiert Moulton in sein Gitarrensolo, bei dem mindestens dreimal mittendrin Applaus aufbrandet. Auch van Eede lässt es sich nicht nehmen, mit kraftvollen Harmonien aufzuwarten.
ABC legen noch nach
Zum krönenden Abschluss gibt es einen großen Trommelwirbel für ABC, auf die sich die eingefleischten Fans besonders gefreut haben. Dank der Bühnentechnik verwandelt sich die Kulisse in ein Meer aus Blau oder Rot, jeweils gepaart mit weißen Lichtstrahlen. Egal welcher Song gespielt wird, die Menge tobt trotz der späten Stunde. Leadsänger Martin Fry ist auch abseits des Bühnenlichts eine starke Persönlichkeit, selbst wenn er es dann etwas ruhiger angehen lässt. Dem Alkohol hat er zwar schon lange abgeschworen, aber er lobt den Champagner, den er auf seinen Reisen und Tourneen in Deutschland immer genießen durfte. Martin Fry und Nick Van Eede würden sich an dieser Stelle bestimmt gut verstehen.
Mit einer farbenprächtigen Lasershow geht das diesjährige Open-Air-Konzert des Berliner Rundfunks zu Ende. Das Lichtspektakel unter dem klaren Nachthimmel ist für jeden im Publikum ein unvergesslicher Abschluss. Zum Erfolg der Veranstaltung tragen nicht nur die Künstlerinnen und Künstler bei, die alle eine einzigartige Energie auf die Bühne bringen, sondern auch die unterschiedlichen Altersgruppen. Von grauhaarigen Köpfen über junge Erwachsene bis hin zu aufgeregt im Takt wippenden Kinderarmen ist alles dabei.
Genau das macht den Charme der 1980er-Jahre-Musik aus. Nicht nur in ihren Hits ist sie vielfältig und von einem ständigen Auf und Ab geprägt. „Oh, when I look back now [...] Those were the best days of my life“, sang Bryan Adams bereits 1984 in „Summer of 69“. Rund 30 Jahre später prägt die Musik immer wieder neue Generationen und schafft unvergessliche Momente. Dafür steht das Berliner Rundfunk Open Air Konzert. Es ist ein Treffpunkt, um in Erinnerungen zu schwelgen, aber auch eine Chance, neue unvergleichbare Augenblicke zu schaffen.












