Bob Dylan live 2024: Drei Konzerte in Berlin – auf „Never Ending Tour“

Spielt am 10., 11. und 12. Oktober 2024 in der Uber Eats Music Hall in Berlin: Sänger Bob Dylan (hier bei einem Konzert 2012).
Domenech Castello/dpa- Bob Dylan spielt im Oktober 2024 drei Konzerte in Berlin.
- Die "Never Ending Tour" läuft seit 1988 mit über 3000 Auftritten.
- Dylan tourt trotz seines Alters von 83 Jahren weiterhin weltweit.
- Auch Corona konnte ihn nur kurzzeitig von Konzerten abhalten.
- Dylan verändert seine Songs oft bis zur Unkenntlichkeit.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Der Name ist umstritten: „Never Ending Tour“ (Nicht endende Tour). Bob Dylan jedenfalls mag ihn nicht. Er reizt ihn gar so, dass man ihn in Interviews besser nicht darauf anspricht. Um die Sache ein für alle Mal zu klären, schrieb der Musiker schon 1993 im Booklet seines (29.!) Studioalbums „World Gone Wrong“: „Es gab eine Never Ending Tour, aber sie endete.“
Mag sein, geholfen hat es nichts. Bob Dylan, mittlerweile 83, tourt weiter durch alle Welt, nennt das auch mal (wie seit 2021) „Rough and Rowdy Ways Tour“ – alle Welt nennt es trotzdem „Never Ending Tour“. Ob die Bezeichnung nun offiziell oder nicht für eine zusammenhängende Konzertreihe steht, ist eigentlich egal. Eine Periode in Bob Dylans Karriere umschreibt sie zweifellos. Eine Periode, die inzwischen 36 Jahre andauert.
Über 3000 Konzerte fallen in die „Never Ending Tour“
Los ging die „Never Ending Tour“ demnach am 7. Juni 1988 im kalifornischen Concord. An jenem Dienstagabend spielte Bob Dylan, genau wie seine Band ganz in Schwarz gehüllt, nicht einfach ein Konzert. In dem unscheinbaren Ort bei San Francisco, genauer im Concord Pavillon, fing er vielmehr an zu spielen. Und hat seitdem nicht damit aufgehört. 70 Auftritte folgten allein im Jahr 1988. Heute steht der Zähler der „Never Ending Tour“ bei über 3000 Konzerten. Doch warum das Ganze?
In den Sechzigern war Dylan ein Superstar. Mit seinem Album „The Freewheelin’ Bob Dylan“ wurde er zum Idol der US-amerikanischen Protestbewegung. Und dank Songs wie „The Times They Are a-Changin’“ galt er vielen als Stimme einer ganzen Generation. Doch auf dem Höhepunkt seiner Popularität gab der Sänger das Touren auf. Grund war ein schwerer Motorradunfall im Jahr 1966, der ihn auf das Leben mit seiner Familie besinnen ließ.
Erst in den Siebzigern betrat Bob Dylan wieder regelmäßig die Bühne. Die Musikindustrie allerdings war in der Zwischenzeit weitergezogen. So schnell der Stern der Folklegende mit der heulig-kratzigen Stimme aufgegangen war, so schnell war er verblasst. Doch zusammen mit The Band um Gitarrist Robbie Robertson spielte sich der singende Poet zurück in die Herzen seiner Fans – und sammelte neue.
Bei Live Aid 1985 war Bob Dylan das Finale – mit Keith Richards und Ronnie Wood
Das gelang ihm so gut, dass seine Konzerte zu regelrechten Events wurden. Er ging mit Ex-Rolling Stone Mick Taylor auf Tour, trat mit Tom Petty auf. Beim Benefiz-Weltkonzert Live Aid 1985 bildete er das Finale und sang begleitet von Keith Richards und Ronnie Wood „Blowin‘ in the Wind“.
Bob Dylan, der einst mit Akustikgitarre und Mundharmonika in kleinen Clubs spielte, war zum Stadion-Act geworden. Glücklich war er damit nicht.
In seiner Autobiografie „Chronicles“ erklärte Dylan seine damalige Unzufriedenheit mit der Dynamik zwischen ihm und seinem Publikum. Dies sei mit seinen Platten aufgewachsen, schrieb er, was es unmöglich machte, ihn als neuen Künstler akzeptieren. „In vielerlei Hinsicht hatte dieses Publikum seine besten Jahre hinter sich, seine Reflexe waren erschöpft. Sie waren gekommen, um zu starren und nicht um mitzumachen.“
Lediglich Corona zwang Bob Dylan zur Konzertpause
Der Megastar Bob Dylan wollte am liebsten neu anfangen. Seine Lösung: Viele Konzerte an den immer gleichen Orten, um sich so ein neues Publikum aufzubauen. Ob ihm letzteres gelang, sei einmal dahingestellt. Sicher ist, dass er seinen Plan seit jenem 7. Juni 1988 in die Tat umsetzt.
Mit Ausnahme von 2020, als die Corona-Pandemie eine Konzertpause erzwang, tourt Bob Dylan seither unablässig um den Globus. Anders als Stars mit ähnlichem Legendenstatus verzichtet er dabei auf eine große Werbemaschinerie. Es gibt keine aufwendigen Vorbereitungen. Ein Spektakel findet weder vor noch während der Show statt. Bob Dylan spielt stattdessen Konzert um Konzert, Woche für Woche, Jahr für Jahr. Viele Worte verliert er darüber nicht.
Über 3000 Konzerte, aber null Live-Alben von Bob Dylan
Auch sonst macht Bob Dylan wenig Aufsehen um seine beachtliche Tour-Tätigkeit. Sieht man einmal ab vom MTV Unplugged-Album aus dem Jahr 1995 (das unter besonderen Umständen zustande kam), gibt es nicht mal ein Live-Album mit vollständig seit 1988 entstandenem Material. Und das, obwohl seine Diskografie 21 solcher Platten umfasst. Das jüngste davon „The 1974 Live Recordings: The Missing Songs From Before the Flood“ erscheint am 20. September und enthält ebenfalls nur ältere Aufnahmen, wie der Titel unschwer erkennen lässt.

Davon sollte er bald genug haben: Mitte der Achtziger füllte Bob Dylan ganze Stadien (wie hier 1984 das St. Jakob-Park Stadion in Basel).
dpa/Keystone/epaEs mag daran liegen, dass man auf der „Never Ending Tour“ nie genau weiß, welchen Bob Dylan man bekommt. Denn der 83-jährige Literaturnobelpreisträger hat vielleicht keine Lust, von der Bühne zu treten. Noch weniger Lust hat er, auf der Stelle zu treten.
Die klassische Version von ihm mit Akustikgitarre und Mundharmonika gibt es live schon lange nicht mehr. Anfang der 2000er rührte er auf der Bühne für einige Jahre gar keine Gitarre an, spielte stattdessen Keyboard. Heute wechselt er zwischen Piano, Mundharmonika und E-Gitarre. Seine Songs verändert er dabei teilweise bis zur Unkenntlichkeit.
Vielleicht ist es diese Variationsfreude, vielleicht aber auch das noch stattliche Gewicht seines Namens, das folgendes Paradox erklärt: Obwohl Bob Dylan live mit enormer Quantität und gelegentlich wenig Qualität glänzt – seine Konzerte sind immer noch etwas Besonderes.
Bob Dylan: „Rough and Rowdy Ways Tour“ 2024 (Deutschland-Termine)
8. Oktober: Erfurt, Messehalle
10. Oktober: Berlin, Uber Eats Music Hall
11. Oktober: Berlin, Uber Eats Music Hall
12. Oktober: Berlin, Uber Eats Music Hall
14. Oktober: Nürnberg, Frankenhalle
16. Oktober: Frankfurt am Main, Jahrhunderthalle
17. Oktober: Frankfurt am Main, Jahrhunderthalle
18. Oktober: Frankfurt am Main, Jahrhunderthalle
21. Oktober: Stuttgart, Porsche Arena
22. Oktober: Saarbrücken, Saarlandhalle
27. Oktober: Düsseldorf, Mitsubishi Electric Hall
Tickets für die Konzerte gibt es hier.


