Brandenburgische Gedenkstätten: Historiker Bernd Faulenbach mit 80 Jahren gestorben

Von Bochum nach Brandenburg: Historiker Bernd Faulenbach (1943 - 2024).
dpaSeine Prägung hat er im Westen erfahren, bedeutend war er vor allem aber auch für Brandenburg: Der Historiker Bernd Faulenbach, langjähriger Vorsitzender der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, ist am 15. Juni 2024 im Alter von 80 Jahren verstorben. Das teilten Brandenburgs Kultur- und Wissenschaftsministerin Manja Schüle und der Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten (SBG), Axel Drecoll am 18. Juni mit.
Ministerin Manja Schüle (SPD) würdigte insbesondere Faulenbachs Wirken für die SPD und die Erinnerungskultur in Brandenburg: „Bernd Faulenbach war Sozialdemokrat durch und durch: Er war Vorsitzender der Historischen Kommission beim Parteivorstand der SPD und setzte sich in seinen Schriften mit klassischen sozialdemokratischen Themen wie Mitbestimmung und Erwachsenenbildung auseinander.
Aber er war viel mehr, vor allem für uns in Brandenburg: Er war einer der wichtigsten Geburtshelfer bei der Gründung der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten und war ihr jahrzehntelang verbunden. Und er war ein konzeptioneller Vordenker, der mit der ‘Faulenbach-Formel‘ auf den Punkt gebracht hatte, dass die NS-Verbrechen weder durch die Verbrechen des Stalinismus relativiert noch die Verbrechen des Stalinismus durch Hinweis auf die NS-Verbrechen bagatellisiert werden dürfen.
Vor allen Dingen war er aber ein überzeugter und überzeugender Demokrat: Klug, streitbar, emphatisch und engagiert bis ins hohe Alter. Er wird sehr fehlen. Mir und unserem Land.“
Geboren 1943 in Pyritz in Pommern, studierte Faulenbach Geschichtswissenschaft, Germanistik, Politikwissenschaft, Philosophie und Pädagogik in Bonn und Bochum und schrieb seine Dissertation über „Die deutsche Geschichte in der Historiographie zwischen Kaiserreich und Nationalsozialismus“ und war Assistent von Hans Mommsen an der Ruhr-Universität Bochum. Seit 1981 war er Mitarbeiter am Forschungsinstitut für Arbeiterbildung in Recklinghausen und bis zu dessen Schließung 2007 dort stellvertretender Direktor. Seit 1993 war er Honorarprofessor an der Ruhr-Universität Bochum.
„Seine Lebensthemen waren die Geschichte der Arbeiter:innenbewegung und der Sozialdemokratie in ihren verschiedenen Facetten. Geschichte war dabei für Bernd Faulenbach nie nur Wissenschaft, sondern immer auch ein Feld gesellschaftlicher Intervention, denn die Beschäftigung mit Geschichte und die Erinnerungskultur ist eine Form von Gesellschaftspolitik.“, heißt es in einem Nachruf der Friedrich-Ebert-Stiftung, der er eng verbunden war.
Auch mit der Geschichte der DDR hat Faulenbach sich regelmäßig befasst: So wirkte er in der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestags zur Aufarbeitung der SED-Diktatur mit, war von 1998 bis 2016 stellvertretender Vorsitzender der Bundesstiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur und beteiligte sich an den Beratungen zur Errichtung des Denkmals für die ermordeten Juden Europas.
Axel Drecoll, der Leiter der Brandenburgischen Gedenkstätten, würdigt insbesondere seine Rolle bei der Neukonzeption der Gedenkstätten: „Die von Bernd Faulenbach 1992 vorgelegten Empfehlungen für die künftige Verfasstheit und inhaltliche Neukonzeption der brandenburgischen Gedenkstätten bildeten nicht nur die Grundlage für die Gründung der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, sondern waren darüber hinaus wegweisend für den Entwicklungsprozess der Gedenkstätten zunächst in Ost- und später auch in Westdeutschland sowie für die Erinnerungskultur insgesamt.
Den von vielen Diskussionen und schwierigen Entscheidungen geprägten Prozess der Sanierung und Neugestaltung der brandenburgischen Gedenkstätten hat die Fachkommission in wechselnder Besetzung unter Faulenbachs Leitung kompetent und konstruktiv begleitet.“

