Bruce Springsteen in Berlin 2025: So lief das Konzert von „The Boss“ im Olympiastadion

Rückkehr nach fast einem Jahrzehnt: Bruce Springsteen bei seinem Konzert im Olympiastadion Berlin.
Annette Riedl/dpa- Bruce Springsteen spielt 2025 im Berliner Olympiastadion, knapp 70.000 Fans dabei.
- Konzert startet mit Kritik an Trump; Springsteen fordert Einsatz gegen Autoritarismus.
- Fokus auf Spätwerk: Hälfte der Songs nach 2000, u.a. "Rainmaker", "The River".
- E Street Band beeindruckt mit virtuosem Zusammenspiel; keine Gäste, Support.
- Konzert endet mit Hits wie "Born to Run", "Dancing in the Dark", "Born in the USA".
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Im aktuellen Jugendsprech gibt es den Begriff „Boss Move“. Gemeint ist eine Handlung mit einer gewissen Coolness. Eine, die souverän und clever ist. Alles im Griff und das ziemlich lässig, so in etwa. Etymologen müssen die Begriffsgeschichte wohl erst noch erforschen, aber hier schon mal eine Theorie: „Boss Move“ leitet sich von Bruce Springsteen ab.
Bei genauerer Betrachtung liegt es auf der Hand. Da ist Springsteens legendärer Beiname: „The Boss“. Den hat er seit den Siebzigern weg. Damals sammelte er nach Auftritten noch selbst die Gagen ein und verteilte das Geld an seine Band. Aber auch gegenwärtig finden sich würdige Indizien, etwa im Berliner Olympiastadion. Was Bruce Springsteen dort am Mittwochabend (11. Juni) bei seinem Konzert zur Schau stellt, darf getrost als gewaltiger „Boss Move“ gelten.
Mit „Guten Abend, Berlin“ startet Bruce Springsteen
Schon als er pünktlich um 19 Uhr vor die gut 70.000 Fans tritt, lässt The Boss nichts anbrennen. Dem „Guten Abend, Berlin“ folgt eine Abrechnung mit Donald Trump. Amerika, seine Heimat, sei „in den Händen einer korrupten, inkompetenten und verräterischen Regierung“. Auch die zurückliegenden Konzerte seiner „Land of Hope and Dreams“-Tour ließ er mit diesen Worten beginnen. Bevor er mit „Ghost“ den ersten Song anstimmt, ruft er das Publikum auf, die Stimme gegen Autoritarismus zu erheben und die Freiheit erklingen zu lassen.
Schon erstaunlich, mit welcher Wucht der 75-jährige Springsteen, in Hemd und Krawatte unter olivgrüner Weste gekleidet, die Bühne betritt. Mit seiner Fender Telecaster bespielt er die gesamte Weite der riesigen, ungeschmückten Bühne, über der eine deutsche und eine US-amerikanische Flagge wehen. Zwar tut ihm die Anlage des Olympiastadions keinen Gefallen, dennoch ist der Sound so herrlich abgewetzt wie das blonde Holzfinish der ikonischen Gitarre. Darüber presst Springsteen seinen rauen, drängenden Gesang aus der Kehle.
Springsteen spielt viele Songs aus seiner Spätphase
Musikalisch legt er in Berlin einen großen Fokus auf sein Spätwerk. Knapp die Hälfte der gespielten Songs sind nach 2000 entstanden. Und sie müssen sich vor den Klassikern nicht verstecken. Nicht nur für Lieder wie das explosive „Rainmaker“ ist das Olympiastadion eine dankbare Kulisse.
Auch gemächliche Stücke wie „Death to My Hometown“ mit seinen Irish Folk-Elementen und selbst das emotionale Lamento „The River“ gehen nicht unter. Mit der E Street Band weiß The Boss die Performance ideal zu justieren. Für „The Promised Land“ geht Springsteen sogar mit Mundharmonika auf Tuchfühlung mit der ersten Reihe. Clubstimmung in der Fußballarena.
Die E Street Band ist eine gut geölte Maschine
Jahrzehnte auf der Bühne haben aus den Musikern eine gut geölte Maschine gemacht. Die virtuosen Saxophon-Solos von Jake Clemons, Roy Bittans endlose Orgel-Teppiche, die Unbestechlichkeit Max Weinbergs hinter den Drums oder die lustvollen Gitarren-Duelle, die sich Springsteen mit Steven Van Zandt liefert, bestätigen den Mythos der E Street Band.

Gut geölte Maschine: Bruce Springsteen und die E Street Band im Olympiastadion Berlin.
Annette Riedl/dpaDie Energie des Frontmanns springt in Sekundenbruchteilen auf die Fans über. Immer wieder klatschen sie im Takt die Hände über den Köpfen zusammen. Und die Offerte des Boss, ohne sein Zutun den Text zu „Hungry Heart“ zu singen, nehmen sie gerne an.
Natürlich darf diese fröhlich anmutende, eigentlich aber melancholische Geschichte über rastloses Suchen nach Erfüllung, in der Hauptstadt nicht fehlen. Springsteen bescherte der Song zwar schon 1980 den internationalen Durchbruch – aber 15 Jahre später schrieb er damit Berliner Lokalgeschichte. Damals spielte er ihn in einem kleinen Café im Prenzlauer Berg und veröffentlichte den Mitschnitt als Musikvideo. Seither hat „Hungry Heart“ offiziell eine „Berlin Version“.
Mehr als nur ein Plädoyer gegen Trump und Konsorten
Bruce Springsteen ist einer der großen Geschichtenerzähler des Rocks. Ihn treiben Themen wie soziale Ungleichheit, Freiheit oder der Amerikanische Traum und seine Schattenseiten um. Wohl auch deshalb nutzt er die Berliner Bühne mehrfach für Plädoyers gegen die Ausnutzung von Macht gegen die Schwachen, wie er es gerade in den USA beobachtet. Die Hoffnung gibt er aber nicht auf: „Wir werden diese Zeit überstehen!“ Von den Berlinerinnen und Berlinern erntet er dafür lauten Applaus.
Nicht nur als im Anschluss das gospelartige „My City of Ruins“ angestimmt wird, ist zwischen ihnen und Springsteen und eine tiefe Verbundenheit spürbar. Für seine Songs schürft die Rockikone seit jeher tief in der Seelenmine. Die emotionale Authentizität seiner Musik schafft Brücken. Für einige hier wohl sogar über Systemgrenzen und Mauern hinweg. Manche tragen jedenfalls Shirts, die an Springsteens legendäres Ost-Berlin-Konzert 1988 erinnern.
Springsteen verzichtet in Berlin auf Support und Gäste
Einen Support hat Bruce Springsteen in Berlin nicht. Auch prominente Gäste fehlen. Manch ein Fan mag darauf gehofft haben, schließlich holte er vor wenigen Tagen für seine Show in Liverpool sogar Paul McCartney auf die Bühne.
Mögliches Bedauern verpufft spätestens, als mit der untergehenden Sonne die Dichte an Hits größer wird. Das letzte Drittel ist voll mit Hymnen wie „Born to Run“, „Dancing in the Dark“, „Born in the USA“ oder dem Rockabilly-Klassiker „Seven Nights to Rock“.
Am Ende steht „Chimes of Freedom“. Das Bob Dylan-Cover beschließt eine gekonnt abgestimmte Retrospektive. Dass The Boss sie mit der E Street Band in derartiger Ausdauer, Bühnenpräsenz und sichtbarer Spielfreude präsentierte, zementiert seinen Status als „Working Class Hero“ des Rocks. Und so sendet Bruce Springsteen nach gut drei Stunden und rund 30 Songs sein Publikum beseelt nach Hause. Wenn das mal kein „Boss Move“ ist.



