Burg Beeskow
: Neue Ausstellung – was Tesla mit der Postkutsche zu tun hat

Auf der Burg Beeskow geht es mit „Holen und Bringen“ darum, wie man sich in der Region fortbewegt. Ohne Kontroversen geht das nicht.
Von
Christina Tilmann
Beeskow
Jetzt in der App anhören
Ein Tesla-Protestbanner in der Ausstellung "Vom Holen und Bringen" auf der Burg Beeskow zeugt davon, dass Mobilität kein unumstrittenes Thema ist.

Ein Tesla-Protestbanner in der Ausstellung "Vom Holen und Bringen" auf der Burg Beeskow zeugt davon, dass Mobilität kein unumstrittenes Thema ist.

Christina Tilmann
  • Neue Ausstellung "Vom Holen und Bringen" auf Burg Beeskow über Mobilität in der Region.
  • Historische und aktuelle Fortbewegungsmittel werden bis Ende 2025 gezeigt.
  • Tesla-Protest und Kontroversen um Mobilität werden thematisiert.
  • Persönliche Geschichten der Menschen aus der Region betonen Gemeinschaft.
  • Ausstellung täglich geöffnet, Eintritt frei, Eröffnung am 1. Februar.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die schönste Geschichte hat der Kommunikationsdesigner Steffen Schuhmann im Vorwort des neuen Kursbuch Oder-Spree erzählt. Wie er eines Abends im Dezember von Beeskow nach Eisenhüttenstadt fahren wollte, um dort einen Scanner vorbeizubringen – und mitten auf der Landstraße, an den Krügersdorfer Eichen, mit dem Auto liegenbleibt, bei Minusgraden.

Der ADAC in München, den er anruft, verspricht einen Abschleppwagen in fünf Stunden, der Nachbar, den er beim Abendbrot erreicht, fährt sofort los. Und während er auf ihn wartet, hält so ziemlich jedes Auto an, das vorbeikommt, fragt, ob er mitgenommen werden will, ob er Hilfe braucht, ob es einen Wildunfall gab, ob er Tee aus der Thermoskanne oder ein Pausenbrot braucht. Das Auto landet, dank tatkräftiger Hilfe des Nachbarn, vor der Tür der Autowerkstatt von Heiko Boschan in Görsdorf. Und Steffen Schuhmann ist um eine Erkenntnis reicher:  „Ich weiß, dass in dieser Gegend niemand allein unterwegs ist.“

Vor allem geht es um die Menschen in der Region

Dem Unterwegs-Sein, dem „Holen und Bringen“, der Mobilität und dem Pendeln ist neben dem Kursbuch auch die neue Jahresausstellung auf der Burg Beeskow gewidmet, die am 1. Februar eröffnet wird. Da geht es in einem historischen Rückblick um die vier Bahnhöfe, die Beeskow einst besaß, und die Bahnlinien, die dazugehörten. Es geht um den letzten Postkutscher und seinen Diensthut, die Woltersdorfer Straßenbahn und ihren historischen Fuhrpark und die Kraftomnibusse, die schon vor hundert Jahren Guben, Lieberose, Beeskow und Friedland verbanden.

Historischer Fahrsimulator in der Ausstellung

Neue Ausstellung in der Burg Beeskow: Den historischer ELAN-Fahrtrainer in der Ausstellung hat der Fahrlehrer Günter Wehr aus Fürstenwalde zur Verfügung gestellt.

Christina Tilmann

Vor allem aber geht es darum, wie die Menschen sich heute in Beeskow fortbewegen. Wie sie Autofahren lernen und wer noch mit dem Fahrrad unterwegs ist. Wie zuverlässig der Busverkehr ist und was der von einem Start-Up-Unternehmen auf den Markt gebrachte Dalli-Bus bewirkt hat. Was es bedeutet, heute noch eine Schleuse zu steuern und ob das künftig auch vollautomatisiert funktioniert. Warum es nachhaltiger sein kann, alte Autos zu reparieren als neue zu kaufen. Und warum es ein Vergnügen sein kann, mit der Niederbarnimer Eisenbahn zwischen Frankfurt (Oder) und Königs Wusterhausen unterwegs zu sein.

Eine neue Art, Regionalgeschichte zu erzählen

Das Museum Oder-Spree verfolgt dabei nun schon im fünften Jahr das Konzept, die Geschichte der Region über die Menschen der Region zu erzählen. Weshalb die Objekte in der Ausstellung wieder begleitet sind von schwarz-weißen Porträtbildern, die Andreas Batke angefertigt hat und auf deren Rückseite die Protagonisten kurz porträtiert werden. Der Fahrradreparateur Steffen Hirt und der Kahnbauer Mario Müller, die Schleusenwärterin Regina Waschkowski und der Kfz-Mechaniker Heiko Boschan. Sie alle berichten von Wandel und Kontinuität, von Vergangenheit und Zukunft der Region und ihrer Gewerke. Ausführlicher lassen sich die Geschichten im aktuellen Kursbuch nachlesen.

Doch stärker noch als bei den vorangegangenen Jahresthemen, die von Essen und Trinken, Haben und Brauchen, Abreißen und Aufbauen oder Kommen und Gehen erzählten, ist das Thema Mobilität Anlass zu Kontroversen.

Der Streit um Tesla: Pro und Contra

Das zeigt sich an dem umstrittensten Projekt der Region: Tesla. Nicht umsonst hängt im ersten Raum eines der Banner, mit denen das Protestcamp im Wald gegen Elon Musks Gigafactory rebellierte - und ein Schild, das „Tesla Parking Only“ ankündigt. Mit den beiden Aktivisten Albrecht Köhler und Roman Rauch sind dazu zwei Protagonisten gewählt, die, aus der gleichen Generation stammend, konträre Positionen vertreten: Ist das Tesla-Werk nun die große Chance für die Region oder eine Ausgeburt des Turbokapitalismus ohne Rücksicht auf Umwelt und Anwohner? Und das lange bevor Tesla-Chef Elon Musk aus ganz anderen, politischen Gründen zum Problemfall wurde.

Hier werden auch die Ausstellungsmacher politisch, thematisieren die Wiederverwertbarkeit von Batterien, die problematischen Rohstoffe und die aggressive Markenpolitik. Und fragen: „Sollte man nicht einen anderen Traum träumen: das Holen und Bringen als Gemeinschaftserlebnis in elektrischen Bussen und Bahnen?“ Womit man dann wieder bei Steffen Schuhmann ist: Allein muss in dieser Gegend niemand unterwegs sein.

„Vom Holen und Bringen“: Museum Oder-Spree in der Burg Beeskow, bis Ende 2025, Di – So, 11 – 17 Uhr, April bis September 10 – 18 Uhr. Eröffnung. 1.2., 17 Uhr, Eintritt frei

Pendeln

Warum kommt die Bahn zu spät? Was bringt ein Tempolimit auf der Autobahn? Und wie sieht die perfekte Innenstadt für Radfahrer und Fußgänger aus? Wir berichten über Mobilität in unserer Region - und darüber hinaus.